Dank neuer Niere ein neues Leben

von Redaktion

Ehepaar wirbt für Widerspruchslösung – Spenderorgan-Entnahme in der Region selten

Das Ehepaar Anneliese und Walter Weinzierl: sie glückliche Lebendspenderin, er glücklicher Empfänger.

Rosenheim – Organspenden können neues Leben schenken – das kann Walter Weinzierl (67) aus Kolbermoor nur unterstreichen. 2011 hatte ihm seine Frau Anneliese (67) eine Niere gespendet – und seitdem fühlt er sich wie neu geboren. Das neue Transplantationsgesetz, über das der Deutsche Bundestag heute abstimmen wird, würde ihm mit der angedachten Widerspruchslösung aus dem Herzen sprechen: Seit Langem wirbt er für mehr Organspenden.

Die Zahl der Organspenden: Sie ist seit Jahren rückläufig. Waren 2010 bundesweit noch knapp 1300 Organspender zu verzeichnen, sind es 2019 nur noch 932. Demgegenüber stehen an die 9500 Menschen (Bayern: etwa 1500) aktuell auf der Warteliste von Eurotransplant, der europaweiten Service-Organisation in Sachen Organspende. Sie alle hoffen auf einen Spender.

In der Region:
Extrem selten

Wie selten tatsächlich Organspenden an der Tagesordnung sind, zeigt sich mit Blick auf die Region: In den Romed-Kliniken mit ihren Standorten Rosenheim, Bad Aibling, Wasserburg und Prien finden pro Jahr lediglich ein bis zwei Entnahmen statt – im gesamten Verbund. „Das kommt bei uns extrem selten vor“, erklärt Romed-Sprecherin Elisabeth Siebeneicher auf Anfrage unserer Zeitung. In anderen Kliniken der Region, darunter an den Schön-Kliniken (unter anderem Neurologische Klinik Bad Aibling und Klinik Vogtareuth), ist Organspende überhaupt kein Thema.

Tritt einer dieser seltenen Fälle an den Romed-Kliniken auf, wird nach Angaben der Sprecherin streng nach den Richtlinien der Bundesärztekammer gehandelt: In diesem Zusammenhang muss erst einmal der Hirntod des möglichen Organspenders festgestellt werden – und das unabhängig voneinander von zwei Ärzten. „Konkret müssen ein Neurologe und ein Intensivmediziner, die nicht an der Behandlung beteiligt sind, die Gehirntoddiagnostik durchführen“, erläutert Siebeneicher das Vorgehen. Und weiter: „Soweit kein Neurologe an der Klinik ist, organisiert die Deutsche Stiftung Organtransplantation den Facharzt.“ Grundsätzlich kommt der Sprecherin zufolge jedes der vier Romed-Häuser als Entnahmeklinik in Frage. „Das erfolgt dann jeweils vor Ort.“

Organentnahme
direkt vor Ort

Im weiteren Verlauf entsendet dann die Klinik, die das Spenderorgan transplantiert, ein Team zur Organentnahme. Die Transplantation an sich erfolgt nicht an einer der Romed-Kliniken – das ist Sache der Transplantationszentren in München (Klinikum Großhadern und Rechts der Isar), Regensburg, Augsburg, Erlangen und Würzburg.

Ihre volle Zustimmung zur von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ausgearbeiteten „doppelten Widerspruchslösung“ signalisiert die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU): „Das Thema Organspende ist lebenswichtig für diejenigen, die derzeit auf ein Spenderorgan warten müssen.“ Deshalb brauche man einen Paradigmenwechsel, die Organspende müsse zum Normalfall werden. Ein Spender allein könne bis zu sieben Menschenleben retten, unterstreicht sie. Ludwig weiter: „Ich unterstütze aus voller Überzeugung die doppelte Widerspruchslösung, denn sie nimmt die Menschen in die Pflicht, sich mit dem Thema zu befassen. Das sollte für jeden zumutbar sein.“

Ein Anliegen, das auch dem Ehepaar Weinzierl am Herzen liegt: „Wir brauchen weitaus mehr Spender, damit sich auch die Wartezeiten verkürzen“, betont Walter Weinzierl.

Er selbst erhielt 2011 die Chance auf ein neues Leben: Nach gut vier Jahren Dialyse konnte ihm eine von seiner Frau Anneliese gespendete Niere eingesetzt werden – und das trotz unterschiedlicher Blutgruppen. „Das war all die Jahre zuvor das Problem, aber die Medizin hatte sich damals weiterentwickelt, wodurch es schließlich möglich wurde“, erzählt der passionierte Trachtler, der sich gerade für den Bayerischen Trachtenverband zur Vorbereitung zur Grünen Woche in Berlin befindet.

Die Transplantation: ging gut. Weinzierls Körper nahm das neue Organ an. Dennoch muss er ständig damit rechnen, dass kritische Situationen auftreten. „Ich muss Erkältungen oder Entzündungen vermeiden, damit die Niere ohne Einschränkungen arbeiten kann“, erklärt er. 2017 gab es eben diese kritischen Momente. Auf eine Entzündung folgte eine Abstoßreaktion. Weinzierl verbrachte geraume Zeit in der Klinik – und hatte auch dieses Mal Glück: Die Spenderniere konnte gehalten werden.

Bis heute ist Weinzierl seiner Frau mehr als dankbar, dass sie ihm ein neues, unbeschwertes Leben geschenkt hat. Und er betont: „Mir geht es rundherum gut.“

Werben für eine
Lebendspende

Keinerlei Nachwehen verspürt auch Weinzierls Frau Anneliese – die im Übrigen eine Lebendspende nur empfehlen kann, wie sie ausdrücklich betont. „Für mich war es keine große Überlegung, das zu machen“, erzählt sie. Das Procedere beschreibt sie als unkompliziert: Gesundheitscheck, dann ein Ethikgespräch und schließlich die OP an sich. In diesem Fall im Klinikum Rechts der Isar in München. „Die Operation hat einige Stunden gedauert, aber nach vier Tagen durfte ich die Klinik schon wieder verlassen“, so die 67-Jährige. Und seitdem? „Mir geht‘s gut, ich habe überhaupt keine Probleme.“

Was das Thema Organspende angeht, da sind sich die Weinzierls einig: Sie setzen voll und ganz auf die Neuregelung und hoffen, dass sich damit die Zahl der Organspender deutlich erhöht. „Vor allem auch, dass nur ganz wenige einen Negativausweis dabei haben.“ Für die vielen Menschen auf der Warteliste wünschen sie sich, dass für möglichst viele das Leben wieder lebenswert wird und ihnen ein würdiges Weiterleben ermöglicht wird.“

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