Bad Aibling/Rosenheim – Ihre Erfindung im Jahr 1825 erleichtert auch heute noch Blinden und Sehbehinderten das tägliche Leben – doch das Angebot an Schriftstücken in Brailleschrift im Kreis Rosenheim ist eher gering. Um auf die Notwendigkeit der Blindenschrift für Betroffene aufmerksam zu machen, hat die Weltblindenunion 2001 den Welt-Braille-Tag ins Leben gerufen, der jährlich am 4. Januar begangen wird.
Friedrich Gerlmaier (76) aus Bad Aibling ist jedenfalls froh, dass Louis Braille diese in Papier gepresste Punktmuster erfunden hat. So hatte der 76-Jährige, der im Alter von 20 Jahren erblindet war und sich in den vergangenen Jahrzehnten beim Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund engagiert hat, die Möglichkeit, viele Texte mit seinen Fingern zu ertasten. Auch wenn „das Lesen eines Buches in Brailleschrift länger dauert“, wie Gerlmaier erklärt.
Dabei ist es aber nicht ganz leicht, beispielsweise literarische Werke in Blindenschrift zu bekommen. „Wir haben keine Bücher in Braille-Schrift im Sortiment“, sagt beispielsweise eine Mitarbeiterin der Buchhandlung Fabula in Wasserburg gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. „Allerdings hatten wir auch noch nie eine Anfrage.“ Auch in der Rosenheimer Stadtbibliothek sind keine Werke in Blindenschrift vorhanden. „Wir haben zwar sehbehindertes Publikum“, sagt Birgit Graf von der Bibliothek, „da sind aber Hörbücher dann eher gefragt.“
Eine Alternative, die auch der Bad Aiblinger Gerlmaier gerne nutzt. Seine OVB-Heimatzeitung hingegen lässt er sich persönlich vorlesen. Allerdings nicht von der Computerstimme, wie es das OVB-ePaper möglich macht, wie der 76-Jährige lachend erklärt: „Die Zeitung liest mir meine Frau vor.“Mathias Weinzierl