Bad Feilnbach/Au – Große Bestürzung über die Grenzen der Region hinaus: Josef Spann aus Au ist tot. Vier Wochen nach seinem 72. Geburtstag verstarb der Berger Sepp, wie er auch genannt wurde, nach kurzer, schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie.
Ein Landwirt
aus Überzeugung
Sepp Spann – der Name stand Zeit seines Lebens für eine große Leidenschaft: den Wald. Und zwar schon von jungen Jahren an. Behütet in einer Familie mit fünf Kindern in Au aufgewachsen, war klar: Als Ältester übernimmt er einmal den elterlichen Hof. Mit voller Überzeugung, wie er auch einst in der Reportage „Warum ich Bauer bleiben will“ eindrucksvoll bekundete. Doch vor allem zog es ihn in den Wald: „Mit vier Hektar hat er angefangen. Zum Schluss hatte er 15“, sagt sein 358 Tage jüngerer Bruder Balthasar Spann.
„Was den Sepp schon als Kind ausgezeichnet hat: Er hatte 100000 Ideen im Kopf, war mutig, hat sich immer was getraut“, erinnert er sich. So schaffte er es auch, mit den Jagdherren schnell und wie selbstverständlich auf Augenhöhe zu kommen. Zudem wurde er in die Waldbesitzervereinigung Rosenheim aufgenommen, der er später 25 Jahre lang vorstand.
Auch nach dem Sturm Wiebke, der 1990 verheerende Schäden in den Wäldern angerichtet hatte, hat er sich etwas getraut. Die Idee: das Holz an einer zentralen Stelle nass zu lagern – ohne Chemie. „Sie haben es einfach ausprobiert. Es hätte genauso gut schiefgehen können“, sagt sein Bruder. Doch damit konnte tatsächlich das Preistal überwunden werden. Spann und der damalige Vorsitzende der Jägervereinigung Rosenheim, Alois Pan, hoben daraufhin das „Rosenheimer Modell“ aus der Taufe – eine Vereinbarung zwischen Waldbesitzern und Jägern, die das Aufwachsen eines artenreichen Waldes sichern sollte.
Mit seiner aufgeschlossenen Art kam Spann überall gut zurecht. Auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit der er locker plauderte, als er einst einen Weihnachtsbaum zu deren Amtssitz lieferte. Ein gefragter Mann war der in jungen Jahren talentierte Ringer zudem für Führungen durch die Wälder, bei Anfragen aus Gremien und Ministerien und bei Vorträgen. Vom Landwirt wurde er zwischenzeitlich auch noch zum Wirt: Mit Bruder Balthasar erwarb er die lange brachliegende Traditionsgaststätte „Andrelang“ in Au, heute wieder ein Aushängeschild im Dorf. „Bei allem, was er getan hat, hatte er das Riesenglück, dass ihm seine Frau Anna-Maria bei vielen Tätigkeiten daheim am Hof immer den Rücken freigehalten hat“, betont Balthasar Spann.
Denn die Liste seiner Ämter war lang. Spann war zuletzt von 2008 bis 2016 Vorsitzender des Bayerischen Waldbesitzerverbandes (WBV), der die Interessen von rund 160000 Waldbesitzern im Freistaat vertritt. 16 Jahre war er im Präsidium der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, war Mitglied des Obersten Jagdbeirates Bayern, des Beirates der Bayerischen Staatsforsten sowie Vorsitzender des Vereins Bayerische Waldbauernschule. Für seine Verdienste wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Verdienstorden am Bande der Bundesrepublik Deutschland und der Staatsmedaille in Gold. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger würdigte die Verdienste Spanns, der die Forstwirtschaft wesentlich mitgeprägt habe: „Die Nachricht vom Tode von Josef Spann hat mich persönlich schwer getroffen, er war ein geradliniger und aufrichtiger Mensch mit großer Liebe zu unserer bayerischen Heimat, den ich sehr geschätzt habe.“
Hochachtung
vor Lebensleistung
WBV-Präsident Josef Ziegler betont: „Josef Spann hat sich wie kaum ein anderer für die Land- und Forstwirtschaft in Bayern eingesetzt und die bayerische und deutsche Forstwirtschaft entscheidend mitgestaltet.“
Josef Spann hinterlässt eine große Lücke. Um ihn trauern seine Ehefrau, seine fünf Kinder mit ihren Familien und seine Geschwister. Das Requiem findet am Samstag, 14. März, um 10 Uhr in der Kirche in Au statt, anschließend Beerdigung im Kirchenfriedhof.
Eva Lagler