Einer trage des anderen Last

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Als in Japan nach einem Erdbeben das Atomkraftwerk Fukushima zerstört wurde, ging ein Foto um die Welt, das mich sehr bewegt hat: Man sieht auf dem Bild etwa ein Dutzend älterer Männer, die mit einem Lunchpaket in der Hand in einer Reihe vor den Toren des Kraftwerks stehen.

Der Reporter erklärte, die alten Männer hätten sich bereit erklärt, anstelle von jüngeren Arbeitern zu treten, die im Inneren verzweifelt versuchten, die Strahlenverseuchung der Anlage in Grenzen zu halten; wohl wissentlich, dass die Arbeit im Reaktor den sicheren Tod bedeutet.

Das wussten auch die Alten. Einer der Organisatoren der Gruppe meinte aber, es gehe jetzt darum, das Leben der Jüngeren zu retten. Insgesamt stellten sich mehr als fünfhundert Senioren freiwillig zur Verfügung.

Das Foto der alten Männer, die freiwillig für die Jüngeren in den Tod gegangen sind, ist mir dieser Tage wieder in den Sinn gekommen. In der aktuellen Situation der Bedrohung durch das Coronavirus ist es wichtig, jetzt vor allem für unsere älteren Menschen Sorge zu tragen. Wir müssen dazu nicht mit einer letzten Brotzeit in ein verstrahltes Atomkraftwerk, sondern uns für eine Zeit einschränken und auf der Couch zu Hause bleiben.

Das sollte möglich sein, um damit auch denen zu helfen, die an vorderster Front um das Leben der Kranken kämpfen. Der alte biblische Grundsatz „Einer trage des anderen Last“ gilt zuallererst für die Generationen untereinander. Vielleicht können wir das von den alten Männern vor dem Kraftwerk Fukushima lernen.

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