Rosenheim – Die Region Rosenheim als „Corona-Hotspot“, die Zahl der Infizierten ist überdurchschnittlich hoch – damit stellt sich nun auch die Frage nach dem Warum. Dazu gibt es vor allem Vermutungen. Zum einen, auch das hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder angesprochen, kann es an der Nähe unserer Region zu Tirol und Italien liegen. Der Skitourismus im Dreiländereck gilt als ausgeprägt. Vor allem in den Faschingsferien und in der Woche danach waren viele Menschen nach Österreich und Südtirol aufgebrochen. Heute gilt vor allem der Tiroler Skiort Ischgl als ein Ausgangspunkt für die Verbreitung des Coronavirus.
Ebenfalls als Ort mit hohem Ansteckungsrisiko gilt bei manchen das Rosenheimer Starkbierfest. Nach Informationen unserer Zeitung habe auch Ministerpräsident Söder die Vermutung geäußert, dass die Veranstaltung in diesem Zusammenhang eine Rolle spielte.
Ordnungsamt nimmt Empfehlung nicht an
Wie berichtet, hatte das Starkbierfest am 6. März wie geplant begonnen, war dann aber am 9. März auf Eigeninitiative des Veranstalters, der Auerbräu GmbH, abgebrochen worden. Zwar hatte das Gesundheitsamt eine Absage empfohlen, das Ordnungsamt der Stadt diese Empfehlung aber nicht angenommen, mit dem Hinweis, das Amt habe nicht formuliert, dass eine Absage zwingend erforderlich sei.
Aus heutiger Sicht hätte man sicherlich anders entschieden, melden dazu die Auerbräu GmbH und Festwirt Andreas Schmidt. Damals aber habe es im Landkreis einen einzigen Infizierten gegeben. Außerdem habe man für Hygienemaßnahmen gesorgt. „Es war nicht leichtfertig. Wir haben gedacht, wir tun das Richtige und haben viele Gespräche mit den Behörden geführt“, sagt Schmidt. Von rund 100 Mitarbeitern sei bisher keiner erkrankt oder positiv auf Covid-19 getestet. Auch von Gästen gebe es keinerlei Rückmeldung auf eine Ansteckung nach dem Besuch des Starkbierfestes.
Ob es tatsächlich eine Verbindung gibt zwischen Veranstaltungen wie Starkbierfesten und einer hohen Zahl an Infizierten, lässt sich nicht abschließend belegen. So meldet das Robert-Koch-Institut auf Platz eins der besonders betroffenen Landkreise Tirschenreuth. Dort gab es auch ein derartiges Fest. Der Landkreis Rosenheim liegt auf Platz zwei. Auf Platz drei findet sich der Landkreis Miesbach, in dem es kein Starkbierfest gibt. Stadt und Kreis Rosenheim teilen zum Thema unisono mit: Man werde sich nicht „an Spekulationen zum Verlauf der Infizierungen beteiligen“. Ilsabe WEinfurtner