Höslwang – Mit ihrer Protestaktion gegen Kollektivstrafen im deutschen Fußball, die durch Plakate mit beschimpfendem Wortlaut vor allem den Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp trafen, haben Ultras des FC Bayern am vergangenen Samstag beim 6:0-Kantersieg gegen die TSG Hoffenheim für jede Menge Aufregung gesorgt. Wie Hans Gehrlein, Vorsitzender des rund 4000 Mitglieder starken FC-Bayern-Fanclubs „13 Höslwanger“ zur Protestaktion der Ultras steht, hat er im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen verraten.
Wie ist die Stimmung im Fanclub?
Nach den guten Leistungen unseres Teams sehr gut. Trainer und Mannschaft – es passt einfach. Die letzten Wochen waren großartig. Auch die Stimmung bei den Spielen war jetzt immer sehr gut. Am Samstag gab es nach den Vorfällen einen Dämpfer. Das war sehr schade. Jetzt, nach dem Sieg auf Schalke, schauen wir wieder nach vorne.
Was geht in Ihnen vor, wenn Sie so etwas wie in Sinsheim sehen?
Mich machte es sehr nachdenklich, und ich war schon sehr über die Heftigkeit erschrocken. Ganz unerwartet kam das Ganze aber nicht. Wer sich mit den Dingen beschäftigt, wusste, dass es da zu was kommen könnte. Unsere Mannschaft hat das aber gut weggesteckt.
Wie fanden Sie die Reaktion von Bayern und der TSG Hoffenheim?
Es war schon eine sehr komische Situation. Das muss man erst mal verarbeiten. Das hab ich bei den Bayern so noch nie erlebt. Ein Dank an das Schiedsrichter-Team, dass sie das noch so zu Ende gebracht haben.
Wie ist das mit den Ultras: Einfach daneben, oder treffen sie doch in manchen Sachen einen Nerv? Etwa mit ihrer Kritik an der mangelnden Bekämpfung gegen Rassismus?
Die Ultras haben bei manchen Sachen ihre eigene Sicht der Dinge. Das ist nicht immer leicht zu verstehen. Sobald Politik und Fußball aufeinandertreffen, ist es oft schwierig. Man kann einige Sachen der Ultras verurteilen, aber im Gegenzug werden wieder viele sehr tolle Dinge gemacht. Das ist nichts Neues, das war auch vor dem vergangenen Samstag schon ein Thema.
Ist die Reaktion auf die Transparente eine Spur zu heftig?
So etwas will in den Stadien niemand sehen. Da muss man in der Zukunft anders miteinander umgehen, sonst schadet das unserer Fanlandschaft. Hetze jeder Art gehört da nicht hin. Hier muss man sich zusammensetzen und muss für alle gemeinsam einen Weg suchen. Kritische Botschaften müssen erlaubt sein, aber nicht derartige persönliche Beleidigungen.
Hat die Kritik an der Kommerzialisierung der Bundesliga ihre Berechtigung?
Die Bundesliga ist eine tolle Sache. Sie begeistert die Massen. Sie macht sehr viel Spaß. Über den Kommerz dabei wird schon lange diskutiert. Ein sehr komplexes Thema. Das wird uns noch einige Zeit beschäftigen.
Wie ist es mit Kritik an Trainingslagern des FC Bayern in Katar?
Auch schwierig. Hier muss man schauen, wie der FC Bayern da seine Werte vertreten kann. Es ist auch da nicht alles schlecht, aber im Grunde ein gutes Thema, um zu diskutieren.
Sind die Akteure insgesamt dünnhäutig? Ein Fußballstadion ist doch keine Staatsoper…
Nein, das glaub ich nicht. Die Situation ist im Allgemeinen schwieriger geworden. Das Internet hat da sicherlich viel verändert. Die Medien tun einiges noch dazu.
Planen die gemäßigteren Fanclubs eine Aktion als Antwort auf die jüngste Eskalation?
Da ist mir derzeit nichts bekannt. Wir wollen am Wochenende das 120. Vereinsjubiläum feiern und gegen den FC Augsburg gewinnen. Dann wäre es der perfekte Sonntag, und wir könnten uns wieder über Fußball unterhalten.
Interview: Michael Weiser