Traunstein/Rosenheim – Um einen Beuteschaden von über 750000 Euro durch den Bandentrickbetrug mit „falschen Polizisten“ geht es in einem heute beginnenden Traunsteiner Landgerichtsprozess gegen eine Frau (22) und zwei 34 Jahre alte Männer aus Bremen und Salzgitter. Die Bande mit Hintermännern in Südosteuropa soll in München, Rosenheim sowie im norddeutschen Raum zumeist ältere Leute ausgenommen haben. Unter den Opfern war aber auch ein Ehepaar aus Rosenheim.
Sogenannter
Keiler
Die Geschädigten in Rosenheim wurden gemäß Anklage im Februar 2019 von einem „falschen Polizisten“, einem so genannten „Keiler“, angerufen, in ihrer Nachbarschaft seien Einbrecher zugange. Einen Teil der Bande nehme die Polizei gerade fest. Andere Kriminelle aus der Gruppe seien noch auf freiem Fuß. Um seine Wertsachen zu schützen, solle das Ehepaar sie der Polizei übergeben.
Der ältere Mann schöpfte zwar einen kleinen Verdacht, ob alles mit rechten Dingen zugehe. Der angebliche „Polizist“ forderte ihn auf, aufzulegen und die „110“ anzurufen. Als sich unter „110“ wieder der vorherige Anrufer meldete, glaubte der Ehemann die Geschichte und legte 49 Goldmünzen im Wert von 13000 Euro auf die Treppe vor seinem Haus – auf Nimmerwiedersehen.
Der Bande fielen laut Vorwürfen der Traunsteiner Staatsanwaltschaft in den verschiedenen Tatkomplexen noch weitaus höhere Einzelwerte in die Hände – in München Gold- und Silbermünzen für fast 38000 Euro, Goldbarren für knapp 67000 Euro beziehungsweise mehr als 75000 Euro, in einem anderen Fall Bargeld und Münzen im Gesamtwert von 260000 Euro und weitere 61000 Euro Bargeld.
Im norddeutschen Raum erbeutete die Bande zum Beispiel 6,55 Kilogramm Gold im Wert von fast einer Viertelmillion Euro und erhebliche Summen Bargeld. Den Angeklagten liegen darüber hinaus neun gescheiterte Betrugsversuche sowie Drogenhandel zur Last.
Erst am Dienstag hatte die gleiche Strafkammer zwei als „Abholer“ von Vermögenswerten fungierende Türken zu Freiheitsstrafen von mehr als drei beziehungsweise von vier Jahren verurteilt – allerdings wegen weniger Fällen und einem Schaden von „nur“ rund 200000 Euro.
Der auf drei Tage anberaumte Prozess der Zweiten Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs wird am 12. und 16. März, fortgesetzt.
Monika Kretzmer Diepold