Bad Aibling – Für die Schüler des Bad Aiblinger Dietrich-Bonhoeffer-Bildungs-Campus (DBBC) startete der erste Schultag im neuen Jahr mit einer Hiobsbotschaft: Groot, einer der drei Hengste aus der Alpaka-Herde ihrer Schul-AG, lebt nicht mehr.
Es war der 28. Dezember, an dem DBBC-Geschäftsführer und Schulleiter Markus Schmidt durch einen Anruf erfuhr, dass das zweieinhalbjährige Tier durch einen Hund, der in die eingezäunte Weide auf dem B&O-Parkgelände eingedrungen war, sehr schwer verletzt worden war. „Der Hinterlauf war komplett durchgebissen. Bei einem Haustier hätte man vielleicht amputiert, aber Alpakas sind Fluchttiere und nach Rücksprache mit dem Tierarzt vor Ort und unserer Tierärztin musste Groot eingeschläfert werden.“
Hengst Cäsar mit
Bissverletzungen
Wie hatte die Attacke passieren können? Markus Schmidt, der nach dem Anruf sofort nach Mietraching fuhr, traf dort die Frau an, die mit ihrem nicht angeleinten Hund auf dem Gelände unterwegs gewesen war. Dieser war wohl ganz plötzlich unter der Umzäunung durchgeschlüpft und hatte sich auf Groot gestürzt. Groots Vater Cäsar sei noch dazwischen gegangen, doch das Unglück war nicht mehr abwendbar. Der weiße Hengst trug dabei selbst eine Verletzung davon: Der Hund durchbiss seine Lefze.
Diese Wunde immerhin verheilt gut. Davon überzeugten sich auch die Schüler an Ort und Stelle: Diejenigen, die durch die Alpaka-AG – eine von einer ganzen Reihe an AGs am DBBC – eine enge Beziehung zu dem Tier hatten, wurden am ersten Schultag von Schulsozialarbeiterin Karin Loos über Groots Schicksal informiert. „Einige von ihnen haben mit ihm ihr Bezugstier verloren. Sie waren natürlich sehr traurig und betroffen.“
Im Großen und Ganzen hätten sie aber ruhig reagiert und vor allem viele Fragen gehabt. „In erster Linie ist es ihnen jetzt wichtig, sich um die beiden verbliebenen Tiere zu kümmern und zu schauen, dass es ihnen gut geht. Wir dramatisieren das Ganze bewusst nicht, sondern sind für einen möglichst ehrlichen, auf Fakten basierenden Umgang.“
„Es ist natürlich sehr tragisch für die Schulfamilie und unendlich schade, was da geschehen ist. Aber wir sind froh, dass es keinem Kind passiert ist. Im Endeffekt können wir alle auch daraus lernen. Denn der Vorfall zeigt, dass Tiere eben nicht berechenbar sind. Dass man Verantwortung übernehmen muss für sein Tier. Das ist im Übrigen genau das, was die Schüler auch in der AG lernen. Auch als Hundebesitzer rüttelt einen das wieder wach“, sagt Schmidt.
Denn Hunde sind Tiere, die ein angeborenes Jagdverhalten haben, wie Anja Petrick von der Rosenheimer Hundeschule „Hund-er-leben“ auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, „Das ist immer eine Kette aus verschiedenen Verhalten: Ausschau halten, anschleichen, fixieren, hetzen, packen, töten, fressen.“ Ein Auslöser zum Hetzen sei in der Regel ein davonlaufendes Tier – das löse bei vielen Hunden zumindest das Hetzen aus. „Ob sie dann tatsächlich zubeißen, ist individuell. Rechnen würde ich damit aber immer“, so Anja Petrick.
„Egal bei welchem Hund – ich würde immer darauf achten, dass er angeleint ist, wenn einem andere Tierarten beim Spaziergang begegnen. Denn wenn sich beispielsweise die Schafherde erschreckt und schnell in eine Richtung läuft, kann dies beim bravsten Hund das Hetzen auslösen, vor allem wenn vorher nie mit ihm geübt wurde, genau dann entspannt bei seinem Halter zu bleiben. Und auch dann rate ich immer dazu, lieber einmal zu viel anzuleinen als einmal zu wenig.“
Das bedeute nicht, dass Hunde blutrünstige Jäger und gefährlich seien, betont die Hundetrainerin. „Aber es bedeutet, dass ihnen Jagen in den Genen liegt und es an uns liegt, unsere Hunde sicher durch die Menschenwelt zu führen.“
Anzeige hat die Schule im Übrigen nicht erstattet. Die Hundebesitzerin sei selbst sehr betroffen gewesen und, nachdem sie den Hund weggebracht hatte, „bis zum Schluss vor Ort geblieben“. Es tue ihr unendlich leid, was geschehen sei, so Schmidt.
Zwar gibt es für die Stadt Bad Aibling auch eine Haustierverordnung, die besagt, dass große Hunde (ab einer Schulterhöhe von mindestens 50 Zentimetern) an einer reißfesten Leine gehalten werden müssen. Dies gilt jedoch nur in öffentlichen Anlagen, auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen „mit erheblichem Fußgängerverkehr“. Doch bei dem betreffenden Bereich im B&O-Gelände handelt es sich laut Stadtverwaltung noch um Privatgelände. Zudem war der Hund, der sich auf Groot gestürzt hatte, nach Schmidts Eindruck eher „mittelgroß“.
Zwei Neuzugänge
in Kürze erwartet
Für die Schüler der Alpaka-AG indes gibt es bei aller Tragik aber auch wieder neuen Grund zur Freude: In Kürze sollen auf der Weide zwei junge Alpaka-Hengste Einzug halten. Sie werden nach der Eingewöhnungszeit, an der die Schüler intensiv mitwirken, auch bei den „Trekking-Touren“ über das B&O-Gelände mitgehen.
Wie die beiden Neuzugänge heißen? Das dürfen – wie schon bei Groot (benannt nach einer Figur aus der Comic-Serie „Guardians of the Galaxy“), bei Grüffelo (nach einem Kinderbuch-„Ungeheuer“) und Cäsar – wieder die Schüler aus der AG bestimmen.