Weg mit dem (Corona-)Speck

von Redaktion

Fitnessstudios helfen sich und den Bürgern in der Krise mit Onlinekursen

Rosenheim – Für viele Menschen ist der tägliche Gang ins Fitnessstudio oder zur Physiotherapie unumgänglich. Im Zuge der Corona-Krise mussten jedoch alle Studios ihre Pforten schließen. Viele behelfen sich mit einem Angebot an Onlinekursen und Physiotherapieangeboten für Notfälle.

„Wir sind stolz darauf und freuen uns sehr darüber“, sagt Jessica von Bredow-Werndl vom Quest Club in Kolbermoor über das Angebot an elektronischen Kursen. „Wir bringen das Fitnessstudio nach Hause. Jeden Tag gibt es mindestens vier Kurse, beginnend mit Yoga um 10 Uhr.“ Über Facebook und Instagram gibt es einen Livestream. Diesen können laut von Bredow-Werndl nicht nur Mitglieder kostenlos nutzen, sondern jeder, der Lust hat. „Wir wollen in Zeiten wie diesen etwas für die Gemeinschaft tun. Dadurch, dass das Angebot live ist, hat die ganze Sache auch einen Charakter von Verbundenheit“, betont sie.

Verluste durch
hohe Fixkosten

Gerade jetzt sei es wahnsinnig wichtig, sich zu bewegen und vor allem gesund zu bleiben. „Außerdem werden beim Sport viele Endorphine freigesetzt, die für das Wohlbefinden und das Glücklichsein so existenziell sind. Athleten brauchen das einfach.“

Live übertragene Kurse spielen auch im Sportpark Fit & Fun in Wasserburg eine große Rolle. „Wir haben den Stundenplan auf unsere Webseite gestellt und streamen täglich. Die Kurse sind für alle zugänglich“, sagt Geschäftsführer Hans Enzinger. Der Physiobereich bleibe weiterhin für Notfälle geöffnet, doch die Rehasportstunden fallen momentan weg. Enzingers Firma gibt es schon seit 1979. „Wir haben seitdem schon einiges durchgestanden. Aber es wird schwer werden. Durch die hohen Fixkosten entsteht jetzt eine große Verlustzone“, sagt der Geschäftsführer.

In Stephanskirchen wurde die Besetzung des Mediana Fitnessstudios auf ein Minimum reduziert und Kurzarbeit beantragt. „Der Trainingsbereich ist geschlossen und ansonsten ist nur ein Physiotherapeut und einer auf Reserve da“, erklärt Chef Hans-Peter Huber. „Wir haben alle nicht dringenden Termine verschoben und das mit den Patienten telefonisch abgeklärt. Es werden nur noch Menschen mit akuter Behandlungsbedürftigkeit versorgt.“

Als Zentrum für Physiotherapie und Fitness hätten sie einen Versorgungsauftrag für die Bevölkerung, betont Huber. „Normalerweise machen wir auch viele Hausbesuche für Patienten, die auf Therapie angewiesen sind. Das kann jetzt aber auch nicht stattfinden, da viele von ihnen zur Corona-Risikogruppe gehören.“ Um den Mitgliedern doch noch eine Art Training anbieten zu können, wurden auf Facebook Videos mit Demonstrationen gestellt. „Damit sich die Leute daheim fit halten können.“

Ähnlich läuft es im Activa Medici in Prien am Chiemsee. Auch dort wurde Kurzarbeit angemeldet und das Trainingsangebot auf Onlineplattformen verlagert. Von den 17 Physiotherapeuten ist täglich nur noch einer da, um dringende Fälle zu behandeln. „Zwei bis drei Monate können wir das durchhalten, so viele Rücklagen haben wir. Aber irgendwann wird es auch kritisch“, sagt Claudia Fischer, Vorstand des Activa Medici.

Im Rosenheimer Studio 37 Grad Celsius ist Inhaber Michael Steinkohl derselben Meinung wie in Prien. „Über 50 Prozent des Umsatzes kommt über Veranstaltungen, Personal-Trainings und externe Buchungen herein. Das ist jetzt erst einmal alles ausgesetzt. Diese Situation kann irgendwann schon existenzbedrohend sein“, meint Steinkohl. Er betont aber auch, dass Mitarbeiter und Kunden an einem Strang ziehen. „Wir haben eine sehr persönliche und freundliche Bindung zu unseren Mitgliedern. Die Resonanz auf die Kurse, die über Youtube live gestreamt werden, ist sehr positiv.“

Michael Rauscher, Geschäftsführer des Robinson Wellfit Clubs in Rosenheim, hält die Gesundheit für die „Basis von allem“. Deswegen arbeiten seine Mitarbeiter auch jetzt auf Hochtouren. „Sie betreuen Kunden online und telefonisch, filmen beinahe 80 Trainingsübungen ab, machen Überstunden. Die sind alle motiviert“, sagt Rauscher stolz. Im Moment müsse er noch keine Kurzarbeit beantragen, aber die mögliche Ergreifung dieser Maßnahme hänge auch von der weiteren Entwicklung ab.

„Wir wollen die Menschen ermuntern, ein bisschen etwas zu tun und sich zu stärken. Deshalb bieten wir ein kostenfreies Immuncoaching auch für Nicht-Mitglieder an. Da gibt es online eine Gesundheitsüberprüfung und anschließend telefonische Beratung“, erklärt der Geschäftsführer.

Er denkt auch über den eigenen Tellerrand hinaus: „Diese System mit dem Immun- und Gesundheitscheck könnten auch andere Fitnessstudios übernehmen.“

Mit dem Motto „Wir kapseln uns von allem ab, was jammert“, wird im Mrs. Sporty Club mit der CoronaKrise verfahren. „Wir wollen nicht negativ, sondern positiv denken!“, macht Inhaberin Jasmin Heptaygun deutlich.

Im Bad Aiblinger Studio habe man sich relativ schnell auf online umgestellt. „Wir sind kein konventionelles Fitnessstudio. Bei uns gibt es nicht so viele Mitglieder, dafür aber eine sehr enge, persönliche Betreuung.“ Dieses enge Verhältnis laufe jetzt einfach online weiter. Es gibt Ernährungschecks, Trainingspläne und Livestreams.

Stative mit Smartphones

„Der Club ist umfunktioniert worden. Überall sind Stative mit Smartphones aufgebaut, Rechner gewährleisten die Übertragung“, erläutert Heptaygun.

Aus der ganzen Situation zieht sie auch etwas Positives. „Wir erweitern unseren Horizont, entwickeln uns weiter. Das sieht man daran, was wir momentan auf die Beine stellen. Und das Wichtigste: Wir lachen und haben immer noch Spaß!“

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