Kolumne

Zwischen Himmel und Erde: Vergebung

von Redaktion

Die englische Stadt Coventry wurde im November 1940 in nur einer Nacht von deutschen Bomben zerstört. Bei den Aufräumarbeiten ließ der Domprobst drei große Zimmermannsnägel, die aus dem Dachstuhl der verbrannten Kathedrale geborgen wurden, zu einem Kreuz zusammensetzen.

Das berühmte „Nagelkreuz“ von Coventry ist heute in der neu erbauten Kathedrale neben der alten Ruine zu sehen und zum Symbol für Frieden und Versöhnung geworden. Nachbildungen davon gibt es mittlerweile in vielen Kirchen und Kathedralen überall auf der ganzen Welt. Vergeben können ist schwer. Fast noch schwerer als die Versöhnung zwischen den Völkern ist aber die Vergebung im eigenen Leben. Es gibt Situationen, da erscheint mir das fast unmöglich. Anderen geht es ebenso. Einer, den das ebenfalls umtreibt, fordert von Jesus eine Antwort. Jesus spricht daraufhin von der Notwendigkeit, „siebenundsiebzig Mal“, also allumfassend, zu vergeben. Er gibt dem Mann damit kein neues Gebot, sondern zeigt ihm einen Weg zu seiner Befreiung: Erst wenn wir jemandem wirklich vergeben, können wir alte Lasten loslassen, finden unseren Frieden und werden frei für ein neues Leben.

Wir machen damit letztlich nicht dem anderen, sondern uns selber ein Geschenk. Kein ganz einfacher Weg, aber dazu gibt es keine Alternative. Der Dichter Karl Heinrich Waggerl sagte einmal: „Wer verurteilt, kann irren. Wer vergibt, irrt nie.“ Das Nagelkreuz von Coventry hat die Form eines großes Pluszeichens und erinnert mich daran, dass dieser Weg zumindest möglich ist.

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