Beifahrer ertrinkt in Weiher

von Redaktion

Schwerer Unfall bei Marquartstein – Ersthelfer hält Fahrer über Wasser

Marquartstein – Ein Auto ist am Sonntagmorgen zwischen Marquartstein und dem Schlechinger Ortsteil Raiten auf spiegelglatter Fahrbahn von der Straße abgekommen und in einen Löschweiher gerutscht. Während drei Insassen im Alter zwischen 80 und 88 Jahren rechtzeitig aus dem Fahrzeug gerettet werden konnten, überlebte der 89-jährige Beifahrer aus Marquartstein den Unfall nicht.

Die vier Senioren waren gegen 9.50 Uhr in einem Peugeot auf der TS55 von Marquartstein in Richtung Raiten unterwegs, als der Wagen laut Polizei in einer Rechtskurve wegen Straßenglätte von der Fahrbahn abkam. Alles Gegenlenken half nichts, das Fahrzeug rutschte nach links die mehrere Meter hohe Böschung hinab und landete in einem zehn auf zehn Meter großen Weiher. Die Front versank im Wasser – mit der Beifahrerseite voraus.

Vier Senioren
im Fahrzeug

Anwohner hatten den Unfall mitbekommen und die Rettungskräfte alarmiert. Nach Angaben der Polizei Grassau reagierte ein 52-jähriger Mann sofort, sprang in den Teich und hielt den Fahrer so lange über Wasser, bis die Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Marquartstein und Grassau übernehmen konnten.

Als Axel Seiz, Leiter der Einsatzdienste der DLRG Traunstein, mit seinen Kollegen am Unfallort eintraf, spielten sich dramatische Szenen ab. „Im ersten Moment war alles sehr unübersichtlich. Unter anderem war nicht genau klar, wie viele Personen sich ursprünglich in dem Fahrzeug befunden haben.“ Immerhin: Zu diesem Zeitpunkt war bereits eine Person aus dem Fahrzeug befreit worden.

Vor allem das unwegsame Gelände machte den Helfern schwer zu schaffen. „Die Böschung war eine einzige Eisbahn“, sagt Seiz. „Und in dem Morast des Löschweihers war es kaum möglich, vernünftig zu stehen.“ Bis zu den Knien sei er in den Schlamm eingesunken. „Das Wasser selbst hatte vermutlich an dieser Stelle nur eine Tiefe von 1,20 Meter.“

Leider tief genug, um die komplette Beifahrerseite zu unterspülen. „Der Mann hatte keine Chance. Er saß einfach am tiefsten Punkt im Fahrzeug“, sagt Seiz. So kam für den 89-Jährigen aus Marquartstein jede Hilfe zu spät, er verstarb noch am Unfallort.

89-Jähriger stirbt noch
an der Unfallstelle

Doch auch für die übrigen Insassen, die wie der Beifahrer alle angeschnallt waren, ging es aufgrund der kalten Temperaturen des Wassers und ihres fortgeschrittenen Alters um Minuten. Zwei von ihnen waren bereits aus dem Fahrzeug befreit, als die Feuerwehr oben an der Straße die Drehleiter in Stellung gebracht hatte. Im Löschteich übernahmen Seiz und die übrigen Einsatzkräfte der Wasserrettung von DLRG und Wasserwacht die Bergung der weiteren Personen. „Das ging dann Hand in Hand“, sagt Seiz. „Über die Drehleiter wurden sie nach oben gebracht.“

Die drei anderen Senioren wurden schwer verletzt. Der 80-jährige Fahrer aus Bad Endorf sowie die zwei Frauen auf der Rückbank, eine 85-jährige Traunsteinerin und eine 88-jährige Amerikanerin, kamen mit dem Hubschrauber Christoph 14 und mit Rettungswagen in umliegende Krankenhäuser. „So tragisch die Bilanz des Unfalls ist“, sagt Axel Seiz, „es war am Ende auch viel Glück, dass nicht das komplette Fahrzeug unterspült wurde“.

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