Mühldorf/Rosenheim/Traunstein – Mit der Sicherheitslage im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd zeigte sich Kopp sichtlich zufrieden und stellte fest, dass die Menschen in Mühldorf und Umgebung sicherer leben als in anderen Regionen.
Allerdings hat der Landkreis Mühldorf den stärksten Anstieg bei den Straftaten innerhalb des Zuständigkeitsbereichs des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Während 2018 noch 3941 Straftaten gezählt wurden, waren es im vergangenen Jahr 4296. Das bedeutet einen Anstieg um neun Prozent.
Im gesamten Zuständigkeitsbereich wurden im vergangenen Jahr 54768 Straftaten erfasst, was gegenüber dem Vorjahr einen leichten Rückgang von 717 Straftaten beziehungsweise 1,3 Prozent bedeutet. „Das ist der tiefste Wert seit zehn Jahren“, sagte Vizepräsidentin Eva Schichl. Die allgemeine Aufklärungsquote liegt mit 72,2 Prozent nahezu auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr (72,7 Prozent). „Die Bürger können ruhig schlafen, aber die Ganoven sollten sich Sorgen machen.“ Den stärksten Straftatenrückgang unter den neun Landkreisen und der Stadt Rosenheim, die im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums liegen, kann der Landkreis Traunstein verbuchen. Dort sank die Zahl der Straftaten von 5940 im Vorjahr (2018) auf 5491. Im Kreis Rosenheim stieg die Anzahl kaum merkbar um 0,1 Prozent, in der Stadt Rosenheim um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auf den positiven Zahlen im Gesamtbereich des Polizeipräsidiums möchten sich Kopp und seine Kollegen „aber nicht ausruhen“, betonte der Präsident und fügte an, dass das Thema Sicherheit eine „Herzenangelegenheit“ sei.
Ein großes Problem habe im vergangenen Jahr die Gewaltbereitschaft einiger Bürger gegenüber Polizeibeamten dargestellt. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Delikte von 705 auf 770 um rund neun Prozent gestiegen.
Um die Sicherheit der Beamtinnen und Beamten zu verbessern, setze das Polizeipräsidium auf ein möglichst realitätsnahes Training, den flächendeckenden Einsatz von Bodycams und die Präventionsarbeit mit Rettungsdienst und Feuerwehr. Letztere werden ebenfalls immer häufiger Opfer von tätlichen Angriffen und Pöbeleien. Vor allem im Bereich Social Media ließen sich viele Leute erreichen und man könne zeigen, „dass in jeder Uniform auch ein Mensch steckt“.
Den niedrigsten Wert seit Bestehen des Polizeipräsidium Oberbayern Süd gab es 2019 bei den Diebstählen. Auch die Zahl der Wohnungseinbrüche ist um 17 Straftaten und damit um rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr weiter gesunken. Vizepräsidentin Eva Schichl verwies in diesem Zusammenhang auf die hohe psychische Belastung von Opfern, die sich nach einem Einbruch in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr sicher und wohl fühlen. „Unsere Aufklärungserfolge in diesem Bereich sind vor allem der professionellen Arbeit der Schutz- und Kriminalpolizei zu verdanken“, so die Vizepräsidentin.
Weniger erfreulich sind die Entwicklungen im Bereich der Cyber-Kriminalität. „Die Grenzen der analogen und der digitalen Welt verschwimmen zunehmend“, berichtete Präsident Kopp. Der Bereich umfasst unterschiedliche Aspekte wie Computerkriminalität, also unter anderem Datenfälschungen und -manipulation und Ausspähen, Computerbetrug wie Warenkreditbetrug und Betrug mit rechtswidrig erlangten Zahlungskarten mit PIN sowie Straftaten, die mittels Internet begangen werden. Allein im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd stieg die Zahl der Internetbetrügereien auf 1586. Im Vorjahr lag diese noch bei 966. Der dadurch entstandenen wirtschaftliche Schaden liegt allein im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums bei satten 1,7 Millionen Euro.
Callcenterbetrug auf
dem Vormarsch
Der Callcenterbetrug scheint die Polizei ebenfalls verstärkt zu beschäftigen. Denn im Jahr 2019 (1314 Taten) gab es nahezu doppelt so viele Straftaten in diesem Bereich wie im Jahr zuvor (2018: 663). Die Betrüger gehen dabei laut Kopp auf zwei Arten vor: Zum einen mit dem sogenannten Enkeltrick. Die Betrüger rufen überwiegend bei älteren Menschen an und geben sich als deren Verwandte aus. Mittels fadenscheiniger Geschichten über vermeintliche Notlagen versuchen sie dann, den oft hilflosen Senioren Geld aus der Tasche zu ziehen.
Zum anderen geben sich Täter als falsche Polizeibeamte aus und behaupten beispielsweise, dass es in der Nachbarschaft Einbrüche gegeben habe. Anschließend verlangen sie Zugang zu den Bankkonten ihrer Opfer und erbeuten auf diese Weise hohe Geldbeträge. Hier explodierte die Schadenssumme, die 2018 bei 175 000 Euro lag, auf über 1,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Mit dem Enkeltrick erbeuteten die Schwindler über 1,7 Millionen Euro, das doppelte des Vorjahres (2018: 922 955 Euro).
Kinderpornografie
treibt die Zahlen hoch
Es ist die Kinderpornografie, die die Zahl der Sexualdelikte um knapp zehn Prozent steigen ließ. Allerdings liege das laut Kopp daran, dass es im Jahr 2019 mehrere größere Ermittlungsverfahren wegen des Verbreitens von Kinderpornografie in Gruppenchats gab. „Betrachtet man die Kriminalitätsentwicklung der Sexualstraftaten ohne Berücksichtigung der Kinderpornografie, stellt man fest, dass diese von 2018 auf 2019 rückläufig ist (2018: 593 gegenüber 2019: 564)“, erklärt Kopp. Ebenfalls auffällig ist die Diskrepanz bei den politisch motivierten Straftaten: 196 Ermittlungsverfahreren wegen rechtsextremistisch motivierter Taten wurden eingeleitet, die Aufklärungsquote stieg von knapp 40 Prozent auf gut 61 Prozent an. Dem gegenüber wurde 49-mal wegen linksextremistischer Taten ermittelt. Allerdings konnten da nur rund 28,6 Prozent (2018: 22,2 Prozent) der Fälle aufgeklärt werden.