Schulen reagieren auf Corona

von Redaktion

Mehrere Klassen auch heute vom Unterricht befreit

Rosenheim/Bad Aibling – Mehrere Schulklassen im Kreis Rosenheim waren am Montag vom Unterricht befreit. Grund dafür ist das Coronavirus. Die Schulen folgen damit einer Empfehlung des Rosenheimer Schulamtes. An der Luitpold-Grundschule in Bad Aibling sind seit gestern fünf Klassen zu Hause-. Das Schulamt gab am Sonntag bekannt, dass Schüler, die in einem Risikogebiet waren, für 14 Tage ab Rückkehr zu Hause bleiben müssen. Hatten sie Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person oder weisen Symptome auf, bleibt die gesamte Schulklasse für zwei Tage zu Hause.

Faschingsferien in Südtirol verbracht

Auch eine sechste Klasse der Fritz-Schäffer-Mittelschule Ostermünchen muss zu Hause bleiben. Der Grund: Ein Schüler war in den Faschingsferien in Südtirol im Urlaub. Nachdem er bereits eine Woche lang gemeinsam mit seinen Klassenkameraden am Unterricht teilgenommen hatte, kam erst am Freitag die Information des Schulamtes, dass Südtirol nun zu den aktuellen Risikogebieten gehöre.

„Meine Kinder sind jetzt beide zu Hause“, sagt die Mutter. Sie möchte nicht mit Namen in der Öffentlichkeit stehen, denn sie hat Angst: „Dann sind wir die Buhmänner der Nation, weil wir im Urlaub waren und in der ganzen Hysterie keiner wirklich weiß, wie er angesichts des Coronavirus mit einer ganz normalen Erkältung umgehen soll.“

Noch am Ende der Ferien hatte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml die Eltern aufgefordert, ihre Kinder in die Schule zu schicken, wenn sie keine Symptome haben. Nun hat das Ostermünchener Kind Schnupfen bekommen, muss zu Hause bleiben und mit ihm die ganze Klasse. Die Eltern wiederum dürfen trotzdem in die Arbeit gehen, müssen nicht in Quarantäne. Trotzdem ist der Vater bei den Kindern geblieben und versucht, sich im Chaos zurechtzufinden. „Mein Mann telefoniert schon den ganzen Morgen, um zu erfahren, wie es weitergeht“, beschreibt die Mutter die Odyssee durch das Gesundheitssystem. „Angeblich kommt heute oder morgen jemand zu uns nach Hause, um einen Abstrich zu nehmen.“

Wie es allerdings weitergeht mit der medizinischen Betreuung ihrer Kinder, wer Medikamente verschreibt und sie ärztlich versorgt, weiß sie noch nicht. Trotzdem ist die Mutter relativ entspannt: „Mein Kind hat eine ganz einfache Erkältung, wie sie für diese Jahreszeit typisch ist. Aber bei der ganzen Corona-Hysterie sorgt selbst das für ein heilloses Durcheinander.“

Eine weitere Familie aus Bad Aibling, die in den Faschingsferien Urlaub in Südtirol gemacht hat, kehrte anschließend normal in ihren Alltag zurück. Beide Eltern sind Lehrer an Schulen im Kreis Rosenheim. „Vergangene Woche war Südtirol noch keine Risikoregion. Wir haben drei Kinder und alle waren in der Schule, der Kita und wir Eltern ganz normal in der Arbeit“, erzählt die Mutter der Familie, die ebenfalls lieber unerkannt bleiben möchte.

Auf der Homepage der Luitpold-Grundschule lässt sich nachlesen, dass es keinen begründeten Verdachtsfall an der Schule gebe und es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme der Schulleitung handle.

Als Lehrerin müssten Mutter und Vater regulär unterrichten. Denn Erwachsene seien verantwortungsvoller im Umgang mit Hygiene, erklärte Schulamtsleiter Edgar Müller auf Nachfrage. Allerdings haben die Eltern und eines der Kinder seit Samstag einen leichten Schnupfen. „Wir haben beschlossen, uns testen zu lassen“, erzählt die Frau. „Uns geht es gut, wir bleiben entspannt.“

Langes Warten
auf den Test

Am Telefon habe man ihr erklärt, dass es zwei bis drei Tage dauern könne, bis jemand vorbeikomme, um den Test zu machen. Das Ergebnis läge nach zwei bis sieben Tagen vor. Und man müsse sich jederzeit bereithalten – auch nachts. „Die Ärztin kam dann um 2.30 Uhr in der Nacht.“ Mit Schutzkleidung und Atemschutzmaske hat sie alle Familienmitglieder mittels eines Rachenabstrichs getestet. Ob es sich um das Corona-Virus handle oder nur um eine Erkältung, wird die Familie am Dienstagabend erfahren. „Bis dahin bleiben wir alle in Quarantäne zu Hause.“

An der Grund- und Mittelschule Fürstätt bleiben ebenfalls vier Schulklassen zu Hause. Jedoch handle es sich hierbei um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, hieß es auf Nachfrage im Sekretariat. In den betreffenden Klassen seien zwar Schüler, die in Risikogebieten unterwegs waren, allerdings zeige noch keines der Kinder Symptome.

In Rott am Inn ist ebenfalls eine Klasse zu Hause. „Ein Schüler war in einem Risikogebiet und wurde bereits auf das Virus getestet. Es handelt sich aber von unserer Seite um eine reine Vorsorgemaßnahme“, hieß es vonseiten der Schulleitung.

Auch eine weitere Familie aus Bad Aibling ist in Sorge wegen des Coronavirus und hat sich am Montag über Eltern-Whatsapp-Gruppen und die Homepage über den Unterrichtsausfall der Bad Aiblinger Luitpoldschule informiert. Die zweite Klasse, die ihr Sohn besucht, ist nicht von einem Unterrichtsausfall betroffen. „Sicher, ist das eine reine Vorsichtsmaßnahme, aber im Prinzip müssten dann ja alle zu Hause bleiben. Schließlich spielen die Kinder im selben Pausenhof, haben dieselben Lehrer und benutzen dieselben Toiletten. Entweder sollte die Schule für alle offen oder für alle geschlossen sein“, so der Familienvater. Es stelle sich auch die Frage: „Was ist dann mit Geschwisterkindern, die beispielsweise in die Kindergärten gehen, die weiter geöffnet sind?“

Sollten die Maßnahmen ausgeweitet werden, stellt sich für viele Eltern dann auch die Betreuungsfrage. „Zu den Großeltern möchte man sie ja wegen einer eventuellen Infektion auch nicht schicken, um diese nicht einem Gesundheitsrisiko auszusetzen“, sagt der Vater aus Bad Aibling.

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