Rosenheim – Die Lage ist ernst. Sehr ernst sogar. Das bekräftigte der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, Dr. Wolfgang Hierl, gestern in seinem Lagebericht, der – aus Sicherheitsgründen – per Telefonkonferenz erfolgte.
Der Stand in Sachen Corona-Pandemie in Zahlen: 1033 bestätigte Covid-19-Erkrankte (32 auf Intensiv); mehrere Tausend von den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes ermittelte Kontaktpersonen, die zur 14-tägigen Quarantäne verdonnert wurden; 57 (amtlich gemeldete) Genesene.
Des Weiteren sind 17 Todesfälle in Stadt und Landkreis in Zusammenhang mit dem Coronavirus inzwischen zu beklagen (Stand 31. März, 24 Uhr). Zu Alter und Herkunft, aus welchen Teilen des Landkreises die Verstorbenen stammen, will sich das Landratsamt um dessen Sprecher Michael Fischer, auch auf Nachfrage unserer Zeitung, ausdrücklich nicht äußern.
Denn: Es gibt offenbar im Landkreis Gebiete, die stärker betroffen sind als andere. Das bestätigt der Leiter des Gesundheitsamtes. Doch auch hier will die Behörde keine Details nennen. Informationen unserer Zeitung zufolge soll es sich bei den regionalen „Hotspots“ unter anderem um Bad Feilnbach, Nußdorf und Griesstätt handeln. Dort sollen überdurchschnittlich viele Bürger infiziert sein. Die Stadt Rosenheim ist verglichen mit dem Umland weniger stark betroffen (128 Infizierte; 1. April 10 Uhr). Warum das? Dafür hat Dr. Hierl keine Erklärung. Das müsse im Nachgang aufgearbeitet werden.
Die Ursache, weshalb sich der Raum Rosenheim – ebenso wie der Nachbarlandkreis Miesbach –, zum „Hotspot“ mit überaus vielen Infizierten entwickelt hat, sieht der Amtsleiter insbesondere im Skitourismus. „Der Import erfolgte in erster Linie über die Skifahrer, vor allem durch die Faschingsferien mit den Rückkehrern aus Tirol und Südtirol.“ Anhaltspunkte, dass auch das Starkbierfest in Rosenheim sein Übriges dazu beigetragen haben könnte, gibt es nach den Worten des Amtsleiters nicht. „Das wäre rein hypothetisch.“
Einen weiteren Grund für die vergleichsweise hohen Fallzahlen im Raum Rosenheim sieht Hierl in den vielen Tests, die bis dato durchgeführt wurden. „Wir haben seit Wochen 30 bis 60 Tests am Tag und damit eine große Anzahl an Testungen, die uns einen relativ guten Einblick in die Situation erlaubt“, erklärt er. Hinzu kommt das Testzentrum auf der Loretowiese mit insgesamt bereits an die 400 durchgeführten Tests. Natürlich gebe es eine gewisse Dunkelziffer, weiß Hierl, aber: „Ich traue mich zu sagen, dass sie geringer ist als in anderen Regionen. Die Realität wird bei uns sehr gut abgebildet.“
Als absolut wichtigen und richtigen Schritt bewertet Hierl die Ausgangsbeschränkungen. Und was er von der Exit-Debatte hält? Rein gar nichts, betont er, ganz im Gegenteil: Man dürfe jetzt nur nicht nachlassen.
Einblick in die Lage an den Romed-Kliniken mit Standorten in Rosenheim, Wasserburg und Prien gab deren Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Rosenheim (aktuell 105 Patienten) und Wasserburg (35), wo die Betroffenen primär aufgenommen würden; Bad Aibling (24) folge nachgeordnet; Prien (3) wolle man möglichst Covid-19-frei halten. In Rosenheim wurde eigens das Bettenhaus 6 als Corona-Station freigemacht mit Platz für 200 Patienten, etwa 90 Betten sind belegt.
Intensivbetten
werden knapp
Weitaus knapper die Beatmungsplätze: „erstklassige“ Intensivbetten (mit Monitoren und Überwachung) hat der Klinikverbund 39. 23 sind aktuell belegt. Des Weiteren könne man etwa 20 Plätze mit Narkosegeräten betreiben. Und es stünden 15 Heimbeatmungsgeräte zur Verfügung – „zur langfristigen Beatmung aber keine gute Lösung.“ Die Kapazitätsgrenze sieht Deerberg-Wittram noch nicht erreicht. Und falls doch, setzt er auf Umverteilung der Patienten in weniger betroffene Regionen. „Triage ist für uns kein Thema, wir haben keine Verhältnisse wie in Italien.“