Kufstein/Kiefersfelden – Hajo Gruber machte sich wegen eines Anschlusstermins als einer der ersten auf den Heimweg. „Ich könnte mir heute eine lustige Bürgerversammlung vorstellen“, sagte der Kiefersfeldener Bürgermeister beim Abschied und lachte „ich müsste einfach nur dieses Schild hochhalten“.
Das besagte Schild mit durchgestrichener Vignette stand für den Anlass der Pressekonferenz, zu der Grenzgemeinden und das Land Tirol ins Rathaus von Kufstein eingeladen hatten. Und es ist tatsächlich Antwort auf viele Sorgen und Fragen der Menschen nicht nur in Kiefersfelden. Keine Maut mehr von der Grenze bis zur Ausfahrt Kufstein Süd, so heißt die Botschaft, die Hoffnung auf ein Ende des Ausweichverkehrs und damit ein Ende auch des Ausnahmezustands in Kiefersfelden und anderen Grenzgemeinden bringt.
Eine Rückkehr zur Normalität, für die Maut-Gegner lange kämpfen mussten. „Das war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Tirols Landeshauptmann Günther Platter. Er bedankte sich bei Kanzler Sebastian Kurz. „Er hatte zugesichert, dass die Mautbefreiung kommt, und er hat Wort gehalten.“ Dann nahm Platter die Nachbarn ins Gebet: „Es ist das Gebot der Stunde, dass die bayerischen Verantwortungsträger mit den unsinnigen Grenzkontrollen aufhören.“
Befreiung pünktlich
zum Start der Saison
Vor gut einem Monat hatte der Nationalrat in Wien eine Ausnahmeregelung für grenznahe Autobahnabschnitte beschlossen. Nach der Genehmigung durch den Bundesrat endet die Vignettenpflicht am 15. Dezember und damit pünktlich zum Start der Skisaison. „Ein Weihnachtsgeschenk“ nannte Josef Ritzer, Bürgermeister von Ebbs die Entscheidungen von National- und Bundesrat.
Rückstaus haben die Grenzgemeinden nun vor allem noch durch die Grenzkontrollen zu befürchten. Kiefersfeldens Bürgermeister erneuerte seine Forderung nach einer dritten Abfertigungsspur. „Was man in Reichenhall machen kann, muss auch für Kufstein und Kiefersfelden drin sein“, sagte Gruber.
Hausherr Martin Krumschnabel hatte seine Mitstreiter im Bürgersaal des Rathauses begrüßt. Er mache sich Sorgen darum, dass die frohe Kunde sich nicht schnell genug verbreitet. „Es ist wichtig, dass wir das kommunizieren, damit man bis zur Nordküste hinauf weiß, dass man nach Kufstein auf der Autobahn gelangen kann“, sagte der Kufsteiner Bürgermeister.
Hajo Gruber pries die neue Gemeinschaft. „Wir waren in Gefahr, dass wir über die Tiroler schimpfen und die Tiroler über uns.“ Durch die gemeinsamen Anstrengungen sei man jedoch einander näher gekommen. „Ich hab den Eindruck, dass die Region zusammengewachsen ist“, sagte Gruber. Wofür die Stellvertreterin des Landeshauptmanns, Ingrid Felipe (Grüne), auch Gruber verantwortlich machte. Er habe mit „klaren Worten“ deutlich gemacht, „dass der Ausweichverkehr nicht nur Tiroler Gemeinden angeht. Dieses Zusammenhalten war maßgeblich für unser Anliegen“. Einig war sie sich mit Platter und den Bürgermeistern auch darin, dass man über die Vignettenpflicht neu nachdenken solle. „Die Vignette als Pauschalmaut ist nicht der Weisheit letzter Schluss“, sagte Felipe.
Ein Fest auf
der Grenze
Während in diesem Punkt ebenso wie bei den Grenzkontrollen eine schnelle Lösung nicht zu erwarten ist, gilt es den ersten großen Erfolg zu feiern. Wie berichtet, laden Kiefersfelden und Kufstein für den Sonntag, 15. Dezember, zum Mautbefreiungsfest. Und zwar von 10 bis 12 Uhr an symbolträchtigem Ort, an der alten Zollstation.
Auch dass die Straße dafür extra gesperrt wird, hat Symbolcharakter: Wer zwischen Kiefersfelden und Kufstein verkehren muss, kann dies dann ohne Maut auf der Autobahn tun. Es spielt die Musikkapelle Kiefersfelden auf. Die Politiker werden sich mit Ansprachen kurz halten. „Das ist als Fest für die Menschen gedacht“, sagt Gruber.