Die Polizei platzt aus allen Nähten

von Redaktion

Interview Blickpunkt Uniform: Vor allem die Qualität der Diensthose steht in der Kritik

Reinhold Merl

Vorstandsmitglied der

Polizeigewerkschaft

Rosenheim – Verblichene Farben, gerissene Nähte und ein großes Problem beim kleinen Geschäft: Vor allem die Hosen der blauen Uniform, die seit über einem Jahr von den bayerischen Polizisten getragen wird, sorgt für Kritik. Nun soll ein neues Modell Abhilfe schaffen. Ob auch Beamten aus der Region zu den Hosen-Testträgern gehören werden und ob er froh ist, selbst keine Uniform zu tragen, hat Reinhold Merl vom Polizeipräsidium Oberbayern-Süd und Vorstandsmitglied des Landesverbands Bayern der Deutschen Polizeigewerkschaft, im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen verraten.

Die Qualität der neuen Polizeiuniform steht aktuell massiv in der Kritik. Welche Probleme gibt es denn mit den Kleidungsstücken?

Viele Polizeibeamte beklagen vor allem die Qualität der Uniformhose. Die Nähte reißen scheinbar sehr schnell, da reicht es oftmals schon, wenn ein Polizeibeamter in die Hocke geht – und schon ist ein Riss in der Hose.

Zudem soll es ja Probleme beim WC-Besuch geben…

Das Problem ist der Reißverschluss, der nicht weit genug nach unten geht. Da wird der Toilettengang für die männlichen Einsatzkräfte am Urinal ziemlich kompliziert.

Wie viele Beamte haben sich denn über die Uniformhose bereits beschwert?

Das ist schwer in Zahlen zu fassen, da es natürlich verschiedene Stellen gibt, bei denen eine Beschwerde aufschlagen kann. Zudem gibt es vermutlich eine hohe Dunkelziffer. Außerdem gibt es auch Kollegen, die, wenn sie beispielsweise zu wenig Uniformhosen haben, die mangelhaften Kleidungsstücke beim Schneider selbst ändern lassen. Sicher ist aber: Es handelt sich bei den Beschwerden nicht um Einzelfälle.

Wie soll das Problem gelöst werden?

Bei einem Gespräch mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ist vereinbart worden, dass von rund 300 Beamten ein neues Modell getestet wird. Auch die Kollegen des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd können sich bereits als Testträger bewerben. Kollegen aus Niederbayern hatten zum Treffen übrigens extra defekte Hosen mitgebracht, damit sich die Minister selbst von den Qualitätsmängeln überzeugen konnten.

Eine Testphase gab es aber doch bei den jetzigen Modellen auch, oder?

Ja, die gab es. Das Problem ist aber, dass nach der Testphase erst die Ausschreibung für die Fertigung beginnt. Und dann kann die Qualität der Ware von der Qualität der Testmodelle abweichen. Deshalb wollen wir auch erreichen, dass die bayerische Polizei in Zukunft durch ein eigenes Logistikzentrum ausgestattet wird. Dann könnte man ein ganz anderes Augenmerk auf das Thema Qualitätssicherung legen.

Hand aufs Herz: Sind Sie bei diesen Problemen froh, in Ihrer Position keine Uniform tragen zu müssen?

Nein, eigentlich nicht. Ich empfinde das Tragen der Uniform als angenehm. Der größte Vorteil an der Uniform ist aber, dass ich nicht jeden Tag überlegen muss, was ich heute anziehe.

Interview: Mathias Weinzierl