Aschau – Es ist der erste öffentliche Auftritt seit 2006: In Aschau legen junge Gebirgsjäger heute ihr Gelöbnis auf das Grundgesetz ab. Das finden nicht alle gut. Über die Bundeswehr in der Öffentlichkeit und die Bereitschaft, als Soldat auch Pazifisten zu verteidigen, sprachen wir mit Jäger Alexander Jahn, der aus Frankfurt nach Berchtesgaden gezogen ist und mit dem feierlichen Akt heute den Abschluss der Grundausbildung feiert.
Was zieht Sie aus der Metropole Frankfurt ins tiefe Oberbayern?
Die Berge. Es ist einfach abwechslungsreicher, sich in den Bergen aufzuhalten, als im Flachland herumzurennen. Und die Herausforderung ist höher.
Am Donnerstag leisten Sie Ihr Gelöbnis. Sind Freunde und Familie da?
Meine Großeltern und meine Mutter reisen an, ja. Die Freunde müssen arbeiten.
Und wie sieht die Familie Ihre Entscheidung?
Mütterlicherseits positiv, wenn’s dir gefällt, ist es für meine Mutter auch in Ordnung. Dem Opa gefällt’s sehr gut, nur von väterlicher Seite… Der sieht’s ein bisschen knatschig. Aber das ist eine andere Geschichte.
Was ist das für ein Gefühl – einfach Pflichtübung, oder doch auch etwas Besonderes, vielleicht sogar Erhebendes?
Ich habe mich auch schon mit den Kameraden auf der Stube darüber ausgetauscht. Es ist für uns eine Art Abschluss, natürlich, Stolz ist schon dabei. Drei Monate lang haben wir uns Mühe gegeben, haben ein bisschen was miteinander durchgemacht. Als Abschluss ist das sehr schön.
Welchen Vorteil bringt es, das öffentlich zu tun? Kann man das nicht auch im Verborgenen machen?
Hm. Prinzipiell ist es gut, dass, wenn die Bundeswehr wirklich ein Teil der Gesellschaft ist, sie sich auch inmitten der Gesellschaft zeigt. In diesem Augenblick gibt es eine Verbindung zwischen zivilem und militärischem Bereich, was in anderen Ländern normal ist, bei uns aber nicht mehr. Ich würde mich freuen, wenn mehr Leute aufmerksam werden und registrieren, dass es die Bundeswehr gibt. Und dass sie Teil der Gesellschaft ist.
Warum sind Sie zur Bundeswehr gegangen?
Ich habe festgestellt, dass einige der Qualitäten, die ich mir einbilde zu haben, vielleicht nicht so besonders gefragt sind auf dem Freien Markt, in dieser Ellbogengemeinschaft. Die Verbindung zu Vorgesetzten, aber auch die Verbindung der Kameraden untereinander – das ist etwas Besonderes. Außerdem: Ich lerne was, ich trainiere meinen Körper und Geist, und diese Kombination ist für mich schon ideal.
Haben Sie Verständnis für Menschen, die den Beruf des Soldaten ablehnen?
Ich gönne jedem seine Meinungsfreiheit, und wenn jemand sagt, ich finde deinen Job nicht gut, dann sage ich, okay das ist deine Meinung. Man kann dieses Thema zu Tode diskutieren, hin und her wenden, ob es richtig oder falsch oder gut oder schlecht ist. Ich finde die Bundeswehr gut, aber ich lasse da auch jedem seine Meinung.
Ist es für Sie absurd, notfalls Menschen zu verteidigen, die Sie wegen Ihrer Entscheidung für den Dienst an der Waffe angreifen?
Ich sehe es so, dass ich auch die Meinungsfreiheit verteidige. Und ebenso die Menschen, die sie in unserer Gesellschaft ausleben dürfen. Da ist es irrelevant, welche politische oder persönliche Meinung dahintersteckt.
Was bedeutet es, dass eine Gemeinde eine Patenschaft mit einer Bundeswehr-Einheit pflegt?
Es freut mich sehr, dass die Aschauer uns die Möglichkeit geben. Es ist ja irgendwo ein gewagter Schritt, Diskussionen kann es schon geben. Aber es zeigt eben auch die enge Verbindung, die wir mit den Bürgern im Umkreis haben. Ich finde, das ist eine gute Sache. Interview Michael Weiser