Mit der Holsteinkuh gegen den Klimawandel

von Redaktion

Regionalversammlung des Zuchtverbandes Schwarzbunt und Rotbunt Bayern

Rosenheim – Auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken konnten jetzt die Mitglieder im Zuchtverband Schwarzbunt und Rotbunt Bayern bei ihrer Regionalversammlung in Oberbayern. Trotz vieler Turbulenzen von politischer Seite und eines wiederum sehr heißen und trockenen Sommers konnte die Milchleistung noch einmal verbessert werden. Und auch im Zuchtviehverkauf gab es ein erfreuliches Umsatzplus.

Zusammenarbeit mit
Herdebuchgesellschaft

Der Vorsitzende der Region Oberbayern Mitte des Holsteinzuchtverbandes, Johannes Mundigl aus Taufkirchen, konnte in Rosenheim eine stattliche Zahl Züchter zur Regionalversammlung begrüßen. Darunter auch den Vorsitzenden Fritz Lutzenberger aus Weinhausen im Ostallgäu. Dieser berichtete über die positiven Verhandlungen bezüglich der Zusammenarbeit mit der Allgäuer Herdebuchgesellschaft. Bei Zustimmung der Mitglieder sei das Ziel eine Fusion zu einer der schlagkräftigsten Zuchtorganisationen in Bayern.

Einige wichtige Themen sprach zudem Veterinärdirektor Dr. Michael Helbing vom Veterinäramt Rosenheim an. Leider habe es einige wenige neue Fälle von Blauzungenkrankheit in Deutschland gegeben, sodass er weiter für Impfungen plädierte. Zwar sei die heimische Region noch frei von dieser durch Insekten übertragenen Virusinfektion und für den Menschen ungefährlichen Krankheit, aber bei Vorrücken der Krankheit sei insbesondere die Kälbervermarktung gefährdet.

Sorgen bereite zudem das Vordringen der Afrikanischen Schweinepest aus Polen und Tschechien. Kontroverse Diskussionen gab es zu den Themen Tiertransporte und der restriktiven Politik Bayerns zur Erstellung von Handelsattesten. Züchter kritisierten, die Politik sei hier Pauschalverdächtigungen gefolgt. Dies und die Probleme mit der angesprochenen Blauzungenkrankheit haben zu einem dramatischen Preisverfall für Kälber geführt.

Probleme mit der
Düngeverordnung

Auch Zuchtleiter Lorenz Leitenbacher vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Töging sprach von einem turbulenten Jahr. Neben den angesprochenen Problemen bezüglich tierseuchenrechtlicher Einschränkungen und Transportbeschränkungen mache vielen Betrieben auch die rigorose Umsetzung der Düngeverordnung zu schaffen. Insbesondere die Kälberpreise haben darunter sehr gelitten. Erfreulich sei aber, dass trotz dieser Schwierigkeiten und eines sehr heißen Sommers die Leistungen der Holsteinkühe weiter deutlich gestiegen seien.

Mit 9770 Kilogramm Milch je Kuh seien die schwarzbunten Holsteins in Bayern mit Abstand die leistungsstärkste Kuhrasse. Und der Referent sah in dem Zusammenhang mit der derzeitigen Klimadiskussion eine hohe Milchleistung unverzichtbar zur Schonung knapper Ressourcen und der Reduzierung der Schadstoffemission aus der Tierhaltung, auch wenn der Anteil der Landwirtschaft sicher nur einen Bruchteil der Gesamtemissionen ausmache. In seinem Jahresrückblick konnte er auf ein erfreuliches Plus bei den Vermarktungszahlen verweisen.

Als Meilenstein in der Zucht sieht Lorenz Leitenbacher die Einführung von Gesundheitszuchtwerten in der Holsteinzucht. Über die genetische Untersuchung einer großen Zahl von Tieren und eine intensive Datenerhebung konnte in kurzer Zeit dieser neue Ansatz in der Zucht etabliert werden. Und 2021 werden diese Gesundheitszuchtwerte auch im wirtschaftlichen Gesamtzuchtwert etabliert werden – mit der Zielrichtung einer hochleistenden gesunden und umweltfreundlichen Kuh.

Um Tiergesundheit ging es auch beim Referenten Sebastian Hofsommer, der in der Pharmabranche tätig ist. In seinem Vortrag ging er auf die Thematik Eutergesundheit ein und stellte dabei viele komplexe Zusammenhänge dar. Eines seiner wichtigsten Plädoyers ist das Trockenstellen von Kühen zu 100 Prozent mit sogenannten internen Zitzenversieglern. Damit sei es möglich, ohne jede Rückstandsgefahr durch diese mechanische Barriere einen Großteil der Kühe sicher und gesund in die nächste Laktation zu bringen.

Auszeichnungen
für Lebensleistung

Für herausragende Leistungen wurden die besten Betriebe mit Urkunden geehrt. Zuchtleiter Lorenz Leitenbacher freute sich besonders über die vielen altverdienten Kühe mit Lebensleistungen über 100000 Kilogramm Milch, als Kühe die lange und problemlos produziert haben und die auch die gute Betreuung in den Züchterställen unterstreichen.

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