Corona hinter Gittern

von Redaktion

Infizierter Mitarbeiter in der JVA Bernau – Lage in Mühldorf ist aktuell ruhig

Bernau/Traunstein/Mühldorf – Das Coronavirus macht auch vor den Justizvollzugsanstalten keinen Halt. Ein Mitarbeiter der JVA Bernau ist positiv auf das Virus getestet worden und in Quarantäne. Von den 1182 Insassen in den fünf Haftanstalten in Südostbayern hat sich bislang kein Gefangener angesteckt.

„Bislang ist die Lage bei uns in den Anstalten den Umständen entsprechend entspannt“, sagt Clemens Schmid, Oberregierungsrat und stellvertretender Anstaltsleiter für Bernau, Traunstein und Bad Reichenhall. Bislang sei kein Gefangener mit dem Coronavirus infiziert. Was passieren würde, wenn ein Insasse positiv getestet würde, wisse man bislang nicht im Detail. Die Justizvollzugsanstalten arbeiten aber eng mit dem Gesundheitsamt zusammen, so Schmid. Je nach Krankheitsverlauf würden auch die Gefangenen ins Krankenhaus gebracht und entsprechend intensivmedizinisch behandelt.

Das gilt grundsätzlich für alle 36 Gefängnisse im Freistaat. Wie das Bayerische Justizministerium auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mitteilte, wurde inzwischen jeweils ein Bediensteter der Justizvollzugsanstalten Bernau, Hof, Straubing und Würzburg positiv auf das Coronavirus getestet. Die betreffenden Mitarbeiter befänden sich in häuslicher Quarantäne. Bis Ende März gab es nach Auskunft von Pressesprecherin Ulrike Roider „im bayerischen Justizvollzug keinen einzigen Fall einer Infektion eines Gefangenen mit dem Coronavirus“.

Maßnahmen
ergriffen

Die Haftanstalten hätten alle Maßnahmen ergriffen, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen. Seit 2005 existiere der „Bayerische Influenzapandemie-Rahmenplan“ als Instrument der Prävention vor einer epidemischen Ausbreitung der Influenza. Die darin enthaltenen Maßnahmen gelten auch für Gefängnisse. Dazu zählen die Anschaffung von Infektionsschutzmaterialien und bauliche Veränderungen, um die getrennte Unterbringung von Erkrankten und Verdachtsfällen gewährleisten zu können.

Mit der Ausbreitung des Coronavirus und neuen Erkenntnissen der Gesundheitsämter mussten die Pandemieplanungen aktualisiert werden. Die Anstalten wurden um sorgfältige Verdachtsabklärung gebeten, insbesondere bei neu aufzunehmenden Gefangenen.

Genügend Seife für die tägliche Hygiene steht jedem Gefangenen in seiner Zelle zu. „Auch in den Häusern und Gängen haben wir Desinfektionsmittelspender“, so Clemens Schmid. Allerdings sei das Mittel auf nichtalkoholischer Basis. Denn in der Vergangenheit habe es alkoholsüchtige Gefangene gegeben, die die Desinfektion getrunken haben.

Doch nicht nur die strengere Einhaltung der Hygiene bestimmt den Alltag der Gefangenen und der Justizvollzugsbeamten. Die Sorge um Angehörige draußen und die Angst vor dem neuartigen Coronavirus haben die Abläufe im Gefängnis verändert. Seit das Besuchsverbot angeordnet wurde, fehlt den Gefangenen jeglicher Kontakt zur Außenwelt. „Gefreut haben sie sich nicht, aber die meisten verstehen die Situation“, berichtet Schmid. Als Kompensation dürften sie mehr telefonieren. Auch der Austausch und Gesprächsbedarf zwischen Insassen und Justizvollzugsbeamten sei in der Krise höher.

Auch in der JVA in Mühldorf ist die Lage bisher ruhig. „Die Gefangenen reagieren im Hinblick auf die notwendigen Einschränkungen bislang sehr verständnisvoll. Sie begrüßen ganz überwiegend die ergriffenen Schutzmaßnahmen“, berichtet Andreas Stoiber, Leiter der Justizvollzugsanstalten Landshut, Mühldorf und Erding. Man versuche auch, eine Einschleppung des Virus durch Bedienstete zu verhindern, zum Beispiel durch eine verstärkte Sensibilisierung der Beamten in Bezug auf Abstands- und Hygieneregeln, so Stoiber.

In Bernau und Mühldorf bemühen sich alle, den „normalen“ Alltag so weit wie nur möglich aufrechtzuerhalten, berichten Clemens Schmid wie auch Andreas Stoiber. Die Gefangenen arbeiten weiter in den internen Betrieben. Und auch das therapeutische Angebot für die Häftlinge versuche man zu bewahren – abhängig von der Entscheidung der Therapeuten, ob sie noch arbeiten.

Haftantritte
werden verschoben

Um einem Einschleppen des Virus in den bayerischen Justizvollzug entgegenzuwirken, werden derzeit Personen, die eine Ersatzfreiheitsstrafe als Folge einer nicht bezahlten Geldstrafe, einen Jugendarrest oder eine Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten verbüßen müssen, erst zu einem späteren Zeitpunkt zum Haftantritt geladen. Alle empfohlenen Schutzmaßnahmen würden in den Haftanstalten realisiert.

Bedienstete mit denen die positiv getesteten Mitarbeiter Kontakt hatten, seien vorläufig vom Dienst entbunden und unter häusliche Quarantäne gestellt worden, sagt Ulrike Roider. Neu eingewiesene Gefangene würden in den Anstalten zunächst zwei Wochen unter Quarantäne gestellt und auf das Virus getestet.

1182 Gefangene in fünf Haftanstalten

In Südostbayern gibt es fünf Justizvollzugsanstalten mit insgesamt 1182 Insassen. Die meisten Gefangenen sitzen derzeit (Stichtag 29. Februar 2020) in Bernau mit 801 Gefangenen. 75 Insassen weist die JVA Mühldorf auf. In Traunstein sind 100 Gefangene, darunter auch Frauen, inhaftiert, in Bad Reichenhall 45 und in der Jugendhaftanstalt Laufen-Lebenau 161 Gefangene. kd

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