Aschau –„Biwak ist die Abkürzung für ,Bundeswehr im Wald außer Kontrolle‘“, definierte Jäger Jan Krieger, Sprecher der Rekruten, beim feierlichen Gelöbnis der Berchtesgadener Gebirgsjäger zu Füßen von Schloss Hohenaschau den militärischen Fachbegriff neu. In einer launigen Rede erinnerte er sich an die drei strapaziösen Monate seit Dienstantritt in der Berchtesgadener Kaserne.
Versetzung zu den
Stammtruppenteilen
141 Rekruten begannen damals ihren Dienst, 128 legten jetzt in Aschau ihr Gelöbnis ab und werden in den kommenden Tagen zu den künftigen Stammtruppenteilen versetzt. Er erzählte den amüsierten Zuschauern von den Anfangsschwierigkeiten, der neuen Sprache und der ungewohnten Umgebung, vom Leben mit sechs zu Beginn Fremden auf einer Stube und vom mühsamen Erlernen der militärischen Fachbegriffe.
Die Kameradschaft untereinander habe ihm und seinen Kameraden über vieles hinweggeholfen – vom frühen Aufstehen über den Frühsport bis zum Geländedienst. „Viele Geschichten, die uns vor unserem Eintritt in die Bundeswehr erzählt wurden, haben sich als Märchen herausgestellt. Was wir aber erlebt haben, ist angewandte Kameradschaft. Wir sind hierher nach Aschau gekommen, um mit dem feierlichen Gelöbnis in das Gebirgsjägerbataillon 232, in die Bundeswehr und in die Gemeinschaft aller Gebirgssoldaten einzutreten.“
Sechs Rekruten legten stellvertretend für alle die Hand an die Truppenfahne des Gebirgsjägerbataillons 232 und gelobten gemeinsam der Bundesrepublik treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. „Das gibt es nur in Bayern“, staunte ein Besucher aus Dortmund, „bei uns verstecken sich die Soldaten in den Kasernen, hier sind sie mitten im Leben.“
Zahlreiche Eltern, Geschwister und Angehörige der jungen Soldaten kamen zum Gelöbnis ihrer Söhne aus ganz Deutschland an die Kampenwand. Die Gebirgsschützenkompanie Aschau, die Veteranenvereine aus der Region, die Fahnenabordnungen der Aschauer Vereine und viele Gäste aus dem Landkreis nahmen an der Feierstunde an der Festhalle teil. Das Gebirgsmusikkorps 8 aus Garmisch-Partenkirchen übernahm die musikalische Untermalung des festlichen Aktes.
Die Gemeinde Aschau hat seit mehreren Jahren eine Patenschaft mit der dritten Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231. Die Soldaten besuchen seit Jahrzehnten regelmäßig die Kinder des Behandlungszentrums Aschau und bereiten ihnen vor allem in der Nikolauszeit viel Freude.
Bürgermeister Peter Solnar dankte den Soldaten für ihren Dienst für die Allgemeinheit. „Die Gebirgsjäger genießen in Bayern eine hohe Wertschätzung“, sagte der Rathauschef. Das Gebirgsjägerbataillon habe in den vergangenen Jahren seinen Dienst in zehn Ländern getan – von Somalia bis Estland, von Mali bis nach Afghanistan. Die Soldaten hätten für ihren Einsatz Anspruch auf die Wertschätzung durch die Bevölkerung, das am besten geeignete Material und die beste Ausbildung.
Bataillonskommandeur Oberstleutnant Martin Sonnenberger begrüßte die zahlreichen Gäste aus Politik und Wirtschaft an der Aschauer Festhalle. „Ich verspreche ihnen, dass sich die Bundeswehr nach 65 Jahren nicht zur Ruhe setzen wird, sondern nach ihren Aufgaben als Streitkräfte im Kalten Krieg und als Armee der Einheit jetzt in eine Armee im Einsatz gewandelt hat.“
Mali-Einsatz im
kommenden Jahr
Das Bataillon bereite sich bereits wieder für den nächsten Einsatz in Mali im kommenden Jahr vor. Dabei entspreche die moderne Gebirgsjägertruppe in keiner Weise althergebrachten Klischees, sondern müsse in der Lage sein, in allen denkbaren militärischen Szenarien eingesetzt zu werden. Die Gebirgsjägertruppe brauche den robusten Soldaten, der als Einzelner und in der kleinen Gemeinschaft bei allen Gelände- und Witterungsbedingungen zurechtkomme.
Dass diese unsichtbare Verbindung der Gebirgsjäger weit über die aktive Dienstzeit in alle Generationen hinausreiche, konnten die Rekruten an den Krieger- und Soldatenkameradschaften aus der Region sehen, die bei diesem feierlichen Anlass mit ihren Traditionsfahnen anwesend waren.