„Total begeistert und euphorisch“

von Redaktion

Teilumzug der Bezirksregierung nach Rosenheim: Reaktionen der Politik

Rosenheim – Rosenheim als Zentrum des Regierungsbezirks Oberbayern, zusammen mit Ingolstadt: Diese Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder bei der CSU-Klausurtagung in Seeon löste gestern Jubel in der Stadt und im Landkreis Rosenheim aus. Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) war aus dem Häuschen, als sie die Nachricht erhielt. 500 Beschäftigte sollen in die Innstadt kommen. „Wir sind total begeistert und euphorisiert“, sagte sie den OVB-Heimatzeitungen.

Ganz dicht dran am Entscheider war der Rosenheimer Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner (CSU) in Seeon. „Eine super Sache“, sagte er, als ihn die OVB-Heimatzeitungen in Seeon erreichten, unmittelbar nach der Verkündung des Ministerpräsidenten.

Enorme Aufwertung
für Region Rosenheim

Söder verkündete in seiner Seeoner Erklärung vieles für viele Städte und Gemeinden Bayerns. Wenige aber dürften so profitieren wie der Raum Rosenheim. Wird die Regierung tatsächlich in die Stadt verlagert, würde die vom „gefühlten Zentrum“ zur wahrhaftigen Bezirkshauptstadt aufsteigen. Es wäre eine Aufwertung in symbolischer Hinsicht ebenso wie materiell gesehen.

Da macht es wenig, dass Rosenheim nicht Standort der gesamten Regierung von Oberbayern wird. Von deren 1600 Mitarbeitern bleiben 600 in München, 500 werden künftig in Ingolstadt arbeiten, 500 in Rosenheim. Während München zu Bayerns achtem Regierungsbezirk wird, werden Rosenheim und Ingolstadt die Zentren von „Oberbayern Süd“, beziehungsweise „Oberbayern Nord“, vergleichbar mit der Struktur des Polizeipräsidiums. Der Süden Oberbayerns jedenfalls könnte ein eigenes Zentrum gebrauchen: Sowohl wirtschaftlich als auch von der Bevölkerungszahl her wiegt der Süden Bayerns schwerer als beispielsweise der Bezirk Oberfranken.

Für Gabriele Bauer als Kommunalpolitikerin ist die Strukturreform nicht nur eine gute, sondern auch eine richtige Entscheidung. „Unser Dank geht an den Ministerpräsidenten“, sagte sie. „Ich glaube, dass die Idee einer dezentralen Aufteilung vollkommen richtig ist.“ Klaus Stöttner spricht gar von einem gleichermaßen strategischen und historischen Ereignis. „Das ist ein Riesenschritt, um Rosenheim als Verwaltungsstandort zu stärken“, sagte er, „Markus Söder macht das ganz bewusst, auch um ländliche Räume zu stärken.“ Im übrigens begrüßt auch er die damit einhergehende Dezentralisierung. „Die Regierung ist dann dichter an den lokalen Behörden dran, man kann viel effizienter zusammenarbeiten.“ Sein Kollege Otto Lederer begrüßt insgesamt die „enorme Aufwertung unserer Region“.

„Ein großer Wurf“, so bezeichnet Thomas Bugl, Wirtschaftsdezernent der Stadt Rosenheim, die Strukturreform. „Das stärkt uns gewaltig. Es ist ein Zugewinn an Zentralität, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.“

„Überrascht“ und erfreut zeigt sich der stellvertretende Landrat Josef Huber (CSU). „Wir freuen uns natürlich sehr und heißen die Mitarbeiter der Regierung von Oberbayern sehr herzlich im Landkreis Rosenheim willkommen.“

Beifall für Söders Pläne kommt auch von der AfD. Der Rosenheimer Landtagsabgeordnete Andreas Winhart sagt, die Landeshauptstadt sei „überdominant in Oberbayern“ und habe ganz andere Probleme und Herausforderungen als das ländlich geprägte Umland. „Eine stärkere Fokussierung auf die ländlichen Regionen ist daher mehr als geboten.“

Noch nicht bekannt ist, wo die „Grenze“ zwischen Rosenheim und Ingolstadt verlaufen wird. Auch scheint noch nicht geklärt, ob tatsächlich die Süd-Regierung komplett in den Raum Rosenheim verlagert wird, oder lediglich einzelne Bereiche.

Angekündigt, aber
nicht durchgeplant

„Ich bin von den Plänen über die Umstrukturierung der Regierung von Oberbayern völlig überrascht“, sagte Regierungspräsidentin Maria Els, „sie gehen mir persönlich auch sehr nahe.“ Die Umstrukturierung müsse „sozialverträglich und mitarbeiterfreundlich“ erfolgen. „Das heißt, dass es insbesondere keine Versetzungen gegen den Willen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben wird.“

Allerdings bietet sich da bereits eine Lösung an. Das neue Regierungsgebäude könnte, so bringen es Bauer und Stöttner ins Gespräch, auf einem Grundstück neben dem städtischen Parkhaus unweit des Bahnhofs gebaut werden. Dort hätten Pendler einen denkbar kurzen Weg zu den in hoher Frequenz verkehrenden Zügen.

Landratsvize Josef Huber wirbt für den Standort nicht nur wegen der Verkehrsanbindung, sondern auch mit weiteren Standortvorteilen seines Landkreises. „Der Landkreis Rosenheim ist ein toller Ort zum Leben und Arbeiten, das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung sagen.“

Er bringt einen Standort außerhalb der Stadt ins Spiel. „Wenn es ums Thema Grundstück geht, wird sich sicherlich auch im Landkreis Rosenheim ein schönes finden lassen.“ Mit dem Nahverkehrsplan sei man auf einem guten Weg, den Regierungsmitarbeitern gute Verbindungen anbieten zu können.

Bis es soweit sein wird, haben Stadt und Landkreis noch jede Menge Zeit, an Nahverkehrsverbindungen zu arbeiten. Die Abgeordneten Lederer und Stöttner rechnen offenbar mit einer Dauer von zehn Jahren für das Umzugsmanöver.

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