Rosenheim – Dieser Zusammenschluss kann Nerven schonen: Die sechs Linienbusunternehmer im Landkreis Rosenheim haben sich zu einer neuen Gesellschaft zusammengetan – und wollen Tickets und Fahrpläne künftig eng aufeinander abstimmen und verbessern. Mit einem Ticket quer durch den Landkreis und darüber hinaus – das war bislang nur bedingt möglich. Und soll, so das Ziel, bis zum Herbst eingetütet sein.
Gleichwertige Partner der aktuell neu gegründeten „Verkehrsgemeinschaft Rosenheim“ sind nach erfolgter offizieller Vertragsunterzeichnung: der Stadtverkehr Rosenheim, das Omnibusunternehmen Hollinger (Bad Aibling), der Omnibusbetrieb Reiter (Aschau), das Verkehrsunternehmen Margreiter (Nußdorf), Benno Steinbrecher (Brannenburg) und die Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO). Die sechs privaten Busunternehmen betreiben den Linienbusverkehr im Landkreis Rosenheim – insgesamt 56 Linien – und das bislang ohne öffentliche Fördermittel, wie sie betonen.
ÖPNV weiter
verbessern
Titel des Zusammenschlusses: „Ein Netz, ein Fahrplan, ein Tarif“. Unterm Strich: Man will den öffentlichen Nahverkehr in Stadt und Landkreis Rosenheim voranbringen.
Dazu zählen: ein maßgeschneidertes ÖPNV-Angebot für Stadt und Landkreis – was den Busverkehr angeht. Und: Aus drei mach eins – die derzeit noch drei unterschiedlichen Tarife sollen zu einem einzigen vereinheitlicht werden. „Unser Ziel ist, bis zum Herbst einen durchgängigen Tarif von Salzburg bis zum Irschenberg, von Kiefersfelden bis Mühldorf zu schaffen“, führt dazu Ingmar Töppel, Geschäftsführer des Stadtverkehrs Rosenheim, aus. „Dabei handelt es sich um ein richtig großes Gebiet“, unterstreicht er in Hinblick auf die Dimension.
Außerdem soll es künftig für Schüler, Studenten, Auszubildende und Senioren ein spezielles Landkreisticket geben. Und auch mit der Bahn sollen die Busfahrpläne eng abgestimmt werden. Entwirrt werden soll zudem der Fahrplanwust: In Zukunft planen die Unternehmer eine einheitliche Fahrplaninfo in Papierform – und digital. Alle Infos sollen dann in der ÖPNV-App „WohinduWillst“ (WdW) zu finden sein. Und die soll noch weitaus mehr können: bargeldloses Bezahlen, das Lösen eines Handytickets und Echtzeitinformationen zur Fahrplanlage.
Immer im Fokus, wie die sechs Busunternehmer versprechen: der Kunde. Denn schon heute gibt es eine Reihe von Kooperationen zwischen einzelnen Busunternehmen, darunter den „Citybon“ oder das „Stadt-Land-Bus-Ticket“ – „allerdings handelt es sich in allen Fällen um bilaterale Abkommen, die künftig vereinheitlicht werden sollen“, erklärt Töppel.
Basis für den neuen Verkehrsverbund: der neue Nahverkehrsplan für Stadt und Landkreis Rosenheim, der Ende 2019 beschlossen worden war (wir berichteten). Darin verankert: eine ganze Menge Verbesserungsvorschläge, die man nun im gemeinsamen Verbund angehen will.
Neues Tarifsystem
bis zum Herbst
Erste konkrete Maßnahmen sind den Unternehmern zufolge bereits in Kürze geplant, darunter zusätzliche Fahrten auf einzelnen Linien und vertaktete Fahrpläne. Zudem arbeite man seit mehreren Monaten an einem neuen Tarifsystem mit „wabenbasierter Tariflogik“, um möglichst schnell zu erreichen, „dass unsere Fahrgäste nur noch ein Ticket lösen müssen, egal wie oft sie umsteigen“, so Michael Schmidt, RVO-Niederlassungsleiter DB Regio Bus. Das soll bis Herbst stehen.
Stadt und Landkreis Rosenheim begrüßen den Vorstoß ausdrücklich. „Jede Initiative, die mithilft, den ÖPNV zu verbessern, begrüßen wir“, erklärt Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes. Und die Stadt betont: „Mit diesem Zusammenschluss hat die Fortschreibung des Nahverkehrsplans bereits erste erfreuliche Wirkungen erbracht“, so Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl und der städtische RoVG-Geschäftsführer Herbert Hoch.