Rosenheim – Der neue Ärztliche Leiter Führungsgruppe Katastrophenschutz, Dr. Michael Städtler, hat es in der Hand: ein Hilfskrankenhaus zu aktivieren, sollten die Kliniken in Stadt und Landkreis aufgrund steigender Patientenzahlen aus allen Nähten platzen.
Doch wohin damit? Es kristallisiert sich offenbar der Standort Rosenheim heraus – und zwar die Schön Klinik Roseneck in der Droste-Hülshoff-Straße. Das Haus, ein Ableger der Schön Klinik Prien, verfügt über 120 Betten (Psychosomatik). Vergangene Woche war Informationen unserer Zeitung zufolge die örtliche Führungsgruppe Katastrophenschutz, zuständig für Stadt und Landkreis Rosenheim sowie für den Landkreis Miesbach (Rettungszweckverband), an die Schön Kliniken herangetreten. Der Plan: den Standort Rosenheim als „Interimsklinik“ zu nutzen.
Klinik Roseneck
bereits geräumt
Donnerstag vergangener Woche folgten auf Worte Taten: Die Schön Klinik verlegte die Patienten vom Standort Rosenheim nach Prien. „Die Klinik wurde bis zum Abend geleert“, gibt die Pressesprecherin des Unternehmens, Astrid Reining, Einblick in das Unterfangen. Erstes Ziel sei es dabei gewesen, personelle Ressourcen zu schaffen. Die insgesamt 15 frei gewordenen Mitarbeiter würden nun die Schön Klinik in Vogtareuth und die Klinik Bad Trissl in Oberaudorf unterstützen, so Reining weiter. Diese Personalressource wurde nach den Worten der Kliniksprecherin im Zuge des Pandemieplans, erstellt vom Katastrophenschutz, in Anspruch genommen.
Doch wie geht es nun weiter mit der Roseneck-Klinik Rosenheim? Auch dazu gibt es bereits Pläne, in die Reining Einblick gibt: Von den insgesamt 120 vorhandenen Betten sollen 24 für Covid-19-Patienten genutzt werden. Die übrigen 94 Betten sollen nach diesen Plänen ausschließlich für Krankenhauspatienten mit anderen Beschwerden zur Verfügung stehen. „Um beispielsweise die somatischen Krankenhäuser zu entlasten“, so schildert es die Sprecherin. Die Überlegungen seien gemeinschaftlich zwischen der Geschäftsführung der Schön Kliniken und dem Katastrophenschutz erfolgt.
Mit dem Standort an der Droste-Hülshoff-Straße würde die „Interimsklinik“ auch eine Maßgabe von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml erfüllen: Ein Hilfskrankenhaus solle möglichst in der Nähe zu einem bestehenden Krankenhaus eingerichtet werden. Und: Es soll überdies dem jeweils nächstgelegenen Krankenhaus organisatorisch zugeordnet werden. Das Haus Roseneck entspricht darüber hinaus einer weiteren Vorgabe der Ministerin: Die Kapazität muss mindestens 90 Betten umfassen.
Eine Bestätigung hinsichtlich des Hilfskrankenhauses blieb seitens des Katastrophenschutzes, angesiedelt im Landratsamt Rosenheim, gestern aus. Man wolle zum jetzigen Zeitpunkt keine näheren Angaben zum erarbeiteten Konzept machen, so Sprecherin Ina Krug.
Die Kapazitäten
der Kliniken
Die Kliniken in Stadt und Landkreis sehen sich inzwischen gut gerüstet in Bezug auf die Corona-Pandemie. Als Schwerpunktkrankenhäuser benannt sind neben den Romed-Kliniken Rosenheim, Wasserburg und Bad Aibling auch die Schön Kliniken Bad Aibling und Vogtareuth.
Die Schön Kliniken Bad Aibling halten insgesamt 42 intensivmedizinische Betten für Covid-19-Patienten vor sowie 26 isolierbare Betten auf Normalstationen.
Auch die Schön Klinik in Vogtareuth hat umgerüstet. Sie hält 14 Intensivbetten und 76 Betten auf Normalstationen für Corona-Patienten bereit – wobei diese Kapazitäten weiter ausgebaut werden könnten, wie Sprecherin Reining mitteilte. Zudem entlaste das Klinikum Vogtareuth als Spezial-Notfallversorger für Herz- und Neurochirurgie andere Krankenhäuser.
Der Romed-Verbund mit den Häusern in Rosenheim, Wasserburg und Bad Aibling verfügt bis dato über 39 Intensivbetten mit „erstklassigen“ Beatmungsgeräten („High Care“, ausgestattet mit Monitoren etc.). Davon sind laut Romed-Sprecherin Elisabeth Siebeneicher aktuell 13 Plätze frei (Stand 6. April). Insgesamt behandeln die Romed-Kliniken derzeit 168 Covid-19-Patienten beziehungsweise Verdachtsfälle. 30 dieser Patienten befinden sich auf der Intensivstation.
Von Überlastung kann aktuell an den Romed-Kliniken keine Rede mehr sein – ganz im Gegenteil: Die Situation entspannt sich nach den Worten der Sprecherin, weil auch andere Kliniken bereit sind, Covid-19-Patienten zu übernehmen. „Dennoch sind weiterhin über 80 Prozent der Covid-Patienten der Region in den Romed-Kliniken untergebracht.“
Hochrechnung
zu Intensivbetten
Mit Argusaugen blicken die Romed-Kliniken zudem auf die Zahlen und aktuellen Entwicklungen. Auch die Annahme zur durchschnittlichen Verweildauer auf den Intensivstationen wird an den Romed-Kliniken regelmäßig den Erfahrungswerten angepasst. Die aktuelle Schlussfolgerung: eine niedrigere Auslastung der Beatmungsplätze, die vorgehalten werden müssen. Das bedeutet in Zahlen: Für Ende April rechnet der Klinikverbund mit etwa 52 Intensivpatienten – womit die Kapazitäten in Stadt und Landkreis mit insgesamt 95 Intensivbetten weiter ausreichen würden.