150 Kubikmeter Gülle ausgelaufen

von Redaktion

Leck in Biovergärungsanlage in Hittenkirchen – Auswirkungen noch unklar

Bernau – Braune, stinkende Flüssigkeit strömt auf Wiesen und landwirtschaftliche Felder in Hittenkirchen (Gemeinde Bernau). Schuld ist eine Betriebsstörung in der dortigen Biovergärungsanlage. Nach Angaben von Nachbarn und betroffenen Landwirten flossen in der Nacht auf Samstag bis zu 150 Kubikmeter Gülle und Dreck auf die angrenzenden Felder und weiter in den Mailinger Bach. „Das Leck hat weitreichende Folgen für Umwelt, Betriebe, Landwirtschaft, Tiere“, ist sich Josef Bauer als Betroffener gegenüber unserer Zeitung sicher. Besonders prekär: Der Vorfall ereignete sich laut Nachbarn in einem Wasserschutzgebiet.

Nachbarn
und Anliegern
stinkt´s gewaltig

Bauer und anderen Anwohnern stinkt’s gleich in mehrfacher Hinsicht gewaltig. Seit Jahren fordert der direkte Nachbar von der betroffenen Firma Finsterwalder Umwelttechnik GmbH & Co. KG Verbesserungen und Schutzvorkehrungen vor Störfällen wie diesen. Außerdem müssen die Hittenkirchener gerade mit massiven Geruchsbelästigungen leben. Der Gestank der Biovergärungs-Gülle breite sich mehr und mehr aus. „Unsere Feriengäste reisen deshalb ab. Erste finanzielle Verluste habe ich schon wegen des Vorfalls“, so Bauer.

Landratsamt und
Wasserwirtschaftsamt
waren vor Ort

Noch am Samstag waren Vertreter des Landratsamtes Rosenheim sowie des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim vor Ort, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen und Proben zu entnehmen. In ihren Händen liegt die weitere Bearbeitung des Falls. Stellungnahmen der Behörden gab es wegen des Wochenendes gegenüber unserer Zeitung aber noch nicht. Die Polizei ist über den Vorfall informiert, ebenso die örtliche Feuerwehr. Letztere musste zudem noch laut Bauer fünf bis sechs Schafe, die in der Gülle standen, von ihrer Wiese evakuieren.

Auf Nachfrage unserer Zeitung äußerte sich die Firma gestern zu der Betriebsstörung und deren Auswirkungen. Nun gelte es, die Probenergebnisse der Behörden abzuwarten. „Gärprodukt ist unbemerkt ausgetreten“, so Geschäftsführer Tobias Finsterwalder. Wo die Fehlerquelle lag, ist Gegenstand der laufenden Untersuchung. Laut Finsterwalder werden 6000 Tonnen pro Jahr organische Abfälle aus Restaurants, das entspricht etwa dem Abfall aus der Zubereitung von 75000 Essen pro Tag. Daraus werde CO2 neutral elektrische Energie erzeugt, etwa zwei Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Firmensitz des Unternehmens ist in Hittenkirchen. Dort erfolgte auch der Bau und die Inbetriebnahme einer eigenen abfallwirtschaftlichen Biogasanlage im Jahre 2000. Fakt am gestrigen Sonntagnachmittag: „Das Leck ist mittlerweile behoben. Es strömt keine weitere Gülle heraus. Drei Mann hätten mit Hochdruck vor Ort an der Reparatur gearbeitet. Der Unfall sei aber erst nach etwa zwölf Stunden bemerkt worden, und so seien 150 Kubikmeter ausgelaufen. Die Langzeitfolgen sind derzeit noch nicht absehbar. Vor allem: Die Gülle würde über den Mailinger Bach und den Mühlbach in den Chiemsee gelangen, schlüsselt Bauer die weiteren Wasserwege auf. Besonders ärgerlich: Ein gesetzlich vorgeschriebener Schutzwall ist beantragt, nur erst im Oktober vom Landratsamt genehmigt worden. Dieser soll vor derlei Gülleaustritt schützen. Wie groß der Schaden für die Flächen ist, muss erst noch geprüft werden. Bauer spricht aber bereits von einem erforderlichen Bodenaustausch.

Finsterwalder zufolge wird das Gärprodukt, das Endprodukt der Vergärung, während der Wachstumsphase der Pflanzen als organischer Dünger verwendet. Es wird regelmäßig im Rahmen einer Gütesicherung von externer Stelle analysiert, so das es aus dieser Sicht keine Gefahr unmittelbare erkennbar ist. Jetzt ist die Frage für Behörden und Anwohner, zu welchem Zeitpunkt des Prozesses die Gülle ausgetreten ist.

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