„Er ist ein Mann der Mitte“

von Redaktion

Das sagen Geistliche und Laien über den neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz

Rosenheim – „Er ist ein Mann der Mitte, der Brücken bauen und Meinungen zusammenführen kann. Ein sehr ausgeglichener Mensch“, sagt Daniel Reichel über den neu gewählten Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing (58). Der Dekan der Dekanate Rosenheim, Bad Aibling und Chiemgau freut sich über die Wahl. „Ein bisschen erstaunt war ich zu Beginn, da er noch relativ jung ist, sowohl vom Alter als auch von den Berufsjahren her. Er ist ja erst seit vier Jahren Bischof.“

„Synodaler Weg“
als wichtiger Punkt

Nach dem Verschwendungsskandal um den ehemaligen Limburger Bischof Tebartz-van Elst fiel Bätzing die Mammutaufgabe zu, das Vertrauen der Menschen im Bistum Limburg zurückzugewinnen. „Das ist ihm dort gelungen“, meint Ulrike Plankl, Sprecherin der Katholischen Frauengemeinschaft der Stadtteilkirche Rosenheim am Wasen. „Es spricht für ihn, dass er das so schnell geschafft hat. Ich begrüße seine Wahl zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz sehr.“

Er mache einen offenen und jugendlichen Eindruck auf sie. Außerdem habe er sich gleich zu Beginn für eine Aufhebung des Pflichtzölibats ausgesprochen. „Das ist eine mutige und offene Aussage“, findet Plankl. „Ich hoffe, dass in Zukunft die sehr verschlossenen Türen in der katholischen Kirche geöffnet werden – vor allem uns Frauen gegenüber. Ich wünsche mir, dass der neue Vorsitzende sich dafür einsetzt.“ Es sei schade, dass Frauen nach wie vor so viel verwehrt bleibe. „Ein Pfarrer hat mir einmal gesagt, dass Frauen die Seele der Kirche sind. Da erwarte ich, dass unsere Stellung verändert wird“, fordert Plankl.

Für Daniel Reichel stellt der „Synodale Weg“, der gerade gestartete Reformprozess zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals innerhalb der katholischen Kirche einen wichtigen Gesichtspunkt dar. „Bätzing wird diesen Weg weiterführen. Ich denke, wir benötigen Offenheit, was dieser als Ergebnis bringen kann.“

Reichel wünscht sich auch, dass Bischof Bätzing Brücken zwischen den unterschiedlichen Lagern innerhalb der Konferenz baut. Der „Synodale Weg“ müsse gemeinsam gegangen werden. „In der Verschiedenheit eine Einheit finden“, das wäre seine Herzensangelegenheit. Reichel betont, dass der neue Vorsitzende seinen eigenen Weg gehen möchte. „Er hat das gleich zu Beginn deutlich gesagt, das fand ich stark und sympathisch.“

Kommunikation
ist ausschlaggebend

Bätzings große Offenheit zeige sich auch im Umgang mit dem Zölibat. „Ich glaube, dass schon ein gewisser äußerer Druck auf ihm lag, dennoch hat er sich gleich positioniert und gezeigt, dass er weiterdenken möchte. Das ist sehr positiv, denn die Diskussion um den Zölibat ist weiterhin notwendig, da viele Leute ihn nicht mehr verstehen“, erklärt der Dekan. „Es ist so viel im Umbruch, Aufbruch und Umdenken im Moment. Menschen und Meinungen müssen zusammengebracht werden.“

„Freundlicher und
offener Austausch“

Für Dagmar Häfner-Becker, evangelische Dekanin im Dekanatsbezirk Rosenheim, die erst vor wenigen Tagen in ihr Amt eingeführt worden war, ist vor allem die Kommunikation zwischen evangelischer und katholischer Kirche ausschlaggebend. „Ich hoffe, dass die ökumenische Zusammenarbeit weiterhin so gut und fruchtbar verläuft wie bisher, mit einem freundlichen und offenem Austausch“, bekräftigt sie.

Hierbei hänge es weniger davon ab, ob ein Reformer oder ein Konservativer an der Spitze der Konferenz steht. „Kardinal Reinhard Marx hat bereits wunderbare Akzente, beispielsweise bei der Kommunikation, gesetzt. Ich bin gespannt, welche Impulse vom neuen Vorsitzenden für die Gemeinschaft kommen und wie diese an der Basis aufgenommen werden.“

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