Rosenheim – Kaiserstraße, Dienstagnachmittag, an der Kreuzung zur Frühlingstraße: Ein junger Mann gibt einem Rentner urplötzlich einen Schubs, stößt ihn auf die Straße. Und rennt davon.
Marcel Rott (15) steht nicht weit entfernt davon, wartet mit seinem Fahrrad an der Ampel – und sieht den 77-Jährigen auf die Fahrbahn stürzen. Mit dem Gesicht voraus, überall Blut. Er reagiert blitzschnell. Den Bruchteil einer Sekunde später wirft er sein Rad auf den Gehweg – und rennt los. Mit ihm zusammen sein Freund Thomas (18), der ihn begleitet hatte – und in diesem Moment denselben Gedanken hatte: Der Typ darf nicht ungeschoren davonkommen – nichts wie hinterher. Sie rennen die Frühlingstraße entlang, immer dem Angreifer auf den Fersen.
Und können ihn wenig später zwischen zwei Häusern stellen. „Wir haben ihn festgehalten, bis die Polizei da war“, erzählt Marcel Rott im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Dabei hätten ihnen dann zwei Erwachsene geholfen, die hinzugekommen waren. „Was ein Glück war, weil der gleich um sich geschlagen hat“, schildert der 15-Jährige die Lage. „Damit war es für uns auch nicht mehr so gefährlich.“
Hut ab vor so viel Zivilcourage – das bekommen Marcel und Thomas seit ihrer Blitzaktion nun von allen Seiten zu hören. Einer, der besonders stolz ist: Harald Schoger, Papa von Marcel, der natürlich aus erster Hand informiert worden war. „Das hat er super gemacht“, freut sich Schoger. Zumal es nicht ungefährlich war, wie der Vater bemerkt. „Man weiß ja nie, wie solche Typen reagieren.“
Kaum war die Polizei vor Ort und nahm sich des Angreifers an – ein 29-jähriger Rosenheimer, wie berichtet – liefen Marcel Rott und sein Freund Thomas zurück zum „Tatort“, zur Straßenkreuzung Kaiser-/Frühlingstraße. „Wir haben uns dann noch um den Verletzten gekümmert, bis der Krankenwagen gekommen ist“, erzählt der 15-Jährige.
Das Opfer, ein 77-jähriger Rentner aus Bad Endorf, der an diesem Nachmittag mit seiner Frau in Rosenheim unterwegs war, zog sich schwere Verletzungen im Gesicht zu. Er musste ins Klinikum Rosenheim eingeliefert werden, wurde aber offenbar Donnerstag wieder entlassen. Das wussten zumindest die beiden Jungs.
Freunde sorgen
sich um das Opfer
„Wir wollten ihn Donnerstagnachmittag besuchen und sehen, wie es ihm geht, haben ihn aber nicht mehr angetroffen“, sagt Marcel Rott. Die beiden Freunde hoffen, dass es dem 77-Jährigen bald wieder besser geht.
Der Schreck angesichts des plötzlichen Angriffs steckt auch den beiden noch in den Knochen. Denn darüber sind sie sich einig: Der Rentner hatte noch Glück im Unglück – wenn in dem Moment ein Auto in die Kreuzung eingefahren wäre, hätte es für ihn lebensbedrohlich enden können.
Noch ungeklärt ist bislang, wie es zu dem Angriff gekommen ist – und ob es dazu eine Vorgeschichte gibt. Erstmeldungen der Polizei zufolge soll es zuvor zu einem Streitgespräch zwischen dem 29-Jährigen und dem Ehepaar gekommen sein. Nach neueren Erkenntnissen ist es nun offenbar strittig, ob es überhaupt im Vorfeld einen Streit gab. Möglicherweise, so die Polizei Rosenheim in einer weiteren Pressemeldung, hat der junge Mann zuvor mit anderen Unbeteiligten diskutiert – und gar nicht mit dem Ehepaar. Um dies zu klären, bittet die Polizei Rosenheim weitere Zeugen des Vorfalls, der sich Dienstag gegen 15 Uhr ereignet hatte, sich unter Telefon 08031/ 200-2200 zu melden.