Heilige Schrift lädt zur Suche nach Gott ein

von Redaktion

Wegen der Corona-Krise haben die Gläubigen derzeit keine Möglichkeit, einen Sonntags-Gottesdienst zu besuchen. Die OVB-Heimatzeitungen wollen ihren Leserinnen und Lesern aus diesem Grund während dieser Zeit in der Wochenend-Ausgabe jeweils eine geistliche Kolumne anbieten. Den Anfang als Autor macht Pfarrer Hans Huber aus dem Pfarrverband Oberes Inntal.

„Wenn Gott nicht mehr gelobt werden darf, wird die Angst übergroß.“ An diesen Satz der evangelischen Theologin Dorothee Sölle dachte ich spontan, als die ersten Chorproben, Konzerte und schließlich alle Gottesdienste abgesagt werden mussten, um die Ansteckungsgefahr mit dem sogenannten Coronavirus zu verringern. Inzwischen hat sich herausgestellt, wie überlebensnotwendig es ist, dass alle, die nicht andere versorgen, pflegen oder schützen müssen, möglichst daheim bleiben.

Wie aber da die Angst bestehen, die einen beschleicht, wenn der eingespielte Tagesablauf und das selbstverständliche Miteinander mit Kindern, Enkelkindern oder Freunden fehlen? Wie damit umgehen, dass uns weder Medizin noch Wissenschaft wirksam schützen können?

Die Heilige Schrift lädt ein, Gott zu suchen und auf seine helfende und die Angst heilende Nähe zu setzen. Der Weg dahin ist freilich alles andere als leicht. Das 9. Kapitel des Johannesevangeliums, das am 4. Fastensonntag im katholischen Gottesdienst verkündet wird, erzählt, wie ein Blindgeborener durch viele Widerstände und Zweifel hindurch schließlich Jesus als Sohn Gottes, als den Retter und Helfer erkennt und anbetet.

Dabei ist Blindheit mehr als das fehlende Augenlicht. Blindheit ist da ein Bildvergleich mit dem Unglauben eines Menschen oder eines ganzen Volkes: Blinde sind da in sich gefangen, sehen nicht die ganze Wirklichkeit und sehen sich oft buchstäblich nicht mehr hinaus. Sie drohen, alle Hoffnung zu verlieren. Die Heilige Schrift erzählt von Blinden aber auch immer in der Hinsicht, dass sie sehen wollen, geheilt werden wollen oder geheilt werden und zum Glauben an Jesus finden.

Der Blindgeborene im Johannesevangelium stößt mit seinem Wunsch, geheilt zu werden und glauben zu können, auf viele Widerstände und Zweifel: die Jünger Jesu sind in ihren Vorstellungen gefangen und fragen, wer schuld ist an seiner Blindheit. Die Schuldfrage ist wichtig. Sie muss aber immer weiter und nach vorne führen und zu Schritten finden, die durch die Krise und aus der Schwierigkeit helfen. Die Eltern des Blindgeborenen verstellen sich und geben an, dass sie nicht wissen, wer ihren Sohn geheilt hat. Nur der Blinde selbst stellt sich auf Jesus ein, lässt sich die Heilung gefallen und fragt so lange weiter, bis er zu einem tiefen und überzeugten „Ich glaube, Herr“ findet.

Ich lade alle, die in diesen Tagen mehr Zeit haben als sonst, sich zu fragen, wer einem selber Halt und Hoffnung gibt. Sagen Sie es den Betreffenden oder schreiben Sie es ihnen. Sehe ich, wie die Sehenden in der Heiligen Schrift, die Not und die Schutzbedürftigkeit des Nächsten als das Wichtigste und handle ich entsprechend? Trau ich mich beim Kochen, im Keller, unter der Dusche oder in der Werkstatt das Lob- oder Klagelied, das ich kenne, zu summen, zu singen oder mit einem Instrument zu spielen? Die Kirchenglocken, die jeden Morgen, Mittag und Abend läuten, laden dazu ein, es in innerer Verbundenheit mit Menschen auf der nahen und fernen Welt zu tun. Selber mach ich es einmal am Tag in einer der tagsüber offenen und doch leeren Kirchen unseres Pfarrverbandes.“

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