Rosenheim – Gerhard Kippes, Leiter der Abteilung Hoch- und Tiefbau im Landratsamt, gab sich bewusst zurückhaltend. „Es handelt sich um einen Grundsatzbeschluss. Wir beginnen erst mit dem Ausschreibungsverfahren“, sagte er nicht nur mit Blick auf die vom Ausschuss erbetenen Informationen zu den Kosten. Was die Bauzeit betrifft, rechnet Kippes mit rund vier Jahren, der Baubeginn steht noch nicht fest – im Gegensatz zur Reihenfolge der Maßnahmen. Erst erfolgt die Aufstockung des sechsstöckigen Gebäudes, dann die Sanierung der bestehenden Geschosse und zum Schluss die Fassadensanierung.
Auflösung aller
Außenstellen
Durch die Erweiterung werden nach den Berechnungen der Verwaltung gut 50 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Eine Tatsache, deren Synergieeffekte Ulrich Sedlbauer, der Geschäftsleitende Beamte im Landratsamt, hervorhob. Wichtigstes Ziel: die Auflösung aller Außenstellen der Behörde mit Ausnahme der Kfz-Zulassungsstellen. Konkret geht es um das Veterinäramt in Bad Aibling und das Gesundheitsamt, das sich derzeit in der Prinzregentenstraße in Rosenheim befindet. „Wir haben dann fast alle Mitarbeiter zentral an einem Standort. Kurze Wege erleichtern die Arbeit der Verwaltung“, war sich stellvertretender Landrat Josef Huber (CSU) mit seiner Einschätzung mit dem Geschäftsleiter einig. Laut einer Berechnung der Verwaltung führt dies zu jährlichen Kosteneinsparungen von etwa 100000 Euro.
In der Debatte vor dem einstimmigen Votum des Gremiums gab es kaum kritische Untertöne. CSU-Fraktionssprecher Felix Schwaller sprach von einer „Superidee“, Hans Bürger-Schuster (CSU) sah keine „großen Alternativen“ zur beschlossenen Vorgehensweise. „Es ist richtig, dass wir das jetzt angehen“, zeigte sich Dieter Kannengießer, Fraktionssprecher der Parteiunabhängigen, überzeugt. Werner Gartner (SPD) begrüßte zwar grundsätzlich, dass der Nachverdichtung der Vorzug vor einem Bau in der Landschaft gegeben werde, ganz glücklich mit der Entscheidung ist er dennoch nicht. „Wir haben nicht umfassend genug geprüft, ob der Standort für das Gebäude der richtige ist, als wir vor ein paar Jahren mit dem Neubau und den Sanierungsmaßnahmen begonnen haben. Es hätte sich ein Alternativ-Standort finden lassen“, sagte Gartner. Er verband damit die Frage, ob ein Neubau an anderer Stelle billiger gekommen wäre als das bisher verwirklichte Maßnahmenpaket zur Beendigung der Raumenge im Bereich der Verwaltung und die jetzt beschlossenen baulichen Veränderungen.
Huber verteidigt
den jetzigen Standort
Als die Debatte um das Gebäude plötzlich mit Rückblicken auf Entscheidungen zum Standort des Landratsamtes verknüpft wurde, die zum Teil vor Jahrzehnten getroffen wurden, sah sich Josef Huber zu einer generellen Feststellung veranlasst. „So schlecht ist der jetzige Standort nicht. Er ist zentral gelegen und gut angebunden.“ Als für einen kurzen Moment erste Gedanken durch den Sitzungssaal schwirrten, wie man die Gebäude des Veterinär- und Gesundheitsamtes künftig nutzen könnte, folgte gleich noch ein Bekenntnis Hubers. „Das Gesundheitsamt wird nur über meine Leiche verkauft.“
Der Kolbermoorer Bürgermeister Peter Kloo (SPD) hält die beschlossenen Maßnahmen für „absolut sinnvoll“ und schloss einen Appell an. „Lasst uns nicht, getrieben von falscher Sparsamkeit, zu wenig bauen.“