Vorfreude auf den Unterricht

von Redaktion

Grundschulen unterstützen Familien in der Corona-Krise – Regelungen für Übertritt

Rosenheim – Am Montag starten die Schüler in der Region in die Osterferien – doch für Eltern und Schüler fühlt sich angesichts der Corona-Krise dieses Mal ganz anders an. Denn seit Wochen sind die Schulen geschlossen, Unterricht findet daheim in den eigenen vier Wänden statt. Was zur Folge hat, dass zum Start der Osterferien, in denen auch Reisen nicht möglich sind, viele Schüler und Eltern schon den ersten Schultag in den Schulräumen herbeisehnen.

Nun können auch die jüngsten Schüler im Landkreis, ihre Eltern sowie die Grundschullehrer während der Corona-Krise ein wenig aufatmen: Das bayerische Kultusministerium hat das Übertrittsverfahren an die weiterführenden Schulen der aktuellen Ausnahmesituation angepasst. Das finale Zeugnis wird demnach am 11. Mai anstatt am 4. an die Viertklässler ausgegeben. Zuständig für die Grund- und Mittelschulen im Landkreis ist Schulamtsdirektor Edgar Müller. Dieser begrüßt die Maßnahmen.

„Im Zentrum unserer Überlegungen steht, dass unsere Schüler faire Bedingungen beim Übertritt bekommen“, betont Kultusminister Michael Piazolo. Der Ministerrat habe beschlossen, dass die Grundlage für das Übertrittszeugnis die bis zum 13. März erzielten Noten sind. Dieser Tag war der letzte vor den durch die Ausbreitung des Coronavirus bedingten Schulschließungen.

Neuer Zeugnistermin
reduziert den Druck

Noch ausstehende, verpflichtende Proben würden mit Rücksicht auf die Schüler nicht mehr gefordert. Diese können die Arbeiten jedoch auf freiwilliger Basis mitschreiben, um sich zu verbessern.

„Die Eltern können dann entscheiden, ob die Ergebnisse in die Durchschnittsnote einfließen“, so Piazolo. Das bedeute konkret, dass sich jedes Kind verbessern kann, aber nicht verschlechtern.

Schulamtsdirektor Müller ist erleichtert: „Der neue Fahrplan nimmt viel Druck aus der ganzen Situation. Das ist sowohl für Eltern als auch für Schüler sehr wichtig.“ Die letzten Proben seien auch erst in der Woche nach Schulstart geplant. „Das bringt noch einmal mehr Zeit zur Vorbereitung. Das halte ich für sehr sinnvoll“, sagt er.

Auch wenn die Schulstunden momentan noch ausfallen müssen, werden die Grundschüler von ihren Lehrern weiterhin unterstützt. „Wir haben Empfehlungen an die Schulen ausgesprochen, den Unterricht entweder auf digitaler oder analoger Art fortzusetzen. Aber im Endeffekt bleibt das eine Sache der Schulen und Lehrer, wie sie das umsetzen“, erklärt Müller.

Zu Hause seien der entscheidende Faktor die Eltern, betont Müller. Die müssten entscheiden, was im Hinblick auf ihre Arbeitssituation machbar sei und ihre Kinder so gut wie möglich unterstützen. Aber, das macht der Schulamtsdirektor auch deutlich, sei es nicht die Aufgabe der Eltern, daheim den Lehrer und den Unterricht zu ersetzen.

„Deshalb sollen die Schüler auch Aufgaben bekommen, die sie alleine absolvieren können.“ Mitunter am wichtigsten sei es, einen strukturierten Tagesablauf beizubehalten. Das bedeute: genaue Lernzeiten festlegen sowie Bewegung und Spiele an der frischen Luft einplanen.

Daran, dass sich die Grundschüler auch draußen aufhalten und nicht nur drinnen am Schreibtisch sitzen, ist auch Inge Thaler viel gelegen. Sie ist Direktorin der Astrid-Lindgren-Grundschule in Rosenheim. „Wir haben den Kindern Blätter mit Bewegungsübungen zugeschickt, die sie machen können. Draußen sein ist unheimlich wichtig.“ Außerdem gebe es digitalen Unterricht und Arbeitsblätter per Post.

„Die Lehrer halten auch intensiven telefonischen Kontakt mit ihren Schülern. Eine Lehrerin hat den Erstklässlern sogar eine Videobotschaft über Youtube gesendet“, berichtet Thaler.

„Wir machen uns Sorgen um die Kinder und die Familien. Die derzeitige Situation bedeutet großen Stress für alle“, ist die Rektorin überzeugt. Man müsse vor allem an die psychische Gesundheit der Kinder denken. „Sie haben Ängste und verstehen nicht, was gerade los ist.“

Sie glaubt deshalb, dass ihre Schützlinge sich wieder auf die Schule freuen. „Die Klassengemeinschaft und die sozialen Kontakte fehlen ihnen. Ein Viertklässler hat mir eine Nachricht in die Schule geschickt, in der er schreibt, dass ihm ‚Homeschooling‘ keinen Spaß macht“, erzählt sie lachend.

Entlastung
der Familien

In der Wasserburger Grundschule liegt das Hauptaugenmerk auf der Entlastung der Familien. „Für viele Eltern ist die gegenwärtige Situation eine schwierige Gratwanderung“, gibt Schulleiterin Sabine Obermaier-Tanner zu bedenken. „Sie müssen arbeiten, haben nicht viel Zeit und wissen nicht, wie sie die Aufsicht regeln sollen. Das übt massiven Druck aus.“

Für Kinder von Eltern, die in systemkritischen Berufen arbeiten, gibt es deshalb eine Notbetreuung in der Schule. „Man merkt dort schon, dass die Schüler ein wenig bedrückt sind. Ich glaube, sie würden gerne wieder in den Unterricht zurück, da es daheim doch langsam langweilig wird“, berichtet sie.

Auf die Homepage der Grundschule würden die Lehrer Arbeitsaufträge stellen, die von den Kindern daheim alleine bearbeitet werden können. „Alles Material, was sie dazu benötigen, haben sie am letzten Schultag mit nach Hause genommen“, erklärt die Rektorin.

Auch der KEG Bayern, der Berufsverband für Lehrkräfte und Pädagogen, hält die Reform des Übertrittszeugnisses für richtig.

„In einer ohnehin angespannten und für die Kinder sehr belastenden Situation mit Ängsten und Einschränkungen ist es der richtige Schritt, den Übertritts- sowie Leistungsdruck zu reduzieren“, stellt Walburga Krefting, Landesvorsitzende der KEG, klar. „Im Rest des Schuljahres sollten nicht die Proben im Mittelpunkt stehen. Stattdessen müssen den Kindern wichtige Kompetenzen vermittelt werden, um ein erfolgreiches Lernen an der weiterführenden Schule sicherzustellen.“

In Prien an der Franziska-Hager-Grundschule gibt es wie in Wasserburg ebenfalls eine Notbetreuung. „Die regelt sich gut. Jeden Tag ist ein anderer Lehrer in der Schule und passt auf die Kinder auf“, erklärt Schulleiterin Elisabeth Neuert-Kaiser. „Im Großen und Ganzen kommen die Familien gut zurecht, wir sind ständig mit den Eltern und Schülern in Kontakt. Aber die Isolationssituation ist für alle hart.“ Im Hinblick auf das verschobene Übertrittszeugnis ist für sie das Wichtigste, dass aus der Situation kein Nachteil für die Kinder entsteht. „Darauf passen wir besonders auf.“

Aus der Elternperspektive erzählt Evelyn L. aus Bad Aibling, wie sie die Maßnahmen des Ministeriums sieht. Ihr Sohn besucht die vierte Klasse einer Grundschule. „Ich finde es auf alle Fälle gut, dass es Verbesserungsmöglichkeiten geben wird. Im Moment sagen viele Eltern ihren Kindern jedoch noch nicht, dass das Zeugnis quasi schon gesichert ist, damit die Motivation nicht wegbricht und die Kinder auch in den Ferien noch weiterlernen“, sagt sie.

Der Kontakt zu den Lehrern ist vorhanden, auch per Telefon. Was ihr jedoch Sorgen bereitet, sind die Infoabende an den weiterführenden Schulen, die noch ausstehen und jetzt verschoben wurden. „Ich hätte die interessant gefunden. Es wäre mir auch wichtig, die Schulen einmal zu sehen und zu schauen, ob mein Sohn sich dort auch wohlfühlt“, sagt die Bad Aiblingerin. „Jetzt müssen wir sehen, ob die noch irgendwann stattfinden.“

„Eltern verdienen
höchsten Respekt“

Wolfgang Baumann, Rektor der St.-Georg-Grundschule in Bad Aibling, stellt vor allem die „unglaubliche Leistung der Eltern“ heraus.

„Ich möchte ein Lob an alle Eltern aussprechen, wie sie die Betreuung ihrer Kinder daheim organisieren. Das verdient meinen größten Respekt“, betont er. „Wir haben eine Notbetreuung in der Schule. Die wird jedoch nur in geringem Maße genutzt, viel weniger, als wir erwartet hatten.“

Auch wie es in den anstehenden Osterferien mit der Kinderbetreuung weitergeht, fragen sich viele Eltern. „Die Notbetreuung erfolgt in den Schulen weiterhin bedarfsgerecht von 8 bis 16 Uhr. Offene Ganztags- und Mittagsbetreuung gibt es aber nicht mehr“, informiert dazu Schulamtsdirektor Müller.

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