Rosenheim – Jedem dürfte inzwischen bekannt sein, dass Mannschaftssport, Kontaktsportarten und Sport in begrenzten Räumen und Hallen ein erhöhtes Risiko bergen, mit dem COVID-19-Erreger in Kontakt zu treten und zu erkranken. Fest in unserem Bewusstsein verankert ist auch die Tatsache, dass Sport gesund ist und uns sogar vor Krankheiten schützt.
Was viele Sportler aber nicht wissen, dieser Schutz hängt von der Dosierung des Trainings ab. Betrachtet man beispielsweise das Risiko, an Atemwegsinfektionen zu erkranken, so belegen zahlreiche Studien im Vergleich von Nicht-Sportlern und Sportlern, dass bei einem mittleren Risiko für Inaktive moderat Trainierende ein geringes, intensiv Trainierende ein hohes Risiko haben, an einer Atemwegsinfektion zu erkranken.
Das gilt für Laien genauso wie für Profis. Die Ursache liegt darin begründet, dass unmittelbar nach einem hochintensiven Training im Ausdauer- und Kraftbereich für 24 Stunden ein Immunloch (Open-Window-Effekt) einsetzt, das sich am deutlichsten bei den Immunzellen (Killerzellen, T-Lymphozyten) zeigt. Aggressive Keime, beispielsweise Viren, können dadurch leichter in den Körper eindringen. Bei einem niedrig dosierten, moderaten Training findet sich dieses Phänomen nicht. Im Gegenteil, es wirkt sogar gesundheitsstabilisierend.
Übertragen auf die gegenwärtige Coronavirus-Exposition bedeutet dies: Ein moderates Training ist zu bevorzugen, ein hochintensives zu vermeiden.
Moderat heißt beispielsweise ruhige Ausdauerbelastungen (Rad, Lauf) im Pulsbereich um 180 minus Lebensalter, Kraftausdauer im Wiederholungsbereich von 20 bis 30 Wattstunden (WH). Intensiv heißt beispielsweise harte Rad- oder Laufbelastung über Puls 200 minus Lebensalter, Maximalkraft, „Burnout“ Hypertrophietraining. Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination sind kein Problem. Eine belastungsadäquate Ernährung und Beachtung der Rahmenbedingungen sind wichtige Voraussetzungen. Bleibt gesund!
*Zum Autor: Dr. Ludwig V. Geiger aus Nußdorf gilt unter anderem als renommierter Sportmediziner, der beispielsweise 17 Jahre lang als Mannschaftsarzt des Deutschen Skiverbandes aktiv war. So begleitete er die Athleten bei über 100 Weltcup-Veranstaltungen, zwölf Weltmeisterschaften und vier Olympischen Spielen.