Babensham/Amerang/Wasserburg – Seit drei Jahren lebt Efe Osas als Asylbewerber in der Unterkunft in Babensham, doch eine Zukunft in Deutschland wird es für den Nigerianer nicht geben. Er muss das Land wieder verlassen. Trotzdem sieht er mit großer Zuversicht dem Neustart in der alten Heimat entgegen: Dank tatkräftiger Unterstützung des Helferkreises Babensham, der Firma Somic und des Vereins Vision Yamalé kann sich Efe Osas eine Existenz in Nigeria aufbauen. Vor lauter Glück hat er das Grundstück, auf dem seine Kfz-Werkstatt entsteht, in „Babenshamer Platz“ umgetauft.
In der Region Edo, in der Nähe der Stadt Benin, wird der 40-Jährige nach seiner Rückkehr den Betrieb eröffnen. Für den Grundstückskauf muss er noch etwa 3000 Euro aufbringen. Dafür werden Spenden gesammelt. Die Werkzeuge und Geräte für die Reparaturen gehen mit auf die Reise. Die Firma Somic aus Amerang hat die Ausrüstung im Wert von 3000 Euro gespendet, und eine Box für den Transport der 500 Kilo schweren Materialien organisiert.
Betreut und begleitet durch den Helferkreis Babensham
Somic-Geschäftsführer Patrick Bonetsmüller hofft, dass die Unterstützung durch sein Unternehmen „Hilfe zur Selbsthilfe“ leistet. Er hat Efe Osas, der intensiv betreut und begleitet wurde durch den Helferkreis Babensham, in dem sich Bonetsmüllers Ehefrau engagiert, selber kennengelernt. Und schätzt ihn sehr: „Das ist ein extrem motivierter junger Mann, sehr pflichtbewusst, sehr willig, es zu schaffen“, ist Bonetsmüller überzeugt.
Somic-Geschäftsführer Bonetsmüller hofft, dass mit dem Gelernten und der finanziellen Unterstützung der Neustart in der alten Heimat gelingen wird. „Vielleicht macht dieses Beispiel dann Schule“, sagt er. Darauf setzt auch der Priener Verein „Vision Yamale“. Er hilft Flüchtlingen, mit einer Zukunftsperspektive in ihre Heimatländer zurückzukehren. So wie Efe Osas, für den der Verein ein Spendenkonto erstellt hat. Die Mitglieder werden das Rückkehrprojekt weiter begleiten und den Kontakt halten – damit die neue Werkstatt eine langfristige Perspektive erhält.
„Ich bin happy“, sagt Efe Osas. Er freut sich – emotional und finanziell gestärkt – auf die Rückkehr in seine Heimat. Dort warten seine Lebensgefährtin und sein siebenjähriger Sohn auf ihn. Um ihm den Schulbesuch zu finanzieren, hat Efe Osas regelmäßig Geld nach Hause geschickt. „Schule ist wichtig“, sagt der Nigerianer, vielleicht auch, weil er selbst weder lesen noch schreiben kann.
Dennoch weiß er sich im Alltag und beruflich gut zu helfen. Die Verständigung klappt auf Englisch und – dem Handy sei Dank – per Übersetzungs-App und Sprachnachrichten. Und auch mit den technischen Gerätschaften in einer modernen Autowerkstatt kommt er bestens zurecht. „Efe ist immer freundlich, hilfsbereit und lernbegierig. In der Werkstatt hat er gezeigt, was er kann“, bestätigt sein derzeitiger Chef Anton Langgaßner. In der Wasserburger Firma Port & Langgaßner darf der Asylbewerber, der schon in der Heimat als Mechaniker gearbeitet hat, ein sechsmonatiges Praktikum absolvieren und dabei einen modernen Kfz-Betrieb kennenlernen. Das hier Gelernte wird ihm in der alten Heimat helfen, Fuß zu fassen, sind seine Unterstützer überzeugt.
„Ich liebe Deutschland. Hier bin ich sicher und es wurde mir geholfen“, betont auch Efe Osas. 2016 hatte er wegen der politischen und wirtschaftlichen Lage seine Heimat verlassen. Über Umwege kam er nach Tripolis. Dort setzte er sich unbemerkt in eines der Flüchtlingsboote in Richtung Italien. Nur drei der sechs Boote kamen in Lampedusa an. Neun bange Stunden auf dem offenen Meer haben ihre Spuren hinterlassen. Die Flucht habe ihm die Augen geöffnet und er habe Alternativen für sich entdeckt. Er habe viel gelernt, seinen Horizont erweitert, erzählt Efe Osas.
Die Ausreise in die Heimat hat er freiwillig beantragt, um einer Abschiebung zuvorzukommen. Das eröffnet ihm über Rückkehr- und Aufbauprojekte eine berufliche Perspektive. Nach einer Abschiebung und ohne Geld könne er in der Heimat nichts anderes machen, als in den Krieg zu ziehen, erklärt Efe Osas.
Er kann sein Glück noch immer kaum fassen. Immer wieder streichelt er über den Werkzeugwagen und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Beim Blick auf den Werkstattkran, den Stromgenerator, den Kompressor und den weiteren technischen Utensilien schüttelt er immer wieder fassungslos den Kopf. „Thank you, father“: Freudestrahlend umarmt er Bonetsmüller. Eine Profiausstattung in dieser Qualität wäre in Nigeria schwer zu bekommen, sind sich die beiden Männer einig. „So kann Efe nach seiner Rückkehr schnell loslegen“, sagt der Ameranger Unternehmer. Aus eigener Kraft wäre das nicht möglich. Absolutes „Heiligtum“ ist das Diagnosegerät. „Damit kann ich alle Marken reparieren“, freut sich Efe Osas und kündigt an, künftig in der Werkstatt zu schlafen, um seine Gerätschaften zu schützen.
Mitte Februar wird er sich wohl auf den Weg in die Heimat machen. Vorher sind noch einige Ausreiseformalitäten zu erledigen. Und dann heißt es Abschied nehmen von Babensham. Dort hat er sich besonders gut aufgehoben gefühlt. Darum will er seine Werkstatt in Nigeria auch „Babenshamer Platz“ nennen. Mit im Gepäck sind dann auch Karotten, Spinat und Kartoffeln, die er in seiner Heimat anbauen will. Nur vom Leberkäse wird der Abschied wohl endgültig sein.