Rosenheim – Insgesamt gibt es nun fünf bestätigte Erkrankungsfälle mit COVID-19 in Stadt und Landkreis Rosenheim.
Zwei neue Fälle kamen gestern Abend hinzu – mit weitreichenden Folgen für eine ganze Schule: Das Karolinen-Gymnasium Rosenheim, die das positiv getestete Geschwisterpaar besucht, wurde geschlossen. Bis Ende nächster Woche (20. März) wird kein Unterricht stattfinden.
Einzige Ausnahme: Die Schüler des Abitur-Jahrgangs können auf freiwilliger Basis die Vorbereitungen auf die Abiturprüfungen fortsetzen – weil sich deren Räume in einem anderen Gebäudeteil befinden.
Das Geschwisterpaar hatte sich nach Angaben des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim bei einem Aufenthalt in Südtirol angesteckt. Ob sie sich in häuslicher Quarantäne befinden oder im Klinikum Rosenheim, war gestern nicht mehr zu erfahren.
Das Klinikum wieder verlassen konnte „Patient 0“, der erste bestätigte CoronaVirus-Fall aus der Region Rosenheim, ein 55-Jähriger aus dem Landkreis: Er ist inzwischen wieder zurück in häuslicher Quarantäne und muss einzig noch zwei Tests über sich ergehen lassen, um als geheilt entlassen werden zu können, wie das Gesundheitsamt auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen erklärte. Eine weitere infizierte Person mit mildem Krankheitsverlauf ist aktuell ebenfalls in häuslicher Quarantäne untergebracht; eine schwerer erkrankte Person wird derzeit im Klinikum Rosenheim behandelt.
Zudem stehen die Ergebnisse von weiteren Romed-Klinik-Mitarbeitern, die sich im Umfeld einer erkrankten Person befanden, noch aus. Die ersten Tests von Kontaktpersonen waren negativ ausgefallen. Weitere Abstriche waren am Montag erfolgt. „Auf diese Ergebnisse warten wir noch, das dauert inzwischen ein bisschen länger“, so Romed-Sprecherin Lauretta Kölbl-Klein.
Von Entspannung ist man im Gesundheitsamt Rosenheim weit entfernt: Nach Angaben der Behörde befinden sich zum aktuellen Zeitpunkt 38 Personen als Ansteckungsverdächtige in häuslicher Quarantäne (Stand bis Redaktionsschluss). Tendenz: möglicherweise steigend.
Und so findet der Leiter des Gesundheitsamtes Rosenheim, Dr. Wolfgang Hierl, denn auch deutliche Worte: Seiner Einschätzung nach ist die Gefährdungslage in der Region „deutlich erhöht“. Er befürchtet gar, dass Erkrankungen, die mit einer geringen Symptomatik verlaufen, unerkannt bleiben, aber die betroffenen Personen das Virus weiter verbreiten können.
Deshalb auch die mitunter drastisch erscheinenden Maßnahmen der Behörde, wie die Empfehlungen, die Starkbierfeste Rosenheim und Raubling abzusagen. „Ein Starkbierfest ist hier ein großer Risikofaktor“, so Hierl.
Aufgrund der Unsicherheit in der Bevölkerung und der vielen Fragen rund um das neuartige Corona-Virus hat das Landratsamt zudem ein Bürgertelefon eingerichtet. Es ist unter Telefon 08031/392-5555 zu erreichen und steht Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr und am Samstag von 8 bis 12 Uhr zur Verfügung.
Reagieren musste auch die Hochschule Rosenheim: Der Beginn des Sommersemesters wird auf 20. April und damit auf die Zeit nach den Osterferien verschoben.
Währenddessen häufen sich die Absagen von Veranstaltungen. Abgesagt sind unter anderem das für heute geplante Meisterkonzert mit Olga Scheps im Kultur- und Kongresszentrum Rosenheim sowie der „Mitfastenmarkt“ in Prien (22. März). Die Marktgemeinde will kein unnötiges Risiko eingehen.
Ebenfalls gecancelt: das Eisspeedway-WM-Finale von 13. bis 15. März in Inzell; der mittelalterliche Lenz-Markt in Prutting (13. bis 15. März), die Josefi-Feier der CSU Rimsting (13. März); sämtliche Veranstaltungen der CSU Rosenheim-Stadt; eine Veranstaltung der Goethe-Gesellschaft in Rosenheim (11. März) – und viele mehr.
Typisierungsaktion
abgesagt
Schweren Herzens absagen musste zudem die Volksbank-Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee ihre Typisierungsaktion, die sie für einen an Blutkrebs erkrankten Mitarbeiter aus Schnaitsee hatte starten wollen. Der dreifache Familienvater sucht händeringend nach einem Stammzellenspender. Doch die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) cancelte gestern aufgrund des Corona-Risikos sämtliche Hilfsaktionen – neben Rosenheim noch weitere in Schnaitsee und Altötting. Die Bestürzung über die Absage war groß.