Rosenheim – Auf einer Pressekonferenz im Rosenheimer Landratsamt hat Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Rosenheimer Gesundheitsamtes, gestern einen dritten Corona-Fall in Stadt und Landkreis Rosenheim bestätigt. Auch dieser Betroffene sei in Südtirol im Urlaub gewesen. Da laut Hierl bei diesem Infizierten „etwas schwerere Krankheitssymptome“ bestünden, sei der Patient im Klinikum isoliert untergebracht. Zudem habe man 13 Personen ermittelt, die in engerem Kontakt mit ihm gestanden hätten.
„Die Lage gestaltet sich sehr dynamisch“, sagte Hierl. Erst am Sonntag war ein zweiter Fall in der Region bekannt geworden. Dabei handelt es sich um eine Mitarbeiterin des Romed-Klinikums in Rosenheim, die beim Skifahren in Südtirol gewesen ist.
Fünf Patienten
isoliert
Nach Angaben einer Kliniksprecherin befindet sich die Frau, die auf der Chirurgie arbeitet, in häuslicher Quarantäne. Alle Klinik-Mitarbeiter, die engeren Kontakt zur infizierten Kollegin gehabt hätten, seien getestet und vorsorglich nach Hause geschickt worden, teilte die Klinik mit.
Auch auf Patienten der chirurgischen Abteilung des Romed-Klinikums hat die Infektion der Mitarbeiterin Auswirkungen, wie Sprecherin Lauretta Kölbl-Klein gegenüber den OVB-Heimatzeitungen bestätigte: „Insgesamt fünf Patienten sind sicherheitshalber isoliert und in Einzelzimmern untergebracht worden.“
Sonst halten sich die Auswirkungen auf den Klinikbetrieb nach Angaben der Sprecherin aber in Grenzen. So gäbe es „keine nennenswerten Behinderungen im Klinikalltag“. Allerdings habe das Klinikum vorsorglich Sprechstunden und Operationen, die nicht dringlich seien, verschoben. „Wie viele das sein werden, ist zur Zeit nicht absehbar“, so die Romed-Sprecherin.
Wie das Romed-Klinikum insgesamt auf weitere Coronavirus-Fälle vorbereitet ist, dazu nahm Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittmann bei der Pressekonferenz Stellung. So gäbe es grundsätzlich keinen Engpass an Schutzbekleidung und Desinfektionsmitteln: „In den Bereichen, in denen es dringend nötig ist, haben wir alles vorrätig.“ Man gehe außerdem sparsam mit den Ressourcen um.
Aktuell rechnet das Klinikum aufgrund der aktuellen Ausbreitung des Coronavirus nicht mit einer extrem hohen Zahl an Patienten. Momentan könne man die Einzelfälle isolieren. „Das ist für uns Routinegeschäft“, sagte Deerberg-Wittmann. „Wenn das ganze eine Pandemie wird, wird sich die Rolle der Kliniken ändern.“ Bei den Isolationsplätzen sei aber noch „Luft nach oben“.
Erster Kontakt
über das Fenster
Doch nicht nur die Kliniken in der Region setzen sich mit dem Coronavirus auseinander – auch Arztpraxen machen sich über den Erreger Gedanken. Wie beispielsweise die Arztpraxis von Dr. Reiner Bunse in Ostermünchen. So werden dort Routineuntersuchungen abgesagt, Patienten müssen zunächst an ein Fenster klopfen, bevor eine Sprechstundenhilfe abklärt, ob der Patient zum Arzt vorgelassen wird. Vorsichtsmaßnahmen, damit der Arzt für seine Patienten gesund bleibt. Bunse: „Wenn wir schließen, ist hier gar kein Arzt mehr. Was wird dann aus den Notfällen?“ ki/tib/ka/mw