Bad Feilnbach/Nußdorf – Sie mögen und schätzen ihre Gäste sehr, Markus und Tanja Millauer von der Tregler Alm oberhalb von Bad Feilnbach. Doch jetzt, am zweiten Wochenende seit der Einführung der Ausgangsbeschränkung, platzte der Wirtin der Kragen: „Was ist eigentlich los mit euch? Schönes Wetter und ihr strömt in die Berge, als wäre keine eingeschränkte Ausgangssperre und kein Virus. Ganz ehrlich – euer egoistisches Verhalten sorgt dafür, dass es irgendwann zur Ausgangssperre kommt und sich diese Situation noch länger hinzieht.“
Damit machte sie sich Luft auf Facebook, nachdem auf der Alm Zustände herrschten, wie zu Zeiten vor der Beschränkung. „Wir haben seit Freitag vor einer Woche zu. Doch die Leute stürmen auf den Berg rauf. Die zusammengeklappten Bierbänke waren einfach wieder aufgestellt worden. Wir müssen sie jetzt alle festzurren, anders geht es nicht“, so die Wirtin, die mit ihrem Beitrag eine riesige Diskussion in den sozialen Medien lostrat.
Viel Zustimmung gab es, aber auch Kritik. Tanja Millauer stellt klar: „Wir reden nicht davon, dass es verboten ist, spazieren zu gehen oder sich an der frischen Luft zu bewegen. Wir reden von den Massen, die momentan Bad Feilnbach, Tegernsee, Samerberg und viele andere beliebte Ausflugsziele ansteuern.“ Eine Erfahrung, die auch die Polizei bestätigt: „Als gäbe es keine Corona-Krise“ – so schildert eine Sprecherin die Zustände an diversen Almen in der Region als „zum Teil schockierend“. Zwar habe sich der überwiegende Teil der Wanderer und Skitourengeher an die geltenden Beschränkungen gehalten und sei – erkennbar auch vom Hubschrauber aus – allein oder zu zweit unterwegs gewesen. Doch seien an den Almen, etwa auch am Heuberg, viele Menschen unbeschwert eng beisammengesessen. Die Polizei gehe allen Meldungen so gut es gehe nach, kontrolliere und dränge darauf, dass die Regeln eingehalten werden.
Das ist auch der dringende Appell von Tanja Millauer. „Die Beschränkungen gehen jetzt bis 20. April. Könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, vier Wochen keinen Umsatz machen zu können, Brautpaare nicht wissen, ob die Hochzeit wie geplant stattfinden kann und Hotels im Frühjahr, wo alles wieder losgeht, leer stehen? Versetzt euch mal in diese Lage“, bittet sie.
Man verstehe durchaus, „dass manche einen Tapetenwechsel brauchen“. Aber im Augenblick sei nun mal keine „normale“ Zeit. „Was jetzt hilft, ist zamhoitn und Rücksicht. Wenn jeder, der hier diskutiert, bei seinem Lieblingswirt, seinem Lieblingsfriseur, seinem Lieblingskleidergeschäft einen Gutschein kaufen würde, wäre es nach dieser Zeit auch noch euer Lieblingsgeschäft.“ Eva Lagler