Architektonische Spuren hinterlassen

von Redaktion

Nachruf Knut Stolte war zehn Jahre lang als Kreisheimatpfleger der Hüter der Denkmäler

Prien – Ein Denkmal ist laut Duden entweder eine „zum Gedächtnis an eine Person oder ein Ereignis errichtete, größere plastische Darstellung; ein Monument“. Letzteres hat Knut Stolte nicht, doch ist er für viele Denkmäler im Landkreis ein Wächter und Hüter gewesne. Denn: Von 2006 bis 2016 war Stolte Kreisheimatpfleger für Denkmalpflege im Landkreis Rosenheim. Jetzt ist er im Alter von 74 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Außerdem hat er durch seine Arbeiten im Landkreis Spuren hinterlassen. Dazu gehört unter anderem die Realschule in Prien (der jüngste Umbau ausgenommen). Binnen sechs Wochen gelang ihm damals, 1978, der Wandel von Volks- zur Realschule mit Fachräumen und Co. – ein Unterfangen, an das sich alteingesessene Kollegen in dieser knappen Zeit nicht gewagt hatten. 30 Jahre lang, bis 2005, führte Stolte sein Ingenieurbüro in Rimsting. Priens damaliger Bürgermeister hatte ihn dann auf das Kreisheimatpflegeramt, das zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre verwaist war, angesprochen und 2006 hatte er den Posten bereits inne.

Die Zusammenarbeit mit ihm sei eine Wohltat gewesen, bescheinigte Landrat Wolfgang Berthaler Stolte damals bei dessen Verabschiedung aus dem Ehrenamt. Dabei hat er mit seinem Wirken nicht nur Gebäude geschützt, sondern auch Menschen für den Denkmalschutz begeistert. Stolte ist Mitbegründer des 2012 erstmals vergebenen Denkmalpreises des Landkreises Rosenheim und initiierte überdies Kunst- und Kulturwanderungen. Insgesamt entwickelte er 20 davon. Sein Wissen als Architekt kam ihm dabei sehr zu passe und so konnte er wie kein anderer auf die baulichen Besonderheiten von Straßenzügen, Gebäudekomplexen oder Fassaden eingehen. Die Wanderungen sind nach Angaben von Stoltes Frau Christine aus einer privaten Tradition heraus entstanden: „Wir haben immer Osterwanderungen, Rundwege, zu Baudenkmälern oder Besonderheiten in der Region unternommen und Knut hat uns diese dann erläutert. Daraus sind Dossiers entstanden, die auch schon zu Wanderungen für Urlauber wurden.“

Stolte wurde 1945 in Helmstedt geboren. Mit seinen Eltern kam er nach Bernau und fing eine Ausbildung zum Bauingenieur/Architekt an. 1966 haben Christine und Knut Stolte geheiratet. Tochter Sabine machte das Glück vollkommen. 1975 machte Stolte sich mit seinem Architekturbüro selbstständig.

Als verlässlicher Partner, der immer versuchte, Lösungen zu finden, beschreiben ihn Weggefährten. Dabei sei er bei seinen Analysen und seiner Vorgehensweise äußerst genau gewesen. Die Bewahrung des Überlieferten war ihm ein Anliegen. Das Bauen im Bestand – heute angesichts der Wohnungsknappheit aktueller denn je – hatte er schon zu Berufszeiten im Blick. So konnten auch alte Bausubstanzen bewahrt werden. Beim Thema „Bauen im Bestand“ suchte Stolte die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Rosenheim. Im Laufe der Jahre entstanden viele Bachelor- und Masterarbeiten. Dossiers von Stolte und einem Kollegen nutzten und nutzen Studenten der Rosenheimer Hochschule im Bauwesen.

Sichtachsen und Ensembleschutz waren ihm wichtig

Strikt gegen Gewerbegebiete in der freien Natur sei er gewesen. „Die Störung von Sichtachsen zu prägnanten Bauten war ihm ein Anliegen. Ebenso das Stadtbild von Wasserburg. Hier sollten keine Fotovoltaikanlagen auf den Dächern das Ensemble stören“, schildert Christine Stolte gegenüber unserer Zeitung. Was Jahrhunderte schon den Menschen überlebt habe, sollte dies auch noch weitere Jahre tun können. Seine bauliche Leidenschaft waren Modernisierungsarbeiten, die zugleich den Charme des Alten bewahrten.

Als Kreisheimatpfleger fertigte Stolte zahlreiche Berichte und Stellungnahmen zu Baumaßnahmen und Bebauungsplänen an. Er sorgte dafür, dass eine große Anzahl von Objekten in die Denkmalliste aufgenommen wurde. Neben etlichen Villen und Landhäusern waren dies unter anderem der Königspavillon am Priener Bahnhof, das Geigenbergerhaus in Wasserburg und ein Brückenviadukt bei Amerang. Herausragend waren auch die Parkanlage bei der Villa Elisabeth in Aschau, der Umbau der alten Reithalle zur Festhalle in Aschau sowie die evangelische Kirche in Breitbrunn. Auffallend bei Stoltes eigenen Bauprojekten: „Nicht eines wurde teurer, als es veranschlagt war“, betont Christine Stolte.

Der Trauergottesdienst für Knut Stolte findet heute, Freitag, um 13.30 Uhr in der katholischen Pfarrkirche in Prien statt. Die Urnenbeisetzung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis.

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