Klarer Blick in die Aschentonne

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

In meiner Kindheit wurde die Mülltonne noch ganz üblich als „Aschentonne“ bezeichnet. Vermutlich, weil die erkaltete Asche aus dem Ofen den größten Teil des Abfalls ausmachte, der von einem Haushalt übrigblieb.

Wenn wir heute einen Blick in unsere Mülltonnen werfen, dann schaut der Inhalt ganz anders aus. Die Asche gibt dem heutigen Aschermittwoch seinen Namen und ist das, was im wahrsten Sinne des Worts einmal an Substanz von uns übrigbleiben wird. Der Aschermittwoch erinnert an die Begrenztheit unseres menschlichen Daseins. Gerade das macht unser Leben damit so einmalig, kostbar und wertvoll.

Die 40 Tage der Fastenzeit sind dann ein gut überschaubarer Zeitraum, um das eigene Leben auf den Prüfstand zu stellen. Mir tut es gut, dass diese Zeit jedes Jahr einen festen Platz im Kalender hat. Wie manches andere in meinem Leben, kann ich auch das nicht einfach nach meinen Plänen schieben.

Es geht beim Fasten nicht um Selbstkasteiung und schon gar nicht um ein religiöses Leistungsverhalten, sondern um eine bewusste Befreiung von dem, was uns gefangen nimmt. Ich glaube, jeder kennt seine „Baustellen“ da am besten. Mitunter muss man tatsächlich die Kalorienmenge reduzieren, manchmal aber auch das Mundwerk, die Fülle im Terminkalender oder ungute Gedanken.

Auf einmal kommt so die eigene Lebensspur wieder in den Blick: Das, was wirklich einmal von unserem Leben bleiben soll. Mehr als alles andere, wird es das Gute sein, das wir ohne Berechnung ausgesät haben. Das Aschenkreuz bedeutet für mich, die kommenden 40 Tage unter ein positives Vorzeichen zu stellen und Gott auch unsere Verletzungen zu übergeben. Sie sind in seiner Liebe geborgen.

Übrigens: Vielleicht schadet ein klarer Blick in unsere heutigen „Aschentonnen“ gar nicht. Vielleicht gäbe es auch da hinsichtlich unseres Lebensstils etwas zu überdenken.

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