Rosenheim – Joseph Hannesschläger war im deutschsprachigen Raum das Gesicht Rosenheims: in seiner Rolle als „Korbinian Hofer“. Als Kriminalhauptkommissar und Nebenerwerbslandwirt prägte er die beliebte ZDF-Vorabendserie von Beginn an – seit dem Jahr 2002. In über 400 Folgen und drei TV-Filmen war Joseph Hannesschläger für die Rosenheim-Cops präsent.
Bei Dreharbeiten und
Empfängen präsent
In Rosenheim, seiner „Beinahe-Heimatstadt“, ist die Bestürzung über den Tod des Schauspielers groß. Denn: Obwohl in München lebend, war Hannesschläger durch die Dreharbeiten, bei öffentlichen Anlässen – und natürlich durch die Vorabendserie stets präsent in der Innstadt.
Über die Jahre hat sich die ZDF-Serie zur Marke in der Stadt entwickelt – die eigens angebotenen Stadtführungen auf den Spuren und zu den Drehorten der Rosenheim-Cops (seit Mai 2008) haben sich zum großen Erfolg entwickelt. Allein 2019 nahmen über 12000 Gäste an den Spezialführungen teil.
Entsprechend bestürzt über die Todesnachricht des beliebten Kommissars ist der Vorsitzende des Stadtführer-Vereins, Stefan Kürschner: „Ich bin erschüttert, das ist sehr tragisch.“ Hannesschläger habe er an Drehtagen und im Filmstudio kennengelernt – an den Stadtführungen habe er sich, im Gegensatz zu Schauspielerkollegen wie Max Müller (Michi Mohr), nie beteiligt. „Aber er war natürlich das Zugpferd der Rosenheim-Cops“, sagt Kürschner.
OB Bauer tief
betroffen
Tief betroffen zeigt sich auch Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer: „Das Gesicht der Rosenheim-Cops ist nicht mehr unter uns. Die Lücke, die sein Tod hinterlässt, wiegt schwer. Meine Anteilnahme und die Mittrauer der Rosenheimerinnen und Rosenheimer gelten seiner Frau, seiner Familie und seinen Freunden.“
In seiner Rolle als Kriminalhauptkommissar Hofer habe Joseph Hannesschläger 17 Jahre lang entscheidend dazu beigetragen, die Rosenheim-Cops zu einer der beliebtesten Krimiserien im deutschen Fernsehen zu machen, würdigt Bauer den Verstorbenen. „Er hat dabei ein hochsympathisches Bild von Rosenheim und seinen Menschen gezeichnet – ein bisschen kauzig, aber immer liebenswert-gemütlich und menschlich. Er wird uns fehlen.“
Feierliche Ernennung
zum Ehrenkommissar
Nicht nur im TV, auch in „echten“ Rosenheimer Polizeikreisen war Serien-Kommissar Hofer in regelmäßigen Abständen präsent – so zur Autogrammstunde beim „Tag der offenen Tür“ des Polizeipräsidiums Oberbayern im Sommer 2016. Oder beim großen Polizeiball in Rosenheim im April 2008, als Joseph Hannesschläger zum „Ehrenkommissar“ ernannt wurde.
Polizeipräsident Robert Kopp äußerte sich mit großem Bedauern: „Mit großer Trauer habe ich vom Tod unseres „Kollegen“ Joseph Hannesschläger erfahren. Als Korbinian Hofer war der Rosenheim-Cop seit rund 20 Jahren für die Polizei und die Region Rosenheim ein großartiger Sympathieträger. Unser tief empfundenes Mitgefühl geht an seine Familie, die ihm bis zum Schluss immer zur Seite stand. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd wird Joseph Hannesschläger stets in würdevoller Erinnerung behalten.“
Große Bestürzung
in Schauspielkreisen
Groß ist die Bestürzung auch in Schauspielkreisen – in großen wie in kleinen. Wer in frühen Jahren bereits mit Hannesschläger gedreht hat, ist die Rosenheimer Schauspielerin Kathrin Rein, die inzwischen in Miami/USA lebt. Sie hat Hannesschläger in seinen ersten Jahren (2000) als Kommissar Hofer miterlebt – sie als blutjunge, blonde Polizistin. „Er hat sich damals beim Dreh sehr für mich eingesetzt“, erinnert sich Kathrin Rein. „Ich war sehr jung, einer meiner ersten Jobs, und hatte keine Ahnung, wie das alles funktioniert.“ Dank Hannesschläger habe sie sogar eine höhere Gage bekommen. „Er konnte es nicht mit ansehen, dass ich unterbezahlt wurde.“ Über Jahre seien sie in Kontakt geblieben. Kathrin Rein: „Er war einer der wenigen ehrlichen Schauspieler, eine sehr liebe und herzliche Person.“
Unvergessen ist Joseph Hannesschläger auch beim Theater Rosenheim. Es stellt seit Beginn der Dreharbeiten im Jahr 2000 die Komparsen. Entsprechend eng war die Zusammenarbeit auch all die Jahre mit Hannesschläger und seinen Schauspielkollegen. „Ein sehr netter Mensch, wir hatten immer viel Spaß“, erinnern sich Theater-Chef Horst Rankl (80) und seine „rechte Hand“ Renate Benner (72). In den Drehpausen sei man oft zusammen auf der Bank gesessen, man habe gelacht und geratscht. „Wir haben uns immer gut unterhalten und auch gegenseitig hochgeschossen“, erzählt Rankl. Zuletzt habe man sich vergangenen Sommer, im Juni, bei den Dreharbeiten in Rosenheim gesehen.
Im Oktober 2019 dann die Nachricht von Hannesschlägers Krebserkrankung – und der Ausstieg bei den Rosenheim-Cops. „Seither hatten wir leider keinen Kontakt mehr“, bedauert Rankl, der den Schauspieler als „rundherum zufriedenen, lustigen Menschen“ in Erinnerung behält.