Gemeinsam gegen den Tumor

von Redaktion

Weltkrebstag Von der Beratung bis zur Behandlung im Romed-Klinikum

Rosenheim – Die Heilungschancen sind gut und werden immer weiter verbessert. Dennoch erkrankt jeder zweite Bundesbürger im Laufe seines Lebens an Krebs. Im Jahr 2018 stellte das Romed- Klinikum in Rosenheim bei 744 Patienten in seinem Onkologischen Zentrum die Erstdiagnose Krebserkrankung. Seit zehn Jahren agiert hier im Zentrum ein interdisziplinäres Spezialistenteam. Ihm gehören Gynäkologen, Radiologen, Pathologen, Chirurgen, Strahlentherapeuten und internistische Onkologen an. Sie begleiten die Betroffenen während ihres Aufenthaltes und darüber hinaus.

Risikofaktor Dauerstress

Der Weltkrebstag, der heute zum 20. Mal begangen wird, weist auf die Bedeutung von Vorsorge, gesundem Leben und auf die Krebsart abgestimmte Therapien hin. Das zukunftsmotivierende Motto des Weltkrebstages: „Ich bin und ich werde“ will zudem zu Taten anregen, um Krebs (auch selbst) zu bekämpfen.

Laut der Deutschen Krebshilfe schätzen Experten, dass rund 40 Prozent aller Krebsfälle durch einen gesunden Lebensstil vermeidbar wären. Das unterstreicht Dr. Gerhard Puchtler, Leiter des Onkologischen Zentrums am Rosenheimer Romed-Klinikum, nachdrücklich: „Dauerstress, Übergewicht, UV-Strahlung, Alkohol, Bewegungsmangel. Inhalationsrauchen – das sind Risikofaktoren für die Entstehung von Krebs.“

Während im Jahr 1980 etwa zwei Drittel aller Bundesbürger an einer Krebskrankheit verstarb, können heutzutage mehr als 50 Prozent geheilt werden.

Wie lässt sich das erklären? „Es liegt an verbesserten Behandlungsmethoden. Aber auch die Früherkennungs- und Vorsorgemaßnahmen spielen hier eine wichtige Rolle“, so der Mediziner. Noch etwas aus der Welt der Statistik: Die meisten Bundesbürger sterben an Lungenkrebs, daran zudem wiederum mehr Männer als Frauen. Puchtlers Erläuterung dazu: „Männer sind häufiger Raucher und an den Arbeitsplätzen größeren Umweltbelastungen ausgesetzt.“

Wie lässt sich vorsorgen? Ein Rat in puncto Hautkrebs: „Regelmäßige Kontrolle durch den Facharzt“, sagt Puchtler, und in Bezug auf Darmkrebs: „Mehr als 90 Prozent entsteht er aus Polypen, die bei einer Koloskopie aber entfernt werden können.“ Krankenkassen übernähmen bei Männern ab dem 50. Lebensjahr, bei Frauen ab dem 55. Lebensjahr (und dann jedes zehnte weitere Jahr) die Kosten für diese Darmspiegelung. Je früher erkannt, desto eher gebannt – nach diesem Spruch sollten auch Männer sich periodisch auf Prostatakrebs untersuchen lassen.

Wie vererbbar ist Krebs? Die Promi-Schauspielerin Angelina Jolie, die sich beide Brüste entfernen ließ, ist ein Beispiel für mögliche genetische Veranlagungen. Brust sowie Magen/Darm sind vor allem betroffen. Durch genetische Tests lässt sich feststellen, wie hoch das Erkrankungsrisiko ist. Der Leiter des Onkologischen Zentrums sagt: „Erkrankt etwa der Vater mit 50 Jahren an Darmkrebs, sollte die Tochter mit 40 Jahren eine Vorsorgedarmspiegelung durchführen lassen.“

Schlagartig verändert die Diagnose Krebs physisch und psychisch das Leben von Patienten und Angehörigen – die oft nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Da helfen Jana Weinhold zufolge zwei einfache Sätze: „Wie kann ich Sie unterstützen? Was brauchen Sie?“ Die Diplom-Psychologin und Psychoonkologin am Romed-Klinikum (Abteilung Psychoonkologie und Psychologische Schmerztherapie) vermittelt mit ihrem fünfköpfigen Experten-Team in aktiven Gesprächen mit Patient und Angehörigen – die oft „im Stillen leiden“ (Deutsche Krebshilfe) – die Haltung: „Die Krebs-Diagnose ist die Chance, etwas zu verändern.“

Das Team von Jana Weinhold tritt in Zivilkleidung den Betroffenen gegenüber. Denn: „Viele Patienten haben Angst, Ärzten in weißen Kitteln Fragen zu stellen. In Zivil vermitteln wir Nahbarkeit.“ Mehr Frauen als Männer nehmen ihr zufolge das Angebot von (Einzel-)Gesprächen an. Die Psychoonkologie stelle auch Kontakte zu Selbsthilfegruppen her.

Miteinander reden ist das eine, über den Patienten miteinander sprechen das andere – und lebenswichtig. Jeden Donnerstag findet im Romed-Klinikum die „Tumor-Konferenz“ statt. 20 bis 25 Ärzte sowie Jana Weinhold oder eines ihrer Teammitglieder beraten über die aussichtsreichste Behandlung für circa 35 Patienten. „Vor sieben Jahren“, weiß Puchtler, „besprachen wir wöchentlich ,nur‘ sieben Patientenfälle.“

Modernste Therapie:
medikamentös

Viele Eingriffe können endoskopisch oder mit Schlüsselloch-Chirurgie vorgenommen werden. Dadurch erhole sich der Patient wesentlich schneller, weiß der Arzt. Die besser verträgliche Immuntherapie (das Immunsystem wird aktiviert und bekämpft Krebszellen) kommt bei immer mehr Tumorarten statt einer Chemotherapie zum Einsatz. Das Modernste aber sei eine medikamentöse Therapie, die sich gegen genetische Veränderungen der Tumorzellen richtet, sagt der Leiter des zertifizierten Onkologischen Zentrums, von dem es in Bayern insgesamt 19 gibt. Die neue Behandlungsmethode zielt dabei ausschließlich auf die genetische Veränderung ab. Und: „Dabei spielt die Tumorart keine Rolle.“

Das Onkologische Zentrum

Das zertifizierte Onkologische Zentrum der Romed-Klinik Rosenheim vereint verschiedene Behandlungsmöglichkeiten unter einem Dach. Es standardisiert und vereinheitlicht alle nötigen Abläufe von der Diagnose über die Behandlung bis hin zur Palliativmedizin und gibt den Patienten damit Orientierung im Umgang mit einer Krebserkrankung. Als zentrale Anlaufstelle koordiniert es nach einem persönlichen Gespräch alle weiteren Abläufe, kontaktiert entsprechende Kliniken und stellt dem Patienten einen strukturierten Ablaufplan zur Verfügung. Die zertifizierten Zentren müssen jährlich nachweisen, dass sie die fachlichen Voraussetzungen erfüllen.

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