Gestärkt durch die Gemeinschaft

von Redaktion

Landfrauentag in Rosenheim unter dem Motto „Region gestalten“

Rosenheim – Es ist der Ehrentag für die Bäuerinnen – und den kann auch der Coronavirus nicht verderben: Im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum fand jetzt der Landfrauentag Rosenheim des Bayerischen Bauernverbandes statt. Zwar mit etwas gelichteten Reihen, dennoch in festlichem Rahmen.

Man habe sich angesichts der herrschenden Hysterie vorab mit dem Gesundheitsamt abgesprochen, berichtete Kreisbäuerin Katharina Kern. Doch weil man weder eine Risikogruppe sei, noch sich in einem Risikogebiet befinde, entschied man sich für die Durchführung der Veranstaltung.

So konnte Kern neben den Landfrauen der Region auch zahlreiche Ehrengäste wie Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und den stellvertretenden Landrat Josef Huber begrüßen. Das Hauptreferat hielt die Südtiroler Landesrätin und ehemalige Landesbäuerin Maria Hochgruber-Kuenzer.

Im Rückblick stellte Kreisbäuerin Kern die Herausforderungen dar, mit denen sich die Landfrauen konfrontiert sehen. An erster Stelle das Volksbegehren „Rettet die Bienen“, welches für die Bauern fast „biblische Ausmaße“ angenommen habe.

Alles ist infrage gestellt worden

„Es hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen“, so Kern. Bis dahin habe man gedacht, vieles richtig zu machen in der bayerischen bäuerlichen Landwirtschaft. Plötzlich sei alles infrage gestellt worden, man musste sich rechtfertigen und habe sich auch selbst hinterfragt.

Dabei, so ist die Kreisbäuerin überzeugt, wollten doch beide Seiten dasselbe: etwa sauberes Wasser, ein umweltfreundliches Wirtschaften auf den Betrieben, eine intakte Umwelt. Doch es werde unterschiedlich gesehen, wie der Weg dorthin aussehen solle.

Die positiven Auswirkungen: Es seien viele Arbeitsgruppen sowie runde Tische gegründet worden und es sei wieder miteinander geredet worden. Durch die Proteste junger Landwirte, die mit ihren Bulldogs in die Städte gefahren sind, sei Bewegung in das Thema gekommen. Grundsätzlich wünscht sich Kern mehr wissenschaftliche Argumente statt Emotionen in der Diskussion. In den schwierigen Zeiten gestärkt wurden die Landfrauen durch ihre Gemeinschaft. Zahlreiche Aktivitäten von der Seniorenfitness bis zum Tag der jungen Bäuerin wurden durchgeführt.

Der Rosenheimer Kreisobmann des Bauernverbandes, Josef Bodmaier, berichtete ebenfalls von „turbulenten Zeiten“. Er räumte ein: „Vielleicht haben wir selber etwas übersehen, weil wir nur mit der Produktion beschäftigt waren.“ Daher sei es wichtig, dass jeder einzelne Landwirt nun aktive Öffentlichkeitsarbeit betreibe. Die Landwirtschaft müsse authentisch vermittelt werden.

Träger von
Tradition und Kultur

Unterstützung von Seiten der Lokalpolitik erbat Rosenheims Bürgermeisterin Gabriele Bauer, die bei der anstehenden Wahl nicht mehr antritt, von ihrem künftigen Amtsnachfolger. „Schauts mir auf die Bauern!“ forderte sie. Sie seien ein unverzichtbarer Träger von Traditionen und Kultur in der Region.

Die bäuerlichen Strukturen, die auch viele Rosenheimer Stadtteile prägten, sorgten für Vielfalt. Außerdem seien die Landwirte die Produzenten der Nahrungsmittel.

Die Diskussionen verdeutlichten auch die Überfluss- und Wohlstandsgesellschaft, in der keiner mehr darüber nachdenke, woher all die Produkte im Supermarktregal eigentlich kommen. Es werde nicht mehr gebeten „Unser täglich Brot gib uns heute“, sondern gefordert, dass es laktose- und glutenfrei sein müsse, sagte die Oberbürgermeisterin. In Anbetracht der wachsenden Weltbevölkerung müsse man Fortschritte bei der Lebensmittelproduktion machen. „Die intakten Familienbetriebe und die bayerische Landwirtschaft werden dabei einen wesentlichen Faktor spielen“, so Bauer. Dafür brauche es einen Konsens „pro Landwirtschaft“.

In einer Gesprächsrunde stellten sich engagierte Frauen aus Politik und Landwirtschaft den Fragen von Kreisbäuerin Kern und ihrer Stellvertreterin Maria Bichler. Gabriele Bauer, Ehrenbäuerin Annemarie Biechl, Hauswirtschaftsschulleiterin Anna Bruckmeier, Landwirtin Bettina Hanfstingl und Land-schafft-Verbindung-Sprecherin Christine Heiss gaben Rede und Antwort rund um Landwirtschaft und Ernährung.

Die Südtiroler Landesrätin Maria Hochgruber-Kuenzer lobte die Landfrauen: „Ihr erhaltet die Attraktivität des ländlichen Raums, ohne Euch würde die Landwirtschaft ganz anders aussehen“, betonte sie. In Anlehnung an das Jahresmotto der Landfrauen „Region gestalten“ gab sie Anregungen, wie jeder Einzelne dazu beitragen könne. Hochgruber-Kuenzer regte an, sich Wissen anzueignen, aufzuklären und mitzureden. „Seien Sie verliebt in Ihre Region, das setzt Kräfte frei“, rief sie auf.

Abschließend wurden die frischgebackenen Meisterinnen der ländlichen Hauswirtschaft und Dorfhelferinnen geehrt – mit kleinen Präsenten und Blumen.

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