Elf verendete Schafe

von Redaktion

Haben Essensreste den Tod der Tiere in Kolbermoor verursacht?

Diese Hinweise hängen jetzt an der Schafweide an der Staatsstraße.

Kolbermoor –Ein Lämmchen ist jüngst verstorben, drei Schafe und sieben Jungtiere im vergangenen Jahr: Georg Schüller aus Rosenheim gehören die Tiere auf der Kolbermoorer Koppel an der Staatsstraße. Er schüttelt den Kopf, blickt traurig zu Boden. Woran seine Tiere gestorben sind? Schüller glaubt, dass Passanten, die den Schafen eigentlich etwas Gutes tun wollen, dafür verantwortlich sind. „Unbekannte werfen Küchenabfälle auf die Weide“, sagt er. Wurst, Brot, Gemüsereste. „Wenn die Tiere das fressen, sterben sie.“ Eine Vermutung, die ihm auch schon eine Tierärztin bestätigt habe. Obduzieren lassen hat er die verendeten Schafe allerdings nicht: „Das ist viel zu teuer“.

Vergiftung
durch Schimmel?

Laut Veterinäramt Rosenheim, bei dem die OVB-Heimatzeitungen nachgefragt haben, „ist es prinzipiell vorstellbar, dass Schafe an verschimmelten Küchenabfällen verenden können“. Eine „derartige Vergiftung“ sei immer eine Frage der Menge des aufgenommenen Schimmels und der Zeit, über die dieser aufgenommen werde.

Viele Fans
in der Region

Was der Schimmel bei den Tieren verursachen kann, dessen ist sich das Ehepaar Sophia und Georg Schüller bewusst. Ebenso wie Manuela Faltermeier, die im Norden Kolbermoors wohnt und der „größte Fan dieser Schafe“ ist. „Immer wenn ich nach Bad Aibling muss, fahre ich über die Staatsstraße dorthin, um die Tiere zu sehen.“ Weil sie ihr eine so große Freude bereiten und sie den Schafen etwas Gutes tun wollte, hatte sie irgendwann die Besitzer kontaktiert. „Sie haben nur geweint und mir alles erzählt“, so Faltermeier.

Tags darauf ist sie wieder zu den Schafen gefahren und hat Zettel an den Zaun gehängt: „Bitte entsorgen Sie Ihre Küchenabfälle nicht ins Schafsgehege!“, steht unter anderem darauf. Als sie fertig war, hat sie die Schafe beobachtet und am Rand der Koppel „Tüten voller verschimmelter Essensreste“ gefunden. Die hat sie dann entfernt, indem sie durch den Zaun die Essensreste gezogen hat. „Man kann doch keine Essensreste an die Schafe verfüttern“, ist sie fassungslos.

Dass das öfter passiert, bestätigt auch der Besitzer der Koppel, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Immer wieder finde ich volle Tüten“, sagt er. Sein Zuhause ist gleich um die Ecke – somit hat er die Weide fast immer im Blick. Auch das Ehepaar Schüller schaut täglich bei den Schafen vorbei – und hat jüngst wieder ein verendetes Lämmchen gefunden. „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll“, zeigt sich der Tierhalter verzweifelt.

Beschwerden
bei der Polizei

Ein weiteres Ärgernis für den Rosenheimer Schafbesitzer: Nach seinen Angaben haben sich schon mehrere Leute mit der Polizei in Verbindung gesetzt. „Leute haben sich beschwert, dass die Tiere nicht genug zu fressen haben“, erzählt er. Was aber nicht stimme, wie er beteuert.

Die Polizei Bad Aibling bestätigt auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen, dass sie im Dezember 2018 und 2019 Anrufe von Bürgern wegen der Schafe erhalten habe. „Im ersten Fall wurde mit dem Besitzer telefonisch Kontakt aufgenommen und das Anliegen geklärt. Im zweiten Fall wurde die Örtlichkeit aufgesucht und mit dem Besitzer vor Ort gesprochen“, teilte ein Sprecher der Polizei mit. „In beiden Fällen erging eine Mitteilung an das Veterinäramt, da durch uns keine Sofortmaßnahmen notwendig wurden.“

Auch beim Veterinäramt sind laut Schüller Beschwerden von Bürgern darüber eingegangen, wie er seine Tiere versorge. „Sie denken, die Tiere haben nicht genug zu fressen. Aber das stimmt nicht.“ Schüller: „Im Stall ist ausreichend Wasser, ein Leckstein und ein Trog mit Pellets. Obendrein fressen sie Heu und Stroh.“

Plastikfolie um
den Siloballen

Aussagen, die das Veterinäramt gegenüber unserer Zeitung bestätigen kann: „Zum Zeitpunkt der letzten Kontrolle war die Versorgung der Schafe mit Futter und Wasser in ausreichendem Umfang gegeben.“ Allerdings sei „die Futtervorlage gesundheitlich nicht unbedenklich, da die Tiere Plastikreste von einem Siloballen im Futter hatten“, teilte die Behörde weiter mit. Ein Mangel, die Schüllers nach eigenen Angaben aber sofort behoben hätten: „Wir haben die Plastikfolie vom Siloballen komplett entfernt.“

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