Angeklagter (27) leugnet Vergewaltigung

von Redaktion

Afghane vor dem Landgericht Traunstein – Arbeitskollegin (19) bestätigt alle Vorwürfe – Plädoyers und Urteil am Freitag

Traunstein/Rosenheim – Ein 27-jähriger Afghane – in der Anklage 29 Jahre alt, sein genaues Alter steht aber nicht fest – wies gestern zurück, eine 19-jährige Arbeitskollegin Ende September 2019 in seiner Wohnung in Grassau vergewaltigt zu haben. Die Nebenklägerin bestätigte jedoch alle Einzelheiten der Anklageschrift. Die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs setzt den Prozess am Freitag, 13. März, um 9 Uhr fort und wird dann entscheiden, wem sie Glauben schenkt – den Beteuerungen des anerkannten Asylbewerbers oder den Angaben der jungen Frau.

Der Angeklagte war 2013 angeblich aus Angst um sein Leben vor den Taliban Richtung Europa geflüchtet. Über München gelangte er 2014 nach Marquartstein. Er fand eine zunächst befristete, dann unbefristete Arbeitsstelle als Monteur. Die Nebenklägerin kannte er seit Antritt seines Jobs. Laut Anklage von Staatsanwältin Pia Hiebl besuchte die Arbeitskollegin den 27-Jährigen am 28. September 2019, dem Tag des Michaelimarkts, mittags in seiner Wohnung. Die beiden unterhielten sich auf der Couch.

Augen mit einem Schal verbunden

Der 27-Jährige soll die Frau plötzlich gepackt und ihre Hände mit einem Schal gefesselt haben. Dann soll er sie auf eine Matratze gedrückt und ihre Augen mit einem Schal verbunden haben. Anschließend soll er sich an ihr gegen ihren Willen sexuell vergangen haben. Die junge Frau versuchte gemäß Anklage vergeblich, sich zu befreien, erlitt dabei Schmerzen, Blutergüsse und Hautverletzungen. Sie schrie um Hilfe und weinte. Die Staatsanwältin ging von „schwerer Vergewaltigung“ und „vorsätzlicher Körperverletzung“ aus.

Der Afghane beteuerte gestern seine Unschuld. Die Vorwürfe stimmten nicht. Er behauptete, die Nebenklägerin habe von Anfang an seine Nähe gesucht. Sie habe die sexuellen Handlungen von ihm verlangt. Der 27-Jährige weiter unter Tränen: „Ich verstehe nicht, warum sie mein Leben zerstört hat. Ich sitze seit fünf Monaten im Gefängnis, bin sechs Jahre in Deutschland. Andere Ausländer machen schlechte Sachen. Ich habe niemals etwas einer Frau mit Gewalt angetan.“ Der Vorsitzende Richter hakte nach, warum ihn die Frau falsch belasten sollte. Das verstehe er selbst nicht, erwiderte der Angeklagte.

Der Sachbearbeiter der Kripo Traunstein berichtete von der Strafanzeige der Frau bei der Polizeiinspektion Prien, der Festnahme des Angeklagten samt Durchsuchung seiner Wohnung sowie der Untersuchung der Frau im Krankenhaus. Die Geschädigte habe sich damals umgehend ihrer Tante anvertraut, die sich beim Frauennotruf erkundigt habe, was man machen solle und anschließend mit ihr zur Polizei gefahren sei.

Eine Psychotherapeutin schilderte schwere psychische Beeinträchtigungen, darunter eine posttraumatische Belastungsstörung, der Nebenklägerin als Folgen der Vergewaltigung. Bei der Vernehmung der 19-Jährigen schloss die Kammer gestern die Öffentlichkeit aus. Die Geschädigte, der Opferanwältin Kirsten Hieble-Fritz aus Bad Aibling zur Seite steht, betonte, sie habe den Angeklagten als „Arbeitskollegen“ geschätzt. Er habe auf sie einen „netten und sympathischen Eindruck“ gemacht. Man habe „über Gott und die Welt“ geredet, sich auch dreimal kurz bei ihm getroffen und fast nur über die Arbeit gesprochen, zuletzt einen Tag vor der Tat.

Dabei habe man überlegt, was man am nächsten Tag, an dem der Michaelimarkt in Grassau stattfand, unternehmen könnte. Gegen Mittag, so die Zeugin, sei sie bei ihm eingetroffen. Er habe keine Anstalten gemacht, irgendwohin zu fahren. „Wie ein Wiesel“ sei er plötzlich bei ihr gewesen, habe gesagt: „Du brauchst keine Angst zu haben, dir passiert nichts.“

Die Nebenklägerin schilderte den angeklagten Sachverhalt gestern in vollem Umfang. Sie habe Angst und Ekel empfunden. Irgendwann habe er ihr die Fesseln abgenommen und nochmals auf seine Militärzeit und entsprechende Methoden, jemand zum Schweigen zu bringen, verwiesen.

Auf Frage des Vorsitzenden Richters unterstrich die weinende, bis heute nicht arbeitsfähige 19-Jährige, der Angeklagte sei für sie „ein guter Freund, sonst nichts“ gewesen. Sie habe nach wie vor enorme Probleme, wolle alles hinter sich lassen, vielleicht eine stationäre Therapie absolvieren. Monika Kretzmer-Diepold

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