Mit dem morgigen Palmsonntag beginnt die Heilige Woche, in der wir Christen den Tod und die Auferstehung Jesu feiern. Der Palmsonntag erinnert an den Einzug Jesu in die Stadt Jerusalem. Er reitet auf einer Eselin. Menschen bilden mit ihren Kleidern und Zweigen einen Weg für ihn. Sie begleiten ihn und jubeln ihm zu: „Hosanna dem Sohn Davids“.
Dieses begeisterte Hosanna der Menge hielt aber nicht lange. Es kippte um in das „Kreuzige ihn!“, das ihn einsam werden ließ. Der Messias Jesus entsprach ganz und gar nicht ihren Erwartungen. Er vertrieb die verhassten römischen Besatzer nicht. Er passte nicht hinein in die Amtstheologie der Pharisäer und Schriftgelehrten.
Er war ein lebendiger Vorwurf, alles andere als zeitgemäß und stand im Weg. Und doch war in ihm eine göttliche Kraft am Werk, die heilte und befreite, eine Botschaft, die bewegte. Die Masse ließ sich schnell manipulieren. Ohne ihm je persönlich begegnet zu sein, war sie sich auf einmal sicher: „Jesus ist ein Betrüger. Er ist bestimmt nicht der Messias! Wir haben uns in ihm getäuscht.“
Auch heute will Jesus neu einziehen, in unsere Städte und Dörfer, in unsere Kirche, in unsere Familien und Gemeinschaften, in unsere Herzen. Er kommt anders als erwartet. Sein Siegeszug der Liebe geht über das Kreuz. Er nimmt alles Durchkreuzte unseres Lebens an, trägt es mit uns und für uns.
Jesus will einziehen in das Schwere und Bedrückende, in das Unerfüllte und Ungelebte, in die Angst, die Sorge, die Schuld, den Tod. Er ist der Gott mit uns, auch dann, wenn niemand in unserer Haut stecken möchte. Der Blick auf Jesus, den Gekreuzigten, gibt keine Antwort auf das bohrende Warum des Leidens. Aber er macht deutlich, dass Gott nicht über allem Leiden steht, sondern mittendrin ist. Jesus lebt, leidet und stirbt auch heute, um uns und in uns.
Mit den Palmzweigen, den Zeichen des Sieges bekennen wir uns zu Jesus dem Erlöser, zur Hoffnung, die uns trägt, auch da, wo wir an unsere Grenzen kommen und unsere ganze Ohnmacht spüren. Jesus kommt auch heuer, auch in Zeiten der Corona-Krise, wo wir keine feierlichen Palmprozessionen halten können, sondern daheim sind, vielleicht ganz allein. Wenn ich ihm erlaube, in mir einzuziehen, meine Lasten zu tragen und dabei erfahre, dass Gott an meiner Seite ist, ahne ich bereits einen Hauch von Ostern.
* Wegen der Corona-Krise haben die Gläubigen derzeit keine Möglichkeit, einen Sonntags-Gottesdienst zu besuchen. Die OVB-Heimatzeitungen wollen ihren Leserinnen und Lesern aus diesem Grund während dieser Zeit in der Wochenendausgabe jeweils eine geistliche Kolumne anbieten. Der heutige Autor ist Klaus Vogl, katholischer Pfarrer in Rott.