Rosenheim – Rosenheim und die Region machen den Laden dicht – offenbar klaglos: Es gebe kaum Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen, meldet die Polizei. Mit einer offenbar als Witz gemeinten Ausnahme, die teuer kommen dürfte. Dann war da noch der junge Mann aus dem Landkreis Rosenheim, der in sozialen Netzwerken postete, dass er auf eine Corona-Party gehen wolle, und der gleich die Einladung dazu teilte.
Vermutlich die ersten, die der Einladung folgten, waren die Beamten eines Streifenwagens, die den Mann zur Rede stellten. Er habe nur „provozieren“ wollen, sagte der zur Begründung. Eine Schnapsidee, die ihn teuer zu stehen kommt: Der soziale Kontakt mit der Polizei geht auf seine Kosten, „eine drei- bis vierstellige Summe“ könne das letztlich ausmachen, sagt Carolin Hohensinn vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim. „Es geht schließlich nicht, dass wegen so etwas Kräfte gebunden werden.“
Insgesamt zieht die Polizei nach den ersten Tagen der Ausgangsbeschränkung eine positive Bilanz. Anders als etwa in München, wo ein Mann ein Video in den sozialen Netzwerken teilte, das ihn zeigte, wie er den Handlauf einer Rolltreppe und einen Fahrkartenautomaten ableckte. Oder wo Polizisten auf Streife absichtlich angehustet worden sein sollen. „Wir stellen fest, dass die Menschen in Rosenheim und Umgebung vielleicht verunsichert oder gar beunruhigt sind, aber insgesamt Verständnis für die Beschränkungen haben“, sagt die Polizeisprecherin.
In Zeiten solcher Krisen achten die Menschen mehr denn je auf ihre Mitbürger. Manchmal wird die Polizei also extra geholt. „Ja, es rufen schon Menschen an, die gesehen haben, dass auf einem Spielplatz was los ist, oder dass da fünf Menschen zusammenstehen“, sagt Hohensinn.
Sechs Kontrollen
an zwei Tagen
In Rosenheim gab’s wenig Anlass für die Polizei: Sechs Kontrollen an zwei Tagen – das war’s beispielsweise für die Polizeiinspektion Rosenheim. Zum Vergleich: Im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums, das von Weilheim bis Berchtesgaden reicht, führten die Beamten rund 5000 Kontrollen durch, rund 80-mal setzte es eine Anzeige – hauptsächlich wegen Missachtung der Beschränkungen. Wie hoch die Strafen ausfallen werden, dazu konnten die Behörden noch keine Angaben machen. „Das bayerische Gesundheitsministerium erstellt derzeit in Abstimmung mit der Bayerischen Polizei einen Bußgeldkatalog für Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkung“, teilte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit.
„Im südlichen Oberbayern haben die erlassenen Ausgangsbeschränkungen eine hohe Akzeptanz“, sagt dennoch der Rosenheimer Polizeipräsident Robert Kopp, die Allermeisten beachteten sie „vorbildlich“.
Insgesamt 2500 Beamte arbeiten fürs Präsidium, manche mit Wohnsitz in Tirol oder Salzburg. Zumindest Kontakt mit Coronavirus-Infizierten wird sich da kaum ausschließen lassen. Über Zahlen aber gibt die Polizei keine Auskunft, man beruft sich auf den Datenschutz. Die Kollegen seien im Übrigen sensibilisiert, hielten die Hygieneregeln ein, hielten Abstand soweit möglich, gingen aber, sobald nötig, mit Einmalhandschuhen vor. Man sorge vor, „wir sind gerüstet, und wir wollen das bleiben“, sagt Hohensinn.
Anrufflut macht Beamten zu schaffen
Was den Beamten mitunter mehr zu schaffen machen scheint: eine Flut von Anrufen. „Nichts Ungewöhnliches, eher Fragen, ob man noch auf die Straße rausgehen oder mit wie vielen Menschen man sich noch treffen darf“, sagt Hohensinn. Aber eben für solche Auskünfte könne man woanders nachschauen oder -fragen, dazu dürfe man nicht die Leitungen verstopfen, über die wichtigere Anrufe gehen sollen: „Wenn ein echter Notfall da ist, dann soll man ganz klar die Nummer 110 wählen.“
Ob es so ruhig bleibt? Die Polizei sorgt schon mal vor und sucht falsche Nachrichten und Verschwörungstheorien zu wiederlegen. Etwa, dass die Ausgangsbeschränkungen dazu dienten, Flüchtlinge unbemerkt einzuschleusen. Oder dass Bayern von Helikoptern aus mit Desinfektionsmitteln besprüht werde. Alles Quatsch, heißt es vonseiten der Polizei.
Als Ausgleich
in die Natur
Ansonsten verhielten sich die Bürger ruhig. Auch bei der häuslichen Gewalt sei keine Zunahme erkennbar, sagt Hohensinn, „vielleicht rücken die Familien ja gerade in einem guten Sinne enger zusammen“. Vielleicht nutzen die Menschen aber auch bewusster das, was als Ventil geblieben ist. „Vereinssport geht gerade nicht“, sagt Carolin Hohensinn. „Ich geh joggen, allein, raus in die Natur. Ich brauche das als Ausgleich.“ Martin Weiser