Eilzug statt Bockerlbahn

von Redaktion

Busunternehmer-Verbund

Man glaubt das Motto „Ein Netz, ein Fahrplan, ein Tarif“ kaum. Alles Vorschläge aus den Reihen jener heimischen Busunternehmer, die noch vor ein paar Wochen kein gutes Haar an dem Mobilitätskonzept ließen, welches das vom Landkreis beauftragte Fachbüro „planmobil“ vorlegte. Realitätsferne und mangelnde Kooperationsbereitschaft lautete der Kernvorwurf an die Adresse der Planer. Die Existenz heimischer Verkehrsbetriebe leichtfertig aufs Spiel zu setzen, mussten sich die Kommunalpolitiker ebenfalls anhören.

Wie gut, dass sich der Kreistag und der Rosenheimer Stadtrat davon unbeeindruckt zeigten und sich im Grundsatz eindrucksvoll zu einem Umdenken im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs bekannten. Vor wenigen Wochen noch in der Schmollecke, haben die Busunternehmer wohl dank der Kraft dieser Marschrichtung binnen kürzester Zeit eine beeindruckende Kehrtwende hingelegt. Ihr Zusammenschluss zu einem Verbund schien lange Zeit unmöglich, jetzt bildet er die solide Basis für eine konstruktive und zukunftsorientierte Zusammenarbeit zwischen Politik und Verkehrsbetrieben.

Allein dieser Umstand rechtfertigt bereits die Mittel, die für die Arbeit des Fachbüros aufgewendet werden mussten. Dass Eigennutz das Umdenken beschleunigt haben dürfte, ist letztlich eine Randnotiz. Beide Seiten sollten sich jetzt nicht mehr mit Scharmützeln der Vergangenheit aufhalten, sondern in enger Abstimmung gemeinsam zu vernünftigen Änderungen in der Verkehrskonzeption beitragen. Dass der ÖPNV im Landkreis, dem viele Jahre Bockerlbahn-Charakter attestiert werden durfte, plötzlich Eilzugtempo aufnimmt, birgt auch Gefahren: zu viel Enthusiasmus und übereifriges Handeln, was einen Zug zum Entgleisen bringen kann, der zweifellos in die richtige Richtung fährt.

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