Ermittler vereiteln Millionen-Ding

von Redaktion

Traunsteiner Behörden decken schäbigen Betrug mit Schutzmasken auf

Traunstein – Spektakulärer Erfolg für Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei in Traunstein: Die Ermittler haben einen Millionen-Betrug mit Atemschutzmasken aufgedeckt. Die Betrüger, die in Asien sitzen, wollten 15 Millionen Euro abzocken – für Masken, die es gar nicht gibt. Einen Großteil des Geldes konnten die Ermittler sichern.

Der Erfolg geht nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Volker Ziegler auf das Konto einer Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft Traunstein, die vor zwei Jahren zur Verfolgung grenzüberschreitender Kriminalität eingerichtet worden war. Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen, nachdem ein Geschäftsmann in Traunstein Anzeige erstattet hatte.

NRW wollte zehn Millionen Masken

Der Mann, Geschäftsführer von zwei Vertriebsfirmen mit Sitzen in Zürich und Hamburg, hatte nach offiziellen Auskünften Mitte März von vermeintlichen Anbietern aus dem asiatischen Raum Angebote zur Lieferung von Atemschutzmasken erhalten.

Er suchte daraufhin Abnehmer in Deutschland – und wurde in Nordrhein-Westfalen fündig: Das Bundesland wollte zehn Millionen Masken für knapp 15000000 Euro abnehmen. Die Lieferung der Masken sollte über Zwischenhändler in den Niederlanden laufen.

Ende März zog sich der Geschäftsführer nach einem Urlaub in Österreich im Landkreis Traunstein in häusliche Quarantäne zurück. Von dort aus überwies er den angeblichen Lieferfirmen im Ausland schon mal Geld zur Anzahlung, insgesamt 2400000 Euro. Nachdem er kurz darauf erkannt hatte, dass er besonders einfallsreichen Betrügern aufgesessen war, erstattete er am 30. März bei der Polizei in Traunstein Anzeige. Zu diesem Zeitpunkt war die Millionenbeute schon fast in den Händen der Kriminellen: Das Land Nordrhein-Westfalen hatte fast den gesamten Kaufpreis bereits an die Schweizer Gesellschaft überwiesen.

52 Wagen für Lieferung

Für die Abholung und Auslieferung der Masken nach Nordrhein-Westfalen standen in den Niederlanden schon 52 Lieferfahrzeuge bereit. Diese Lieferfahrzeuge sollten ab der deutschen Grenze von der Polizei begleitet werden.

Die Eskorte hätte aber nichts gebracht –- den ganz großen Betrug verhinderten eben vor allem die Traunsteiner Beamten. Dass die schäbige Masche in diesem besonders dreisten Fall nicht klappte, ist aber insgesamt internationaler Zusammenarbeit zuzuschreiben. Die Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft Traunstein hatte sich zusammen mit der Kriminalpolizei für zentrale Aufgaben (KPIZ) Traunstein, der Wirtschaftsabteilung der Kriminalpolizei (KPI) in Traunstein und Ermittlungsbehörden in mehreren europäischen Ländern eilig auf die Spur der Betrüger begeben.

So gelang es bisher, über zwei Millionen Euro auf ausländischen Konten einzufrieren und dem Zugriff der Täter zu entziehen. Das Land Nordrhein-Westfalen hat zudem von der Schweizer Firma bereits über 12 Millionen Euro zurückbekommen.

Internationale Zusammenarbeit

Die Agentur für die europäische Zusammenarbeit der Justizbehörden EUROJUST und Interpol unterstützten die nationalen Behörden bei der Koordination der Ermittlungen. Nun wäre noch die Identität der Betrüger zu klären und der Restbetrag zu beschaffen. So viel ist mittlerweile laut Volker Ziegler von der Staatsanwaltschaft Traunstein klar: Die Betrüger haben offenbar die Identität einer europäischen Firma „gekapert“. Dazu laufen weitere Nachforschungen, zu denen, so sagte es Ziegler den Heimatzeitungen des OVB, „aus ermittlungstaktischen Gründen“ keine näheren Angaben gemacht werden könnten.

Das „Traunsteiner Modell“

Im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität über Grenzen hinweg beschritt der Freistaat im August 2018 neue Wege. Als erste Staatsanwaltschaft in Bayern bekam die Staatsanwaltschaft Traunstein eine Abteilung mit vier zusätzlichen Ermittlern. Sie legen die Strukturen europaweit agierender Banden offen und forschen nach  Hintermännern. Dabei arbeiten sie mit Behörden auch in Österreich und Italien zusammen. Insbesondere nehmen sie die hoch lukrativen Aktivitäten von Schleusern sowie von Schmugglern von Drogen und Waffen ins Visier. 

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