Prien/Charlston – „Heimfahrt“ heißt ein Gemälde von Fritz Raupp (1871 bis 1949), das gerade für großen Wirbel sorgt. Denn über soziale Medien sucht sein aktueller Besitzer aus den Vereinigten Staaten von Amerika Kunstinteressierte, damit das Bild letztlich zurück auf die eigene „Heimfahrt“ gehen kann.
Durch Zufall ist Matthias Weimar Besitzer des Gemäldes geworden: „Ich wohne in Charleston, in den USA, und habe das Bild hier von der Tochter eines Besatzungssoldaten bekommen, der es 1946 in einer Galerie in München gekauft hat.“ Die Tochter, eine Französin, ist eine Bekannte, deren Schwiegervater das Bild in Deutschland 1945 gekauft hat und als Besatzungssoldat dort längere Zeit stationiert war.
Werk stammt aus
einem Nachlass
„Der Schwiegervater hat das Bild mit nach Amerika genommen und ist vor Kurzem gestorben. Als sein Nachlass aufgeteilt wurde, hat mich die Französin gefragt, ob ich das Bild kaufen möchte, da es niemand von der Familie will und ich aus Bayern komme“, schmunzelt er. Denn Weimar kommt aus Miltenberg am Main, hat sich vor zehn Jahren in Istanbul selbstständig gemacht und ein Schmuckunternehmen gegründet. „Dort habe ich meine Frau kennengelernt, sie kommt aus Georgia in den USA und wir sind vor etwa drei Jahren nach Charleston gezogen“, schildert er seine „Lebensreise“. Nun ist er auf der Suche nach Kunstliebhabern oder Sammlern, die ihm helfen, das Stück wieder in die Heimat zu einem Besitzer zu bringen, der es wertzuschätzen weiß.
„Es ist ein tolles Gemälde und ich habe es ihr abgekauft und würde es gerne in guten Händen in Bayern sehen, am liebsten verkaufen. Aber falls jemand mit einem guten Angebot zum Stiften oder Ähnlichem kommt, bin ich gerne bereit zu sehen, was möglich ist“, erklärt Weimar auf Nachfrage. Dies wäre beispielsweise bei der Kunstsammlung der Marktgemeinde Prien der Fall. „Allerdings als Schenkung an uns“, sagt Kreisheimatpfleger Karl Aß den OVB-Heimatzeitungen.
Das Werk stellt einen Fischer auf der Heimfahrt vor der Fraueninsel mit seinen drei Kindern im Boot beim Netzeeinholen dar. Der Wert des Bildes liegt nach Angaben von Experten und geschätzt anhand von Versteigerungen anderer Werke von Fritz Raupp zwischen 800 und 1000 Euro.
Aber: „Der Sohn hat den Stil seines Vaters kopiert“, erklärt Aß. Denn der eigentliche Könner der Familie Raupp war nicht Fritz, sondern Karl (1837 bis 1918). Karl hätte vor zwei Jahren seinen 100. Geburtstag gefeiert und ist in der Marktgemeinde Prien sowie im Chiemgau bekannt für seinen Sinn für die Farbe. 2018 gab es zudem im Heimatmuseum in Prien eine Sonderausstellung mit seinen Werken.
Raupp malte mit Vorliebe stimmungsvolle Bilder, in welchen Landschaft und Staffage sich das Gleichgewicht halten, und vorzugsweise Motive aus dem Leben der Fischer und Landleute am Chiemsee, die er 1869 kennenlernte. Daher habe er auch seinen Spitznamen bekommen: „Chiemsee-Raupp“.
Gleiches Motiv, aber
verschiedene Bilder
Durch Raupp wurde der Chiemsee zu einem beliebten Ausflugsziel. Auf der Insel verfasste er laut historischen Dokumenten auch sein Handbuch der Malerei und war Mitherausgeber der 1918 veröffentlichten Künstlerchronik vom Frauenchiemsee.
Dieses Renommee hat sein Sohn Fritz nie erreicht. Dafür gibt es aber umso mehr Bilder von ihm. Sogar das gleiche mit minimalen Unterschieden mehrfach. Bester Beleg dafür: Im vergangenen Jahr wurde in Rudolfstadt dasselbe Motiv von Fritz Raupp mit minimalen Änderungen bei einem Zaun und den Baumwipfeln versteigert.
„Das Bild ist ordnungsgemäß bei uns versteigert worden. Aus Gründen des Datenschutzes darf ich keine Angaben zu Käufer und Verkäufer machen“, heißt es vonseiten des Kunst-Auktionshauses in Thüringen. Die „amerikanische Heimfahrt“ kann man dabei gut unterscheiden. Sie hat laut Weimar einen kleinen Schaden.