Was für eine seltsame Zeit! Straßen, Cafés, Sportstätten – alles leer gefegt. Niemand hat je zuvor eine solche Situation erlebt. Isolation als Waffe gegen das Virus – obgleich richtig, ist es doch auch unmenschlich.
Augen zu und durch – so könnte das Motto jetzt lauten. Und hoffen, dass alles so schnell wie möglich wieder vorbei ist.
Solch ein Motto wäre allerdings fatal. Denn: was mache ich, wenn das Einfrieren des öffentlichen Lebens noch länger dauert? Explodiert dann irgendwann der in den eigenen vier Wänden aufgestaute Dampf? Außerdem hätte ich die Chance vertan, mich selber zu fragen, was diese Situation mit mir macht.
Wie gehe ich damit um, dass mir alle Pläne für die kommenden Wochen und Monate aus der Hand geschlagen werden? Wie gehe ich um mit der Bedrohung meiner Existenz, ja meines Lebens?
Suche ich nach den Schuldigen? So wie die wie Pilze aus dem Boden schießenden Verschwörungstheoretiker? Und was hätte ich am Ende davon? Würde es mir besser gehen? Oder suche ich danach, was mir Halt gibt in unsicheren Zeiten? Für mich wäre das eine gute Alternative. Denn die große Verunsicherung dieser Tage legt eigentlich nur die grundsätzliche Unsicherheit des Lebens offen. Wir hätten so gerne mehr Sicherheit und wir ergreifen auch gerne jede Illusion davon. Aber in Wirklichkeit kann sich mein Leben immer schon im nächsten Moment vollständig ändern.
Wo finde ich Halt? Ich finde Halt im Glauben. Denn ich glaube, dass ich nie wirklich alleine bin. Gott ist da und ich bin in Verbindung mit ihm, wann immer ich an ihn denke. Und Gott gibt mir, wie Dietrich Bonhoeffer es formulierte, so viel Widerstandskraft, wie ich brauche. Aber er gibt sie mir nicht im Voraus. Damit ich mich nicht auf mich selber, sondern allein auf ihn verlasse.
Je mehr wir gezwungen sind, in den eigenen vier Wänden zu bleiben, desto mehr wächst die Notwendigkeit, der Verlockung vermeintlicher Sicherheit nicht zu verfallen. So dringend wie wir Medikamente und Impfstoffe gegen das Virus brauchen, so dringend brauchen wir auch Arznei für die Seele.
Die gute Nachricht: Diese Arznei gibt es schon und sie ist nicht ausverkauft. Sie trägt den Namen „Gottvertrauen“ und ist rezeptfrei und kostenlos zu haben.
* Wegen der Corona-Krise haben die Gläubigen derzeit keine Möglichkeit, einen Sonntags-Gottesdienst zu besuchen. Die OVB-Heimatzeitungen wollen ihren Leserinnen und Lesern aus diesem Grund während dieser Zeit in der Wochenendausgabe jeweils eine geistliche Kolumne anbieten. Der heutige Autor ist Karl Friedrich Wackerbarth, evangelischer Pfarrer in Prien.