Corona schlägt mit voller Wucht zu

von Redaktion

41 Heimbewohner in Bad Feilnbach verlegt – Mitarbeiter in Quarantäne

Bad Feilnbach – Mit voller Wucht traf das Coronavirus das Bad Feilnbacher Senioren- und Pflegeheim St. Lukas. 31 Bewohner sind nachweislich mit dem Erreger infiziert. Die Leitung der Einrichtung und zahlreiche Mitarbeiter befinden sich in Quarantäne. Auch sie hatten sich nach Angaben des Landratsamtes Rosenheim mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt.

Die Heimaufsicht des Landkreises hatte gestern die Verlegung von insgesamt 41 Bewohnern (noch sind nicht alle abschließend getestet) angeordnet, weil die Versorgung nicht mehr in der Form sichergestellt werden konnte, wie es notwendig wäre. „Die Verlegung ist eine Schutzmaßnahme für die Bewohner“, betonte ein Sprecher der Behörde. „Von der Schwere der Fälle sind alle Bandbreiten dabei, bis hin zu Schwererkrankten. Es wurde inzwischen die ganze Einrichtung evakuiert“, sagte Bettina Bauer, Leiterin der Führungsgruppe Katastrophenschutz.

25 Krankenwagen
auf Apfelmarkt-Wiese

Die aufsehenerregende Aktion in der 7000-Seelen-Gemeinde lief gestern in den Morgenstunden an. Auf der Apfelmarktwiese am Ortsrand standen rund 25 Krankenwagen. Kräfte der Führungsgruppe Katastrophenschutz koordinierten unter ärztlicher Leitung die Verlegung der Patienten.

Um die bestmögliche weitere Versorgung sicherzustellen, wurden die Bewohner in umliegenden Krankenhäusern untergebracht. Die Medical Park Kliniken Blumenhof und Reithof hatten bereits im Vorfeld jeweils 15 Betten auf kurzfristig eingerichteten Isolierstationen bereitgestellt, nachdem es erste Hinweise auf möglichen Handlungsbedarf bereits am Sonntag gegeben habe. Gestern hatten sich der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Peter Young (Klinik für Neurologie, Reithofpark) und Chefarzt PD Dr. Rolf Radke (Klinik für Kardiologie, Blumenhof) vor Ort persönlich vom Gesundheitszustand der Senioren überzeugt und die Verlegung begleitet. 21 der 41 betroffenen Bewohner wurden in die beiden Häuser verlegt.

„Dank unserer neurologischen Erfahrung mit schwer- und schwerstbetroffenen Schlaganfall- und Schädel-Hirn-Trauma Patienten können wir die Heimbewohner bestmöglich versorgen. Natürlich entstehen durch die Versorgung von Corona-Patienten Risiken“, räumt Professor Dr. Young ein. „Diese Erfahrung haben wir in den letzten Tagen durch einen externen Infektionsherd in der Klinik Blumenhof selbst gemacht. Die Nicht-Versorgung von Betroffenen stellt in der aktuellen Krise aber das weitaus größere Risiko dar“, ist er überzeugt. Auf den beiden Stationen gibt es nach Angaben von Medical-Park-Sprecherin Ulrike Schillo teilweise auch Beatmungsplätze am Bett. Intensivpatienten könnten dort jedoch nicht betreut werden.

Hier ist die Schön Klinik Bad Aibling Harthausen eigenen Angaben zufolge sehr gut aufgestellt. Sie hat gestern acht Patienten aus Bad Feilnbach aufgenommen. „Wir sind schon voll in der Corona-Versorgung und haben Betten sowohl für die Intensivbetreuung als auch isolierbare Bereiche für nicht Corona-Patienten“, so Pressesprecherin Astrid Reining. Die Rheumaklinik Bad Aibling, in die auch Patienten verlegt wurden, wollte sich nicht äußern.

Betroffen über die Entwicklung in seiner Gemeinde zeigt sich Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Wallner. Er ist seit 16. März selbst in Quarantäne, nachdem er erfahren hatte, dass ein Familienmitglied Kontakt zu einer corona-positiven Person hatte (wir berichteten).

Ihn treibt die Situation sehr um: „Die Corona-Fallzahlen liegen in Bad Feilnbach weit über dem Landkreisdurchschnitt“, hat er bei einem Telefonat mit dem Gesundheitsamt erfahren. Woran das liegen könnte, darüber wollen die Behörden allerdings keine Auskunft geben, ebenso wenig wie über genauere Zahlen. Fest steht laut Wallner aber: „In unserer Gemeinde gibt es mittlerweile einige Corona-Todesfälle zu beklagen. Weitere Mitbürger liegen schwererkrankt in den Krankenhäusern.“

Dringender Appell:
„Bleiben Sie zu Hause“

Seit Wochen appelliert der Bürgermeister eindringlich vor allem an die älteren Bürger: „Bleiben Sie zu Hause. Die Gemeinde sorgt für ihre Risikogruppen.“ Doch sei immer noch mancherorts eine gewisse Sorglosigkeit zu beobachten, die ihn fast zum Verzweifeln bringt.

Mit Gedanken bei den Betroffenen ist auch die Geistlichkeit. Wie den evangelischen Diakon Friedrich Wiesinger belastet es viele, den Menschen, mit denen sie sonst regelmäßig in Kontakt sind, nicht mehr direkt zur Seite stehen zu können. „Wir haben es auch nur aus der Ferne mitbekommen, dass dort etwas geschehen ist“, sagt Wiesinger im Hinblick auf den Einsatz. An diesem waren auch Kräfte der BRK-Kreisverbände Rosenheim und Miesbach, der Ambulanz Rosenheim, des Malteser Hilfsdienstes Rosenheim, der Johanniter Wasserburg sowie von Polizei und Feuerwehr Bad Feilnbach beteiligt.

Christof Vornberger, Mitglied der Sanitätseinsatzleitung, hat den Einsatz organisiert. Er spricht von einer „sehr guten Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen“. Die Helfer, sämtlich aus dem Ehrenamt, seien „hoch motiviert“ gewesen. Ihr Engagement sei um so höher zu bewerten, da sie im Vollschutz arbeiten mussten, der den Einsatz „sehr anstrengend gemacht“ habe.

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