„Nichts ging mehr“

von Redaktion

Stromausfall: Milchwerk Jäger und die Folgen von Sturmtief Sabine

Haag – Sturm „Sabine“ wirkt nach: Von 200000 bis 300000 Euro Schaden geht das Milchwerk Jäger in Haag aus. Grund: ein neunstündiger Stromausfall, der die Produktion lahmlegte. 220000 Kilo Käse-Kesselmilch konnten nicht verarbeitet und mussten entsorgt werden.

„So etwas hat es bei uns noch nie gegeben“, sagt Geschäftsführer Hermann Jäger junior. Mittlerweile stehe fest: Eine Verkettung von vielen unglücklichen Umständen habe dazu geführt, dass das Milchwerk von den Morgen- bis zu den Abendstunden keinen Strom hatte. Der Sturm hatte Freileitungen abgerissen und Bäume auf die Leitungen geworfen, ein Kabel im Schalthaus des Haager Kraftwerks verschmorte. 11000 Haushalte im Haager Land waren ohne Stromversorgung.

Im Klinikum Haag sprang das Notaggregat an, im Milchwerk erkannte das entsprechende Gerät für die Notversorgung das Fehlersignal vom Kraftwerk jedoch nicht, so Jäger. Die Folge: „Nichts ging mehr“ – keine Maschinen, kein Computer, kein Licht, nicht einmal die Handys, denn auch der Mobilfunk war ausgefallen. Mitarbeiter fuhren aufs Land hinaus und nahmen von dort aus Kontakt mit den Nachbarmolkereien auf. „Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander“, sagt Jäger, man helfe sich gegenseitig. Die Molkereien Bauer, „frischli“, Meggle und Weihenstephan nahmen dem Milchwerk Jäger deshalb 565000 Liter ab. 220000 Kilo Käse-Kesselmilch mussten jedoch aus der Produktion genommen werden. Sie können nicht weiterveredelt werden. Die Mitarbeiter schöpften mit Kübeln den Käsebruch aus den Fertigern. Er wurde eingeschmolzen – für die Herstellung von Schmelzkäse.

Das Milchwerk Jäger, das heuer im September den 150. Geburtstag feiert, möchte solche Produktionsausfälle in Zukunft vermeiden, indem es direkt mit dem Kraftwerk verbunden wird – ohne Überlandleitungen. Pro Tag werden in Haag, wo Bayerns älteste Privatmolkerei daheim ist, 1,5 Millionen Liter Milch verarbeitet – zu Mozzarella, Pasta-, Schnitt- und Reibekäse sowie Butter. Es gibt Verträge mit 1300 Landwirten. 1000 liefern aus Bayern an, der Rest kommt aus Oberösterreich, so Jäger. Heike Duczek

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