Blick zum Kreuz und Begegnung mit dem Auferstandenen Botschaft zum Leben

von Redaktion

Für uns legen es heuer die Umstände nahe, Ostern ohne das persönliche Erlebnis der feierlichen Gottesdienste in den Kirchen zu feiern.

Damit sind wir ganz nahe am Kern der Osterbotschaft. Auch die Auferstehung Jesu ist unter außerordentlichen Umständen geschehen. „Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag! Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt“ (Mt 28,2-7).

Der Evangelist Matthäus beschreibt hier nicht den Vorgang der Auferstehung selbst, sondern er berichtet von dem, was unmittelbar danach geschah. Wie schon so oft, wenn Ereignisse aus biblischen Geschehen berichtet werden, ist es ein Engel, der unter den außerordentlichen Umständen, das Geschehen in Worte fasst. Wenn eine Botschaft des Himmels verkündet werden soll, übernimmt ein Engel diese journalistische Aufgabe. Das ist so bei der Verkündigung der Menschwerdung Jesu an Maria, das geschieht bei den Hirten in Betlehem und ebenso ist es ein Engel, der den Josef aufmerksam macht, nach Ägypten zu fliehen, damit das neugeborene Kind vor dem grausamen Herodes verschont bleibt.

Und jetzt genauso bei seiner Auferstehung. Unter ungewohnten Umständen steigt ein Engel bei einem Erdbeben vom Himmel herab, wälzt den Stein weg und setzt sich darauf. Er sagt zu den Grabbesucherinnen, den beiden Frauen, sie brauchen sich nicht zu fürchten. Er weiß sogar, wen sie suchen: Jesus den Gekreuzigten; er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden, sagt der Engel. Das sind die ersten Worte darüber, dass der Tote wieder lebt.

Unglaublich! Die Frauen sehen nur das leere Grab. Das andere können sie zunächst nur glauben oder daran zweifeln. Es gibt kein Gespräch zwischen den Frauen und dem Engel. Sie bekommen einen Auftrag, nämlich zu seinen Jüngern zu gehen, von dem Ereignis zu erzählen und weiterzugeben, dass sie ihn auf dem Weg nach Galiläa treffen werden. Das sind doch alles Umstände, die einem nicht so schnell in den Kopf und ins Herz gehen. Aber es sind die Ursprünge des Osterfestes. 2000 Jahre lang hören wir diese Botschaft schon und es bleibt eine Glaubensbotschaft, die noch niemand wissenschaftlich belegen oder widerlegen konnte.

Niemand hat nach dem Kreuzestod damit gerechnet, dass dieser Jesus wieder zum Leben kommt. Die Verheißungen kannten zwar einige, aber für den Großteil der Leute damals war es etwas völlig Neues.

Die Corona-Pandemie ist für die meisten von uns auch etwas völlig Neues. Wir wurden durch sie in Umstände hineingeführt, die sich vor drei Monaten niemand hätte so ausmalen wollen. Und trotzdem feiern wir Ostern – das Fest der Auferstehung Jesu – ein Fest des Glaubens und des Lebens. Der Glaube ist es auch, der uns in der gegenwärtigen Situation hilft, mehr an das Leben zu glauben als an den Tod. Wir erleben, wie viele Menschen im pflegerischen und medizinischen Bereich alles geben, damit die Krise nicht eskaliert. Viele Menschen, besonders junge, sind bereit, für ältere einzukaufen und notwendige Besorgungen zu machen. Die Aktion „Brot und Rosen“ unterstützt die Menschen in vielfältigen Nöten, so auch die Telefonseelsorge und viele mehr.

Das sind alles Zeichen für das Leben. Letztendlich sind alle, die jetzt irgendwie helfen und unterstützen, Zeugen und Zeuginnen für das Leben, deren Engagement letztendlich im Osterglauben wurzelt. Nicht Tod, Sterben, Pandemie haben das letzte Wort, sondern das Leben.

Im Alten Testament lesen wir bei Mose die Geschichte, wie der Herr Giftschlangen unter das Volk schickte, weil die Menschen sich gegen Gott und Mose empört haben und unzufrieden waren auf ihrem Weg ins gelobte Land. Viele Israeliten wurden von den Giftschlangen gebissen und starben. Mose betete für das Volk und der Herr gab ihm den Auftrag, eine Schlange aus Kupfer zu machen und diese an einer Fahnenstange aufzuhängen.

Daraufhin war es dann so: jeder, der von einer Schlange gebissen wurde, blieb am Leben, wenn er seinen Blick auf die kupferne Schlange richtete. Hintergrund war, dass die Israeliten kein Vertrauen mehr hatten in die Fügung und Führung Gottes. Wer aber nach einem Schlangenbiss zur ehernen Schlange aufblickte, hat sich wieder der Fügung und Führung Gottes anvertraut. Das wirkte damals wie eine Medizin.

Die an der Fahnenstange aufgehängte Kupferschlange und später das Kreuz Christi – beide sind Zeichen, die uns vor dem Sterben, vor dem ewigen Tod schützen wollen. Der Blick zum Kreuz und die Begegnung mit dem auferstandenen Christus sind für uns Christen heute die Botschaft zum Leben, die Medizin für das Leben, sowohl hier als auch in der künftigen Welt. Sie sind auch Botschaft dafür, wie wir heute aus der weltweiten Pandemie wieder heil heraus-kommen können.

Möge der Osterglaube und die Osterbotschaft uns in dieser Hoffnung bestärken und begleiten auf dem Weg in eine gute Zukunft: „Christus auferstanden, Halleluja! Der Herr ist wahrhaft auferstanden, Halleluja!“

* Wegen der Corona-Krise haben die Gläubigen derzeit keine Möglichkeit, einen Sonntags-Gottesdienst zu besuchen. Die OVB-Heimatzeitungen wollen ihren Leserinnen und Lesern aus diesem Grund während dieser Zeit in der Wochenendausgabe jeweils eine geistliche Kolumne anbieten. Der heutige Autor ist Georg Neumaier, katholischer Stadtpfarrer in Bad Aibling.

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